Erwachsen werden, mit dem Golf Rudolf Stricker

Es ist an der Zeit, erwachsen zu werden

Mit der Wahl Donald Trumps ist auf einmal alles anders. Die EU muss erwachsen werden.

Nachdem die Alliierten gemeinsam mit der Roten Armee den Zweiten Weltkrieg gewonnen und Deutschland und die deutschen Vasallen und Verbündeten besiegt hatten, wurden die internationalen Beziehungen und Geflechte unter maßgeblichem Einfluss der USA neu eingerichtet. Es wurden Institutionen geschaffen, die alle dem Ziel dienten, die liberale westliche Weltordnung dergestalt zu verankern, dass ein Ausbruch aus dieser kaum möglich sein sollte. Deshalb gibt es die UN mit dem UN-Sicherheitsrat, deshalb gibt es die fünf Veto-Mächte im Sicherheitsrat, deshalb gibt es die Weltbank, gibt es die NATO, und letztendlich auch die EU. Ja, es ist so: So, wie die USA von Europäern (vornehmlich aus England, Irland und Deutschland) gegründet wurde, so haben die USA uns nach dem Zweiten Weltkrieg zuerst die NATO geschenkt und dann uns mittels Westbindung über EWR auf den guten Weg zu EU und Euro geführt.

Der unausgesprochene Deal war immer: Die Welt wird nach amerikanisch-britisch-liberalen Ideen gestaltet, im Gegenzug sorgen die USA für Sicherheit in der Welt, besonders in Europa. Wir bekommen einen sicheren Platz unter der Allmacht des amerikanischen Raketenschirms und können uns dafür primär um Wirtschaft, Wachstum und Wohlstand kümmern. Und wir können uns kleinteilige Armeen leisten, die keinen größeren Konflikt mehr überstehen würden. Das war der Nachkriegskonsens, von dem alle Beteiligten profitiert haben.

Natürlich gab es immer Situationen, in denen die eine oder die andere Seite mit der Vereinbarung unzufrieden war. Der Irak-Krieg sei genannt in der jüngeren Vergangenheit, und auch das Veto Deutschlands, Georgien und Ukraine in die NATO aufzunehmen.

Seit dem 9. November stehen wir jetzt allerdings vor einem Scherbenhaufen. Mit der Wahl Trumps ist der Deal Makulatur. Die EU kann sich schlechterdings nicht mehr auf den großen Bruder USA verlassen. Als politisch denkender Mensch muss man bereit sein, Trump zu glauben, dass er seine über Jahre hinweg gleichbleibend geäußerten Meinungen in internationaler Politik auch ernst meint. Das heißt nicht nur, dass TTIP erledigt ist. Das heißt letztendlich auch, dass die NATO wenig mehr als eine bloße Hülle ist. Wie sollen wir darauf vertrauen, dass die überragende amerikanische Feuerkraft zu unserer Verfügung steht, wenn sich der Präsident aus der Welt zurückziehen will?

Es führt kein Weg an der schmerzhaften Feststellung vorbei, dass die Zeit des sorglosen Seins unter dem amerikanischen Schirm sich seinem Ende zuneigt. Europa, namentlich die EU, muss nun seinen eigenen Weg in der Welt finden, wenn wir auch in Zukunft mehr sein wollen als ein großes Disneyland mit Fachwerkhäusern und putzigen Marotten. Das heißt, ganz konkret: Die EU braucht eine ordentliche Regierung, eine richtige Trennung der europäischen, nationalen und regionalen Ebenen, damit die Bürgerinnen und Bürger wissen, wer was wo entscheidet. Und die EU braucht eine machtvolle gemeinsame Armee. Eine Wirtschaftssupermacht ist die EU bereits, nun geht es darum, auch eine militärische Supermacht zu werden.

Wir müssen erwachsen werden.




Sozialdemokrat, anderen Argumenten und Ideen gegenüber zugänglich. Bekämpft ab und an den Liberalen in sich. Lebt in Mannheim. Hat Geschichte, Germanistik und Theologie studiert.


Mit freundlicher Unterstützung von johannesdultz.com