Bundeswehrsoldaten mit dem Sarg von Helmut Schmidt WDKrause/Wikipedia/CC

Bilderstürmer

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An der Universität der Bundeswehr wurde ein Bild von Helmut Schmidt in Wehrmachtsuniform abgehängt. Julian Reichelt findet das richtig. Warum?

An der Universität der Bundeswehr Hamburg, die von Helmut Schmidt in seiner Funktion als Verteidigungsminister gegründet wurde und deshalb heute seinen Namen trägt, hing ein Bild von Helmut Schmidt in Wehrmachtsuniform, in einer Reihe mit Bundespräsident, Bundeskanzlerin, Verteidigungsministerin und Generalinspekteur (so ein Augenzeuge).

Dieses Bild wurde nun Knall auf Fall abgehängt, nachdem es jahrelang öffentlich und ohne Kritik dort hing. Es wurde abgehängt, weil die Verteidungsministerin in Aktionismus verfallen ist.

Ein Bild ist ein Bild

Julian Reichelt, Chefredakteur von Bild Online, findet für diese Entscheidung, das Bild abzuhängen, Verständnis. Reichelts Begründung: Das Bild von Helmut Schmidt sei in Wahrheit kein Bild von Helmut Schmidt. Zitat:

Ohne Einordnung gehören Symbole des 3. Reichs in kein Gebäude dieses Staates, schon gar nicht als Würdigung. In Hamburg wurde kein Bild von Helmut Schmidt abgehängt, sondern Symbole, die für die menschenverachtendste und -vernichtendste Zeit der Weltgeschichte stehen.

Nach Reichelt ist es also völlig egal, wer auf dem Bild abgebildet wurde. Entscheidend sei ausschließlich, dass eine Wehrmachtsuniform zu sehen sei.

Warum nun aber hing dieses Bild überhaupt dort? Da gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten. Es gibt die böswillige Interpretation, die würde Reichelt Recht geben: Die Universität der Bundeswehr hat nur deshalb dieses Bild von Helmut Schmidt aufgehängt, weil sie nur so einen positiven Bezug zur Wehrmacht herstellen konnte. Dass auf dem Bild Helmut Schmidt zu sehen ist, wäre dann nur Mittel zum Zweck gewesen, weil man gegen den Gründer der Universität schlecht ins Felde ziehen könnte. Das eigentliche Ziel sei die Präsentation eines Soldaten in Wehrmachtsuniform gewesen, um die Wehrmacht reinzuwaschen.

Logik ist Trumpf

Die andere Interpretation, und das ist nicht nur die gutwillige, sondern auch die logischere: Es wurde dieses Bild gewählt, weil bewusst die Vergangenheit von Helmut Schmidt an dieser Stelle nicht ausgespart werden sollte.

Fakt ist: Helmut Schmidt war in der Wehrmacht. An dieser historischen Tatsache lässt sich nichts ändern. Die Information ist auch nicht neu. Wenn man damit ein derart prinzipielles Problem hätte, dürfte die Universität nicht nach ihm benannt werden, unabhängig von seiner Leistung als Politiker im demokratischen Deutschland. Es war aber so gut wie jeder wehrfähige Mann im „Dritten Reich” in der Wehrmacht. Entscheidend ist, was der Einzelne getan hat.

Das Bild sollte ergo wieder aufgehängt werden, allerdings mit einer Plakette zur Einordnung, um böswilliger Interpration vorzubeugen. Aber so zu tun, als habe die Person Helmut Schmidt erst mit seiner Karriere als Berufspolitiker angefangen zu existieren, grenzt an Geschichtsfälschung.




Sozialdemokrat, anderen Argumenten und Ideen gegenüber zugänglich. Bekämpft ab und an den Liberalen in sich. Lebt und arbeitet in Mannheim. Hat Geschichte, Germanistik und Theologie studiert.


Mit freundlicher Unterstützung von johannesdultz.com