Screenshot Facebook Christian Soeder

In drei Schritten zur Unseriösität

Wie man den Ruf eines Presseorgans in drei einfachen Schritten beschädigen kann. Eine Anleitung mit freundlicher Unterstützung des Deutschlandfunks.

Wenn Sie ein Medium betreiben, das im Allgemeinen als sehr seriös und verlässlich angesehen wird, Sie aber neidisch auf die schönen Klick-Raten von Postillion und Compact blicken, so ist die Lösung naheliegend: Mit ein paar kleinen Tricks können Sie Ihre Reichweite gewaltig steigern. Der Deutschlandfunk und ich haben gemeinsam eine Anleitung erstellt.

Schritt 1: Schnappen Sie sich eine Aussage einer Person des öffentlichen Lebens, bspw. die einer Bundesminsterin, und verkehren Sie die Aussage in einem Facebook-Sharepic ins komplette Gegenteil.

Schritt 2: Bei Kritik auf keinen Fall schnell reagieren oder gar das Posting löschen! Schreiben Sie stattdessen einen Kommentar, der die Schuld des Missverständnisses zum Teil bei den Lesern belässt:

Dazu können Sie noch ein weiteres Posting absetzen, das das Wording aus dem Kommentar übernimmt:

Ganz wichtig: Auf keinen Fall ein weiteres Sharepic basteln oder das ursprüngliche Bild austauschen; das würde für zu viel Aufklärung sorgen!

Schritt 3: Nach viel Kritik am Wording der Korrektur veröffentlichen Sie nun klammheimlich eine Korrektur der Korrektur, ohne auf die Korrektur der Korrektur hinzuweisen:

Parallel dazu immer mal wieder das ursprüngliche Posting bearbeiten. Das ist wichtig, denn Facebook-Postings sind lebende Dokumente. Mit dem Bearbeitungsverlauf können vorwitzige Leser ja genau verstehen, was passiert ist. Lassen Sie sich nicht einreden, dass quasi niemand diese Funktion kennt.

Zuerst leicht starten:

Etwas mehr:

Noch eine Schippe:

Feinschliff:

Fast fertig:

Geschafft:

Mit diesen drei einfachen Schritten schafft es jedes Medium, einen über Jahre hinweg aufgebauten Ruf nachhaltig zu beschädigen. Sicherlich wird es immer Menschen geben, die von solchen Aktionen nichts mitbekommen, aber man kann sie ja beliebig oft wiederholen. Die Quote dankt!




Sozialdemokrat, anderen Argumenten und Ideen gegenüber zugänglich. Bekämpft ab und an den Liberalen in sich. Lebt und arbeitet in Mannheim. Hat Geschichte, Germanistik und Theologie studiert.


Mit freundlicher Unterstützung von johannesdultz.com