Trumps legt seinen Eid als 45. Präsident der USA ab Screenshot Stefan Laurin

Trump: Das war eine faschistische Rede

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Trumps Rede zur Amtseinführung war schlimmer, als viele Kritiker erwartet haben. Sie war ein Abgesang auf die Republik.

Trump will Autobahnen bauen, Geld in das Schulsystem stecken und dafür sorgen, dass die Städte sicherer werden? Niemand kann etwas dagegen haben und wenn er es finanziell gestemmt bekommt, wird man ihm in vier Jahren dazu herzlich gratulieren. Außenpolitisch will er sich künftig weniger stark engagieren, niemandem die amerikanische Lebensart aufdrängen. Damit begibt sich Trump wie angekündigt auf den Pfad des Isolationismus und kehrt nicht nur der westlichen Wertegemeinschaft den Rücken zu, sondern allen unterdrückten Menschen in vielen Staaten der Welt, die auf die Unterstützung des Westens hoffen. Aber all dies macht die Rede, die Donald Trump zu seiner Amtseinführung hielt, nicht zu einer faschistischen Rede. Dies wird an zwei anderen Punkten deutlich:

„Today’s ceremony, however, has very special meaning because today, we are not merely transferring power from one administration to another or from one party to another, but we are transferring power from Washington, D.C. and giving it back to you, the people.“

Trump setzt sich mit dem Volk gleich. Er ist das Volk, verkörpert es. Kein anderer Politiker ist das Volk. Für ihn steht seine Amtseinführung nicht in einer langen, historischen Reihe aus Machtwechseln, sie ist ein Bruch:

„For too long, a small group in our nation’s capital has reaped the rewards of government while the people have borne the cost. Washington flourished, but the people did not share in its wealth. Politicians prospered, but the jobs left and the factories closed. The establishment protected itself, but not the citizens of our country. Their victories have not been your victories. Their triumphs have not been your triumphs. And while they celebrated in our nation’s capital, there was little to celebrate for struggling families all across our land.“

Es gibt für ihn keine Parteien und Abgeordneten mehr. Sie sind das Establishment und stehen im Gegensatz zum Volk. Dass dieses „Establishment“ im Kern aus Menschen besteht, die demokratisch gewählt wurden, ist für ihn ohne jede Bedeutung. Alles, was die Politiker getan haben, hätten sie für sich getan – nicht für die Menschen. Trump setzt sich mit dem Volk gleich, stellt sich als Verkörperung des Volkswillens dar und zeigt deutlich seine Verachtung für die jahrhundertealten Traditionen der Republik. Faschistisch ist ein Begriff, mit dem man vorsichtig umgehen sollte. Man darf ihn nicht inflationär verwenden. Aber für Trumps heutige Rede gibt es kein anderes Wort.

Quelle Trump-Rede: Washington-Post

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Stefan Laurin mochte schon als Kind nicht, wenn andere ihm sagten, was er tun soll und was nicht. Laurin wohnt in Bochum und arbeitet als freier Journalist unter anderem für Die Welt, Die Welt am Sonntag, die Jüdische Allgemeine, die Jungle World und Correctiv. Nebenbei ist er Herausgeber des Blogs Ruhrbarone und legt sich mit allen an, die Spaß daran haben, anderen Menschen ihre Freiheit zu nehmen.


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