Alice Weidel 2016 in Wismar CC BY-SA 3.0 de MAGISTER

Correctiv und AfD gemeinsam gegen den Liberalismus

Das „Recherchebüro“ Correctiv gibt gerne dem Liberalismus eins mit. Das geht am besten, indem man ihn unzulässig mit der AfD assoziiert und dabei auch gleich noch das Geschäft der Scheinliberalen in der AfD mitbetreibt.

Das (zumindest nach eigenen Angaben) unabhängige Recherchebüro „Correctiv“ von David Schraven hat mit seinem misogynen Slutshaming über Iris D. und der darauffolgenden Nicht-Entschuldigung nicht zum ersten Mal über die Stränge geschlagen. Wenn es gegen die AfD geht ist die Selbstdarstellung …

Wir wollen jeder Bürgerin und jedem Bürger Informationen geben, damit man die Welt besser versteht.

… schnell vergessen.

Die Kolportage als journalistische Darstellungsform

Auch in einem vor einigen Tagen erschienen und vollmundig als „Recherche“ verschlagworteten Stück von Tania Röttger wird die AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel gleich im Titel als „Radikalliberal“ charakterisiert. Das ist nicht als Kompliment gemeint.

Das macht Röttger gleich zu Beginn klar, indem sie den angeblichen ideologischen Hintergrund Weidels mit dem klassischen Liberalismus der Österreichischen Schule verhackstückt.

Als Ökonomin orientiert sich Weidel an dem 1992 verstorbenen Friedrich von Hayek, dem wichtigsten Vertreter der liberalen Österreichischen Schule, …

Es wäre wirklich spannend zu lesen, wenn Röttger herausgearbeitet hätte, wie Weidel als Ökonomin sich an Hayek orientiert. Denn als Politikerin und Spitzenkandidatin der AfD tut sie es nicht.

Röttger nennt als eines der wenigen Beispiele für Weidels ökonomische Standpunkte die Forderung, Deutschland möge „eine ‚D-Mark 2.0‘ einführen“. Eine solche Forderung nach Re-Nationalisierung der Währung orientiert sich aber nicht an Hayek. Sie widerspricht fundamental seiner 1976 veröffentlichten Idee der Entnationalisierung des Geldes, in der viele verschiedene Varianten von Mark, Gulden, Franken, Schilling, Bitcoin und eben auch Euro nebeneinander existieren können.

… auf den sich schon Augusto Pinochet, Ronald Reagan und Margret Thatcher beriefen.

Der Subtext solcher Assoziationsketten ist immer der gleiche: Augusto Pinochet, der Schlächter von Chile berief sich auf Hayek, also ist Hayek ein böser Rechter — und alle die sich auf ihn berufen sind es auch: Guilt by association.

Die Haltung Hayeks zu überbordenden staatlichen Eingriffen in das Leben der Menschen, führt laut Röttger dazu …

… dass Hayek-Anhänger etwa den Klimaschutz ablehnen, weil auch der eine zu große Einmischung des Staates in die Wirtschaft bedeute.

Correctiv muss hier (mal wieder) korrigiert werden. Hayek-Anhänger können Maßnahmen zur Reduzierung des anthropogenen CO₂-Ausstoßes durchaus befürworten, wie dieser ausführliche Essay über Hayeks mögliches Verhältnis zur Klimapolitik belegt. Was aber mit Hayek zu kritisieren wäre, ist die Absolutheit mit der „Klimaschützer“ sich weigern zu überprüfen, ob die jeweils aufgewandten Ressourcen nicht auch besser hätten eingesetzt werden können.

Was an Alice Weidel nun radikalliberal sein soll, bleibt ein Rätsel. Warum Correctiv unbedingt den Liberalismus mit der AfD assoziieren will, auch. Aber Weidel und Konsortien können sich dank der Falschdarstellungen der Correctiv-Kolporteure jetzt mit den Federn des Liberalismus schmücken, mit dem sie nichts zu schaffen haben.

 

Gastkolumnist Daniel Fallenstein, polnisch-deutsch-schweizerisches Migrantenkind und Hundenarr, lebt in Berlin, redigiert Freedom Today Network und studiert Rechtswissenschaften.

 




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