Martin Niewendick

Nahostkonflikt: Liebe Pazifisten, lassen Sie uns über Bilder sprechen

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Von Israel wird verlangt, sich mit Leuten an den Verhandlungstisch zu setzen, die den Judenmord schon im Logo tragen.

Liebe Friedensfreunde,

lassen Sie uns über Bildsprache reden. Bilder sind Ihnen, werte Pazifistinnen und Pazifisten, bekanntlich sehr wichtig. Sie sind elementarer Bestandteil Ihres Protestes. Der Klassiker ist natürlich die weiße Friedenstaube auf blauem Grund, ein Evergreen der gewaltfreien Agitation. Auch das Logo der „Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner “ ist eindrucksvoll: Zwei Hände, die ein Gewehr zerbrechen. Dann gibt es da noch das „Peace“-Zeichen, die Rose im Gewehrlauf und natürlich die Pistolen-Skulptur mit dem Knoten im Lauf. Diese wurde vom schwedischen Künstler Carl Fredrik Reuterswärd anlässlich der Erschießung John Lennons geschaffen und steht seit 1988 vor dem Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York, aber das wissen Sie sicherlich alles.

Warum ich Ihnen das erzähle? Nun, bestimmt haben Sie in der aktuellen „Graswurzelrevolution“, der „jungen Welt“ oder dem „Compact“-Magazin gelesen, dass die Welt derzeit mal wieder die Geduld mit den Juden verliert. Nachdem die USA ihrem engsten Verbündeten Israel vor den Vereinten Nationen (die mit der verknoteten Pistole im Vorgarten) jüngst die Unterstützung versagt haben, blickt man argwöhnisch auf einen ebenso argwöhnisch zurückblickenden israelischen Premier Netanjahu. Dieser sieht das US-amerikanische Votum, eine Enthaltung, als Affront. Bisher hatten die USA Israel per Veto stets gegen den diplomatischen Mob, der zu großen Teilen aus autokratischen Regimen besteht, verteidigt.

(1) flickr/Rote Fotgrafen, (2) Wikipedia/Giorgio Galeotti

Was für ein sturer Mensch! Warum kann Natanjahu sich in Sachen Friedensgespräche nicht endlich mal mit seinem Gegenpart, dem (übrigens demokratisch nicht legitimierten Despoten) Abu Mazen alias Mahmud Abbas an einen Tisch setzen? Der Fatah-Politiker sagte in einer Reaktion auf die jüngste UN-Resolution, in der Israels Siedlungsbau gerüffelt wird, dies sei ein Schritt in die richtige Richtung, nämlich auf eine Zwei-Staaten-Lösung zu. Die terroristische Hamas, okay. Da wissen selbst Sie, liebe Friedensfreunde, dass es sich dabei um eine nicht sonderlich friedfertige Organisation handelt. Aber die Fatah? Was haben die Zionisten nur für ein Problem mit den palästinensischen Friedensengeln von der Westbank?

Damit wären wir wieder bei der Bildsprache. Werfen wir – nur zum Spaß – einen Blick auf das Logo der in aller Welt als „moderat“ geltenden Fatah. Den Hintergrund bildet der Umriss „Palästinas“. Also nicht der wirklichen Region Palästina, denn dazu würde auch das heutige Jordanien gehören, aber da gibt es keine Juden, was die Revolution relativ unsexy machen würde. Nein, hier geht es um den „jüdisch besetzten Teil“ Palästinas, also Israels inklusive der Westbank und des Gazastreifens. Und wie man diesem Bildteil unschwer entnehmen kann, soll baldigst Schluss sein mit der jüdischen Präsenz.

Vor diesem Hintergrund nun erscheinen zwei Arme, ähnlich denen des Logos der „Deutschen Friedensgesellschaft“, Sie erinnern sich. Nur dass diese Arme eben kein Gewehr zerbrechen, sondern jeweils eines kampfbereit in die Höhe recken. Unter den beiden Gewehren thront majestätisch – nein, keine Friedenstaube, sondern eine Handgranate. Dazu der Spruch: „Revolution bis zum Sieg“.

(1) Wikipedia/Manar al Zraiy, (2) Wikipedia CC BY-SA 3.

Nun kann ich mir ehrlich gesagt schwer vorstellen, dass Sie bereit wären, sich mit jemanden an den Verhandlungstisch zu setzen, der den Massenmord an Ihnen und Ihresgleichen bereits im Logo trägt. Gut, die „Deutsche Friedensgesellschaft“ fordert tatsächlich Ähnliches. So sagte der Bundessprecher Thomas Carl Schwoerer im November 2015: „Wir müssen mit dem IS verhandeln. Das wird schwierig, aber es wird gehen.“ Vor diesem Hintergrund ist es vielleicht nicht ganz so abwegig von Ihnen, von den Israelis zu verlangen, sich mit ihren Möchtegern-Mördern zu versöhnen.

An diejenigen unter Ihnen mit einem Rest Anstand und gewaltfreier Gesinnung: Wie wäre es denn, zuallererst von der Fatah zu fordern, den Judenmord aus ihrem Logo zu entfernen, bevor Sie den Israelis das Häuslebauen verbieten wollen? Falls Sie noch einen kleinen Motivationsschub brauchen: Das Logo der israelischen Armee, die im Zweifel die Verwirklichung der feuchten Träume der Fatah verhindern wird, symbolisiert nicht Mord und Totschlag. Sie zeigt ein Schwert, das von einem Olivenzweig umwickelt ist. Das Schwert steht für den Krieg – der Olivenzweig für die Sehnsucht nach Frieden.

P.S.: Darüber sollte auch Außenminister Steinmeier einmal nachdenken, der sich hinter die antiisraelische UN-Resolution stellt. Die Fatah ist eine Schwesterorganisation seiner SPD. 2012 bekräftige Arbeitsministerin Andrea Nahles die „gemeinsamen Werte und Ziele“ beider Parteien.




Journalist bei der Berliner Morgenpost, Blogger bei Ruhrbarone. Stationen bei Tagesspiegel, Spiegel, taz, Jungle World and some funky shit. Ansonsten: Sprechsänger, Ruhrpott-Gewächs. Based in Berlin.


Mit freundlicher Unterstützung von johannesdultz.com