Homöopathie wird vegan

Der Markt für homöopathische Präparate in Deutschland boomt. Jetzt möchten auch indische Konzerne davon profitieren. Einer bietet vegane Globuli, die auch Ayurveda integrieren. Das könnte ein neuer Trend werden.

Homöopathische Medikamente sind in Deutschland beliebt — seit immer mehr gesetzliche Krankenversicherungen homöopathische Medikamente erstatten, wachsen die Umsätze zweistellig. 2015 wurden homöopathische Arzneimittel mit einem Umsatzwert von fast einer halben Milliarde Euro zur Selbstmedikation verkauft. Dies entspricht einem Plus von 14,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr und einem Anteil von 10 Prozent an der gesamten Selbstmedikation in Apotheken. Hinzu kommt noch einmal 100 Millionen Euro Umsatz durch verordnete Homöopathika.

Das kann man beklagen, weil die Wirksamkeit von Homöopathika erwiesenermaßen nicht über die von Scheinpräparaten (Placebo) hinausgeht, aber wo eine Nachfrage ist, gibt es einen Markt. Der allerdings ist stark monopolisiert. Marktführer ist die Deutsche Homöopathie Union (DHU), deren Marktanteil ca. 95 Prozent beträgt. Sie ist eine 100prozentige Tochter von Dr. Willmar Schwabe, einem globalen Pharmakonzern, der weltweit in 60 Ländern präsent ist. Den Rest des Markts bedienen kleinere Unternehmen, die spezielle, selten nachgefragte Potenzen herstellen.

Jetzt droht der DHU Konkurrenz aus Indien, einem Land, in dem homöopathische Medikamente fast so beliebt sind wie in Deutschland. Für den August 2017 plant ein führender indischer Generika-Hersteller die Einführung homöopathischer Generika in den deutschen Markt. In einem ersten Schritt sollen zunächst ca. 500 homöopathische Einzelmittel auf den Markt kommen. Die Eintragung in das Register für homöopathische Arzneimittel ist bereits erfolgt. Bis zum Jahresende soll auch die Markteinführung komplexer homöopathischer Mittel erfolgen.

„In Indien gibt es Tausende von Bauern, die abseits von Gentechnik und industrialisierter Landwirtschaft nach neuen Märkten suchen, um ökologisch, umweltverträglich und nachhaltig wirtschaften zu können“, sagt Ramakandran Sasisekharan, Geschäftsführer des Pharmaunternehmens Prahlad Pharma in Pune/Maharashtra (PPP). „Und da unser Land sich über so gut wie alle Klimazonen erstreckt, gibt es keine in der Homöopathie verwendete Arzneipflanze, die bei uns nicht wächst.“

PPP arbeitet dabei mit der indischen Globalisierungsgegnerin Vandana Shiva zusammen, die vor allem durch ihren Einsatz gegen Gentechnik in der Landwirtschaft bekannt ist. Sie propagiert seit langem kleinbäuerliche Landwirtschaftsformen, die auf den Einsatz von Dünger und Pestiziden verzichten und Wert auf alte Sorten und einheimische Pflanzen legen. Die Trägerin des alternativen Nobelpreises sagt: „Viele Pflanzen, die von der industrialisierten Landwirtschaft fast vollständig verdrängt wurden, haben einen hohen volksmedizinischen Wert. Der Saft des Upasbaums zum Beispiel stimuliert die Blutzirkulation und die Durchblutung des Herzens, heilt Wunden und wird als Gegengift zur Behandlung bei Schlangenbissen verwendet. Die Bauern können sich durch den Anbau von Heilpflanzen ein stabiles Einkommen verschaffen, anders als mit der Genbaumwolle, die bekanntermaßen komplett versagt, so dass den Bauern am Ende nur noch der Selbstmord bleibt.“

Zudem, fügt Sasisekharan hinzu, „haben wir den Vorteil der niedrigen Lohnkosten für die aufwändige Herstellung per Handarbeit, und wir verfügen über langjährige Erfahrung auf dem internationalen Arzneimittelmarkt.“

Die Herstellung der Mittel entspricht dem üblichen Verfahren nach dem Homöopathischen Arzneibuch (HAB) und wird in Handarbeit und nach der Mehrglasmethode durchgeführt. Während die Urtinkturen und alkoholischen Lösungen in Indien am Standort Pune hergestellt und konfektioniert werden, werden die Milchzucker-Globuli bei einem namhaften ostdeutschen Spezial-Dragee-Hersteller gefertigt, der für die Globuli-Besprühung mit Homöopathika zertifiziert ist.

Hahnemann plus Ayurveda

PPP ist nicht das einzige indische Unternehmen, das vom Wachstumsmarkt Deutschland profitieren möchte. Das indische Pharmaunternehmen Vikalp Dava bietet seine Homöopathie-Präparate schon ab Mai in Deutschland an. Hierbei handelt es sich jedoch um eine Innovation, ähnlich der Bach-Blütentherapie. „Homöopathie ist in Indien sehr beliebt, weil sie bei vielen Erkrankungen genauso gut wirkt wie herkömmliche Medizin, dabei aber preiswerter und völlig ohne Nebenwirkungen ist“, sagt Subrahman Nadir, Geschäftsführer des Unternehmens. „Allerdings sind Inder – wie auch viele westliche Patienten – ebenfalls Anhänger ayurvedischer Medizin und kurieren ihre Krankheiten zumeist parallel mit beiden Ansätzen. Daher haben wir uns entschlossen, die westliche Homöopathie mit der indischen Ayurvedamedizin in neuartigen Globuli zu kombinieren.“

Die ayurvedischen Globuli haben aber noch eine weitere Besonderheit: „Sie sind, im Gegensatz zu klassischen Globuli, zu 100 Prozent vegan“, sagt Nadir. „Herkömmliche Globuli werden aus Milchzucker vom Rind hergestellt und durch Schüttelschläge auf Lederkissen oder mit Leder bezogene Bücher rhythmisiert. Das ist weder vegan noch lässt sich damit eine Verunreinigung durch GMOs oder Gluten ausschließen. Wir verwenden ausschließlich Milchzucker aus der Milch der indischen Kanphool-Pflanze und schütteln auf Pilzlederkissen.“

Durch die Kombination mit den oft schwermetallhaltigen Präparaten der Ayurvedamedizin erhalten die Globuli zudem eine Farbe. „Das ist zunächst ungewohnt“, sagt Nadir, „aber es verhindert Verwechslungen und wird vor allem von Kindern sehr gern angenommen.“

Die beiden Inder sind optimistisch. „Mit der Kostenexplosion des Gesundheitswesens in Europa wird auch die homöopathische Medizin erheblich unter Druck geraten“, sagt Sasisekharan. „Wir denken, dass wir mit unseren sehr kompetitiven Preisen Entlastung für die Patienten und das öffentliche Gesundheitswesen schaffen können. Unser Ziel ist es, bis Ende 2018 in Deutschland einen Marktanteil an homöopathischen Arzneimitteln in Höhe von 60 bis 70% zu erreichen.“ Vikalp Dava muss mit seiner Innovation noch eine größere Hürde nehmen. Das Unternehmen plant für April eine große Social Media Kampagne mit dem Titel: „Westliches Wissen und östliche Weisheit“.

Das beste aus zwei Welten zu nutzen und damit sowohl Monsanto als auch der Pharmaindustrie ein Schnippchen zu schlagen, freut auch die Grünen, die sich seit langem nicht nur gegen Gentechnik, sondern auch für Homöopathie engagieren. „Renate Künast hat sich zuletzt während des Monsanto-Tribunals vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag mit Gilles-Eric Séralini und Vandana Shiva getroffen“, bestätigt Kai Nëa-Nunk, Sprecherin von Renate Künast. „Séralini hat nicht nur in bahnbrechenden Studien die Gefährlichkeit von Genen und Glyphosat nachgewiesen, sondern war auch an der Entwicklung eines homöopathischen Präparats zur Entgiftung nach Gen- und Glyphosatvergiftungen beteiligt. Vandana Shiva wird das jetzt in Indien weiter verfolgen, damit das Präparat vegan und ohne Tierleid hergestellt werden kann. Wir wünschen den beiden alles Gute dabei und werden noch in diesem Monat im Bundestag einen Antrag einbringen, um die homöopathische Entgiftung für alle kostenlos zu machen, die Glyphosat im Körper haben.“

Nachtrag, 2. April 2017

Die meisten Leser haben es gemerkt: Die Meldung war ein Aprilscherz. Die beiden indischen Firmen gibt es ebensowenig wie Frau Kei-neAh-nung.
Wahr ist allerdings, dass die ehemalige Bundesministerin Renate Künast als „Deutsche Botschafterin des Monsanto-Tribunals“ fungierte und der Seifenoper nebst den dort versammelten Scharlatanen ihre Aufwartung machte.

Wahr ist auch, dass Gilles-Eric Séralini an der Erforschung und Erprobung eines homöopathischen Mittels gegen Glyphosat-Vergiftung beteiligt ist, das die Pharmafirma Sevene Pharma auf den Markt bringen will. Séralini spricht dabei auch von Aromatherapie und empfiehlt die „entgiftende“ Wirkung von Bio-Nahrungsmitteln.

Künast und das Monsanto Tribunal

https://www.renate-kuenast.de/bundestag/verbraucherschutz/monsanto-tribunal/
http://www.monsanto-tribunald.org/main.php?obj\_id=17382175
http://www.monsanto-tribunald.org/Wer-wir-sind
Fotos gibt es unter dem Menüpunkt „Multimedia“.

Séralini und seine homöopathische Aroma-Therapie

http://www.ask-force.org/web/Seralini/Gasnier-Dig1-protects-against-cell-death-2010.pdf
http://www.sevenepharma.com.au/images/sevene/downloads/Gasnier_2011.pdf
https://s3.amazonaws.com/TWJ/Professor+Seralini+and+Christa+Orecchio+GMO+Interview+Transcript.pdf




Schreibt seit den 1980er Jahren über Wissenschaft, vorwiegend Gen- und Biotechnologie. Davor forschte er als Molekularbiologe an der Universität Bremen. 2006 gehörte er zu den Gründern von akampion, das innovative Unternehmen bei ihrer Kommunikation berät. Sein berufliches Engagement in der Biotechnologie-Industrie, seine Skepsis gegenüber den Segnungen der Bio-Landwirtschaft und sein Eintreten für Vernunft in der von "Chemie und Genen" verseuchten öffentlichen Debatte bringen dem "Monsanto-Knecht" regelmäßig den Vorwurf des Lobbyismus ein ("Lüge, Hetze, Verdrehungen"). 2017 erschienen seine Wissenschaftsthriller "[Oligo]" und "[Vironymous]" bei Piper Fahrenheit. Ludger Wess kommentiert hier privat.


Mit freundlicher Unterstützung von johannesdultz.com