Impfbuch mit Spritze Dirk Vorderstraße/Flickr/CCBY

Her mit der Impfpflicht!

Die Masern sind wieder auf dem Vormarsch. Das können wir nicht dulden.

Auf Facebook amüsiert man sich gerade über die Heilpraktikerin Zita Schwyter aus Uznach, die sich als radikale Impfgegnerin einen Namen gemacht hat. Ihre These: Impfungen verursachen „Impfkrankheiten“. Darunter: Masturbation.

Das lässt in zwei Abgründe blicken: Erstens, und das ist fast schon zu offensichtlich, um es noch aufschreiben zu müssen: Impfungen haben natürlich nichts damit zu tun, dass Kinder und Jugendliche masturbieren. Und selbst wenn: Wo ist das Problem? Der zweite Abgrund ist tiefer: Was ist von jemanden zu halten, der sich als medizinische Beraterin begreift und Masturbation als Krankheit sieht?

Ein Akt der Solidarität

Der Tenor auf Facebook ist: Die Frau hat einen Knall, einen Hau, ist nicht ganz sauber im Kopf. Mag alles sein. Das wäre aber nur das Problem von Frau Schwyter. Gleichzeitig macht diese Frau Eltern Angst und sorgt somit dafür, dass Kinder nicht geimpft werden, wodurch die wichtige Herdenimmunität nicht greifen kann. Herdenimmunität beschreibt den Zustand, mit dem sichergestellt wird, dass eine so große Zahl an Personen immun gegen Krankheiten ist, dass keine Epidemie entstehen kann. Das ist wichtig für Kleinkinder, die in den ersten Wochen der Geburt noch nicht geimpft werden können. Außerdem gibt es Menschen, die Impfungen nicht vertragen. Sich impfen zu lassen ist also auch ein Akt der Solidarität denen gegenüber, die das nicht selbst tun können.

Schon im Oktober wurde bekannt, dass die Zahl der Masern-Fälle wieder zunimmt, weil zu viele Kleinkinder nicht geimpft werden. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte forderte deshalb eine Impfpflicht gegen Masern.

Geschehen ist indessen nichts, das Thema ist über Weihnachten und Neujahr versickert. In Berlin droht nun eine neue Masernwelle, gerade erst hat ein mit Masern infiziertes Baby weitere Babys und Krankenhauspersonal angesteckt.

Die Freiheit des Einzelnen muss zurückstehen

Wie gehen wir nun damit um, dass Eltern mutwillig ihre Kinder und die Kinder anderer Leute gefährden? Und dabei ist es ja völlig egal, ob die Eltern ihre Kinder aus ideologischen Gründen nicht impfen, also weil sie den Verlautbarungen von Esoterik-Gurus Glauben schenken (Prenzlauer-Berg-Syndrom), oder ob sie schlicht überfordert sind.

Für mich ist schon lange klar: Hier muss die Freiheit des Einzelnen zurückstehen, der Schutz der Allgemeinheit wiegt viel schwerer. Es ist nicht in Ordnung, andere Menschen mutwillig anzustecken und zu gefährden. Das gilt beim Sex, deshalb sind Kondome wichtig, und das gilt bei den Masern. Die Impfpflicht gegen Kinderkrankheiten wie Masern muss her, am besten als Pflichttermin lange vor dem Kindergarten.




Sozialdemokrat, anderen Argumenten und Ideen gegenüber zugänglich. Bekämpft ab und an den Liberalen in sich. Lebt und arbeitet in Mannheim. Hat Geschichte, Germanistik und Theologie studiert.


Mit freundlicher Unterstützung von johannesdultz.com