Herrenreiter Hindenburg (um 1888)

Hindenburg reloaded?

Die französische radikale Linke darf nicht den Fehler der deutschen Kommunisten 1925 kopieren

Nachdem Reichspräsident Friedrich Ebert (SPD) 1925 überraschend verstarb, standen Präsidentschaftswahlen in der Weimarer Republik an. Ebert musste monatelang Hetze von antidemokratischen und reaktionären Kräften, die aktiv gegen die neue deutsche Republik agitierten, ertragen. Er konnte sich juristisch nur mit Prozessen wegen Verletzung der persönlichen Ehre verteidigen, in seiner Funktion als Reichspräsident genoss er keinen besonderen Schutz. Eine verschleppte Krankheit raffte den einzigen demokratischen Reichspräsidenten, den die Weimarer Republik haben sollte, dann hinweg. (Auch dies ein Grund übrigens, warum in Deutschland heute die Verunglimpfung des Bundespräsidenten ein eigener Straftatbestand ist.)

Ebert starb, die Weimarer Republik war in Aufruhr. Es stand nicht gut um Deutschland, die junge Demokratie und Republik war nicht gefestigt. Wirtschaftliche Not machte die Menschen anfällig für Verlockungen rechter Rattenfänger.

Kein gemeinsamer Kandidat

In dieser Situation konnten sich die demokratischen Parteien, die die Weimarer Republik aus der Taufe gehoben hatten, die sogenannte Weimarer Koalition aus SPD, Zentrum (konservativ) und DDP (liberal), im ersten Wahlgang nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen. Im zweiten Wahlgang einigten sie sich dann auf den moderaten Zentrumspolitiker Wilhelm Marx, der antirepublikanische Block ging ins Rennen mit Monarchist Paul von Hindenburg, der sich im Ersten Weltkrieg seinen Ruf als Kriegsverbrecher redlich verdient hatte. Die Kommunisten schickten erneut Ernst Thälmann ins Rennen.

Es kam, wie es kommen musste: Hindenburg siegte knapp vor Marx, mit 48,3 zu 45,3 Prozent. Thälmann erhielt mit 6,4 Prozent die entscheidenden Stimmen aus der Arbeiterschaft, die Marx zum Sieg fehlten.

Hindenburg ernannte später Adolf Hitler zum Reichskanzler, nachdem er ihn bei der letzten einigermaßen freien Reichspräsidentenwahl 1932 noch besiegt hatte. Der Rest ist, wie man so sagt, Geschichte.

Will die französische radikale Linke unter ihrem Anführer Jean-Luc Mélenchon dieses historische Versagen der deutschen Kommunisten 1925 im Jahr 2017 nun wirklich kopieren?




Sozialdemokrat, anderen Argumenten und Ideen gegenüber zugänglich. Bekämpft ab und an den Liberalen in sich. Lebt und arbeitet in Mannheim. Hat Geschichte, Germanistik und Theologie studiert.


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