Foto: Hassan Fazili / CWFF

Hinschauen! Diese Filme sind lebensgefährlich

Beim „Censored Women’s Film Festival“ bekommen Filmemacher eine Plattform, die in ihrer Heimat verfolgt werden.

Hassan Fazili musste schon als Jugendlicher vor seinen eigenen Eltern fliehen, aus der afghanischen Provinz ins hunderte Kilometer entfernte Kabul – sie wollten, dass er ein Mullah, ein Geistlicher wird.

Auf den Straßen Kabuls schlug er sich durch, war obdachlos und allein. Bis er seine Leidenschaft für das Kino entdeckte.

Seitdem wurde er immer wieder mit dem Tode bedroht, zuletzt von den Taliban. Denn in Hassan Fazilis Filmen geht es um die Rechte von Frauen und Kindern, um Freiheit und Individualismus. Immer wieder richtete er sich an Frauen und Mädchen und ermutigte sie, für ihre Rechte einzustehen, Bildung einzufordern.

Selbstmordanschlag auf Filmseminar

Sein Film-Workshop für Kinder konnte nicht mehr stattfinden, weil das Haus von einem Selbstmordattentäter angegriffen wurde. Die Familie seiner Ehefrau attackierte ihn und drohte mit Mord, wenn er, seine Frau und die beiden Töchter weiterhin Filme drehen würden. Aus Angst um sein Leben floh er 2015 mit seiner Familie aus Afghanistan und lebt nun in einem Flüchtlingscamp in Serbien, in der Hoffnung, irgendwann nach Deutschland weiterreisen zu können um hier weiter Filme zu drehen.

Für Überlebenskämpfer wie Hassan Fazili wurde das „Censored Women’s Film Festival“ gegründet. BILD präsentiert das Festival in diesem Jahr in Berlin. 

Das „Censored Women’s Film Festival“ soll eine Plattform für Filme sein, die ein Schlaglicht auf dringende gesellschaftliche Probleme werfen, auf Verbrechen wie Ehrenmorde, Zwangsheirat und Genitalverstümmelung.

Mehr als 60 Einsendungen aus aller Welt erhielten die Organisatorinnen Paula Kweskin und Dana Wilsey in diesem Jahr. Die stärksten Filme wurden für das Event ausgewählt. Darunter auch einige Filme, die in den Ländern der Regisseure nie gezeigt werden durften.

„Wir wollen denjenigen Filmemachern einen Stimme und eine Bühne geben, die zuvor zum Schweigen gebracht wurden“, sagt Paula Kweskin von „Honor Diaries“, dem Veranstalter des Festivals.  

„Ich möchte euch aus ganzem Herzen dafür danken, dass ich eine Plattform bekomme, um zu sprechen“, sagt auch Fatima Sabri, Teilnehmerin aus Afghanistan. Sie fühlte sich immer allein, doch gemeinsam mit den talentierten, starken Frauen sein zu können, gebe ihr ein gutes Gefühl.

Vergangenes Jahr fand das Festival zum ersten Mal statt, in Washington. In diesem Jahr kommt das Festival nach Deutschland, am 12. Dezember in Berlin. Der Eintritt ist frei.

Live übertragen wird das Festival von BILD am Tag des Festivals im Internet: on.bild.de/festival-berlin.

Drei Filme, die gezeigt werden

► Die Dokumentation „Sonita“ erzählt die unglaubliche Geschichte eines afghanischen Mädchens, das verheiratet werden sollte und vor ihrer Familie in den Iran flieht. Dort wird sie Rapperin und verarbeitet ihre Erlebnisse in Musik.

► Der Film „The broken destiny of poetry“ ist ebenfalls von einem afghanischen Filmemacher, der ebenfalls wegen seiner Arbeit aus seinem Land fliehen musste. Seine Dokumentation, die beim Festival gezeigt wird, widmet sich den weiblichen Dichterinnen Afghanistans. Frauen, die mit dem Tode bedroht werden, weil sie Gedichte schreiben und vorlesen.

► Der Spielfilm „Dukhtar“ kommt aus Pakistan und handelt von einer Mutter und ihrer zehn Jahre alten Tochter, die vor der Zwangsverheiratung des Mädchens an den Stammesführer fliehen und daraufhin gejagt werden.



Journalistin bei BILD Politik, schreibt meist über Nahost, Iran und Menschenrechte.


Mit freundlicher Unterstützung von johannesdultz.com