Beret Roots Klaus Dieker

Interview: Was ist eigentlich liberaler Feminismus?

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Feminismus, ist das nicht nur was für Linke? Eine Gruppe liberaler Frauen sieht das anders.

In der öffentlichen Wahrnehmung gilt Feminismus gemeinhin als linke Denkrichtung, und das obwohl historisch bedeutsame Feministinnen keineswegs als links einzustufen sind. Eine Gruppe liberaler Frauen will den liberalen Feminismus jetzt intellektuell unterfüttern und mit einem Aufruf und einer Plattform öffentlich wahrnehmbar machen. Ich habe mit Beret Roots gesprochen, einer der sechs Initiatorinnen des Projekts. Roots kommt aus Kiel und ist FDP-Mitglied.

Frau Roots, danke für die kurzfristige Bereitschaft, den Salonkolumnisten sozusagen Rede und Antwort zu stehen. Wo sind Sie denn gerade?

Roots: Gerne. Ich bin gerade in Amman in Jordanien, auf einer Konferenz der liberalen internationalen Nachwuchsorganisation. Intensive Gespräche, besonders mit jungen arabischen weiblichen Flüchtlingen, die sich als Unternehmerinnen ein eigenes Leben aufbauen.

Sehr spannend. Heute startet Ihr Projekt zum liberalen Feminismus. Wie sind Sie darauf gekommen?

Roots: Im liberalen Umfeld gibt es viele Frauen, die sich als feministisch verstehen, wir arbeiten schon länger an der Vernetzung. Mit dem Aufruf zum Liberalen Feminismus wollen wir das jetzt auf eine breitere Basis stellen.

Wie verstehen Sie Ihren Feminismus denn? Ist für Sie Feminismus eine übergeordnete Strömung, und darunter gibt es liberalen Feminismus und linken Feminismus? Wird Feminismus in der Öffentlichkeit fälschlicherweise als „links“ apostrophiert?

Roots: Bei meiner Arbeit für das Projekt habe ich Zitate bekannter Frauen gesucht, die sich als Feministinnen verstanden haben. Dabei ist mir noch klarer geworden, dass es den einen Feminismus nicht gibt, sondern vielmehr viele Feminismen. Die Idee des Differenzfeminismus fand ich dabei spannend, weil er uns heute so fremd ist, also dass Männer und Frauen tatsächlich komplett verschieden sind und genau deshalb Frauen und Männer gleichermaßen politisch beteiligt werden müssen. Jemand hat mal gesagt, es gäbe so viele Feminismen wie es Feministinnen gibt, vielleicht ist da was dran.

Und was ist liberaler Feminismus?

Für mich stellt liberaler Feminismus ganz besonders den einzelnen Menschen in den Mittelpunkt und verschließt nicht die Augen vor der Tatsache, dass unsere Gesellschaft Männern und Frauen unterschiedliche Chancen im Leben einräumt. Im traditionellen Liberalismus gibt es gerne die Behauptung, dass Feminismus ja unnötig sei, weil Liberalismus für jeden einzelnen Menschen die besten Chancen wolle und ergo auch für Frauen die perfekte Antwort sei. Wir sind aber der Auffassung, dass das Leben etwas komplizierter ist.

Was genau ist das Ziel Ihrer Plattform? Was wollen Sie erreichen?

Roots: Wir wollen vorerst vor allem Mitstreiterinnen und Mitstreiter finden, haben auch schon einige, auch bekannte FDP-Politiker. Später wollen wir unser Thesenpapier erweitern und in ein umfangreiches Positionspapier einfließen lassen.

Gibt es denn kurzfristige Ziele für die innerparteiliche Arbeit?

Roots: Wir verstehen unser Projekt nicht als FDP-Vorfeldorganisation, sondern als offene Plattform, die für FDP- und Nicht-FDP-Mitglieder gleichermaßen offen ist. Unsere kurzfristigen Ziele sind deshalb nicht FPD-bezogen, sondern wir wollen generell für mehr Vernetzung im liberalen feministischen Umfeld und für Aufmerksamkeit für unsere Ideen sorgen.

Was sagen denn die Liberalen Frauen (die FDP-Frauenorganisation) zu Ihrem Projekt?

Roots: Wir wollen keine Konkurrenzveranstaltung werden, sondern gerne auch punktuell mit den Liberalen Frauen zusammenarbeiten.

Und wie geht es jetzt weiter?

Roots: Wir legen los mit der Debatte. Hashtag: #ReformFem

Danke für das Gespräch!




Sozialdemokrat, anderen Argumenten und Ideen gegenüber zugänglich. Bekämpft ab und an den Liberalen in sich. Lebt und arbeitet in Mannheim. Hat Geschichte, Germanistik und Theologie studiert.


Mit freundlicher Unterstützung von johannesdultz.com