Amerika braucht Ihre Hilfe

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Die völkische Internationale reicht jetzt von Moskau bis nach Washington. Doch dagegen kann etwas getan werden.

Die Vereinigten Staaten von Amerika haben Europa viel gegeben. Amerikanische Soldaten haben den alten Kontinent im Ersten Weltkrieg vor den imperialen Gelüsten des kaiserlichen Deutschland gerettet; im Zweiten Weltkrieg haben amerikanische Soldaten Europa von den Nazis befreit. Im kalten Krieg hat Amerika durch nukleare Abschreckung dafür gesorgt, dass im Westen des Kontinents freie, demokratische Gesellschaften aufblühen konnten.

Außerdem war Amerika für Europa und die Welt ein Vorbild: Es hat gezeigt, dass eine freie Gesellschaft mit einer freien, kapitalistischen Wirtschaft die humanste Form des menschlichen Zusammenlebens ist. Und es hat der ganzen Welt kulturelle Impulse gegeben – mit seiner Musik, seiner Literatur, seiner Philosophie, mit seinen Filmen und Musicals.

Doch heute braucht die amerikanische Demokratie ihre Hilfe. Sie wird von innen bedroht: von einem offenkundig geisteskranken Präsidenten mit faschistischen Neigungen, der das Land entgegen allen Traditionen des Rechtsstaates wie ein lateinamerikanischer Caudillo per Dekret regieren will – einem Rassisten, der die demokratischen Verbündeten der Vereinigten Staaten verachtet und Autokraten vom Schlage eines Wladimir Putin oder Rodrigo Duterte bewundert. Letzterer ist gerade damit beschäftigt, auf den Philippinen ein Blutbad anzurichten.

Extremisten entgegentreten

Ausländer sind gewöhnt, sich die Vereinigten Staaten als ein ungeheuer mächtiges Gebilde vorzustellen. Denken Sie an Amerika heute lieber als ein schwaches Land, das Ihrer Hilfe bedarf – so wie nach dem islamistischen Terroranschlag vom 11. September, als die Nato zum ersten Mal in ihrer Geschichte um Beistand angerufen wurde.

Was können Sie tun? Rufen Sie Ihre amerikanische Botschaft an und drücken Sie Ihre Besorgnis aus. Schreiben Sie an die Bürgermeister von Boston, New York, San Francisco, Chicago und anderen „sanctuary cities“, die gegen Trump aufstehen, und sagen Sie ihnen, dass die demokratisch gesinnten Menschen in Europa mit ihnen solidarisch sind. Unterstützen Sie amerikanische Zeitungen wie die „New York Times“, die „Washington Post“ oder die Internetplattform „Slate“, indem Sie sie abonnieren. Es geht dabei nicht darum, dass man mit allem übereinstimmt, was in diesen Zeitungen steht (ich selber habe mich oft über die unfaire Israel-Berichterstattung der „New York Times“ geärgert). Es geht darum, die Arbeit von unabhängigen Journalisten zu unterstützen, damit Amerika nicht im Fluss von Trumps Lügen ertrinkt. Und überweisen Sie eine Geldspende an „Stand Up Republic“. Das ist eine Initiative, die von Evan McMullin ins Leben gerufen wurde – einem ehemaligen CIA-Mann und Konservativen aus Utah, der entschieden gegen das Trump-Regime steht.

Vor allem aber: Sorgen Sie dafür, dass Ihre eigene Gesellschaft frei bleibt. Treten Sie also in Ihrem eigenen Land linken wie rechten Extremisten entgegen. Und seien Sie dabei so mutig, wie wir Amerikaner es jetzt in unserem Land sein müssen. Die Rechtsradikalen haben eine völkische Internationale aufgebaut, die von Moskau bis Washington reicht. Es wird höchste Zeit, dass die Freunde der offen Gesellschaft auf der ganzen Welt ihnen die Stirn bieten.




Hannes Stein, geboren 1965 in München, aufgewachsen in Salzburg, hat lange in Schottland, länger in Israel und am längsten in Hamburg und Berlin gelebt. 2007 in die Vereinigten Staaten ausgewandert, seit 2012 amerikanischer Staatsbürger. Verheiratet, ein Kind. Kulturkorrespondent der "Welt" und WamS" in New York. Zuletzt erschien der Roman "Der Komet", erhältlich als kiwi-Taschenbuch.


Mit freundlicher Unterstützung von johannesdultz.com