Chanukka-Leuchter und Weihnachtsbaum im Kapitol. Bild von LoveBuiltLife auf Pixabay

Chanukka und Weihnachten – Hauptsache Licht

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Chanukka, das jüdische Lichterfest, ist nach acht Tagen beendet. Weihnachten rückt näher. Obwohl die religiöse Bedeutung der beiden Feste höchst unterschiedlich ist, teilen sie eine gemeinsame Symbolik.

Das Lichterfest ist beendet. Nach Sonnenuntergang am achten Tag endet Chanukka. Mit dem Fest wird an die Wiedereinweihung des Tempels im 2. Jahrhundert vor Christus erinnert. Die seleukidischen Griechen, die auch Palästina erobert hatten, hatten die heilige Städte in einen hellenistischen Tempel verwandelt, Götterstatuen überall. Nachdem die Makkabäer in einem erfolgreichen Guerillakrieg die Seleukiden besiegt und vertrieben hatte, wurde der Tempel von allem hellenistischen Zauber gereinigt. Doch als man das ewige Licht anzünden wollte, gab es nur noch einen winzigen Rest des geweihten Öls, der gerade für einen Tag reichen würde.

 Ein reitender Bote wurde losgeschickt, das geweihte Öl zu besorgen. Nach acht Tagen kam er zurück. Hier kommt zu dem historischen Datum das Wunder ins Spiel: Das Öl hatte wundersamerweise acht Tage gehalten. Darum der achtarmige Leuchter an Chanukka. Damit sich jedoch kein Tag über den anderen erheben kann, sind die Kerzen immer auf einer Ebene angeordnet und es gibt eine besondere (neunte) Kerze, den Shamas, die Dienerkerze, mit der alle anderen Kerzen jeden Tag gezündet werden.

Obwohl beispielsweise in Berlin die Lichter an einem großen Chanukka-Leuchter öffentlich entzündet werden,  war Chanukka nie eines der großen Feste im Judentum. Die Kinder drehten einen Kreisel und erkreiselten sich handvollweise Mandeln und Rosinen und bekamen Münzen, heute eher aus Schokolade. Doch mit dem Zug in die großen Städte des Westens wurde Chanukka aufgewertet. Die jüdischen Kinder sollten nicht länger neidisch auf die Geschenkeberge der christlichen Nachbarn blicken müssen, die es etwa zeitglich zu Weihnachten gab. Alles wurde aufwendiger, weniger Nüsslein fein, sondern auch Geschenkeberge, freilich gut verteilt auf acht Tage. Das assimilierte bürgerliche Judentum in Deutschland nahm die Traditionen der Mehrheitsgesellschaft zu Weihnachten weniger religiös als national auf und passte sich so sehr an, dass aus Chanukka und Weihnachten in vielen Familien „Weihnukka“ wurde. Juden in New York oder Hamburg stellten zuweilen auch einen Tannenbaum auf. Ironisch nannte sie ihn Chanukkabusch.

In säkularen Zeiten bleiben die Symbole erhalten, aber ihre Geschichte oder Hintergründe verschwinden. Hauptsache Lichter in der dunklen Jahreszeit. Deshalb enden diese Feste, ob Weihnachten oder Chanukka, um die Wintersonnenwende herum. Danach werden die Tage wieder länger und immer mehr natürliches Licht erleuchtet unsere wenig gläubige Welt. 




Promovierte 1976 über die englische Open University an der Universität Hamburg. Anschließend Postdoc-Forschung in den USA über verschiedene Aspekte amerikanischer Hochschulen. Gutachtertätigkeit im Bereich der vergleichenden Hochschulforschung. Journalistische Mitarbeit bei Die ZEIT, Süddeutschen Zeitung, Die Welt, FAZ, Tagesspiegel überwiegend im Bereich Bildung und Gesellschaft. Von 1998-2010 Jurymitglied beim Transatlantischen Ideenwettbewerb USable der Körber-Stiftung. Mitglied im Kuratorium der START Stiftung, Mitglied im Beirat des ELES Studienwerks. Autorin und Herausgeberin verschiedener Bücher, u.a. „Sie flohen vor dem Hakenkreuz“ (Hrsg), Rowohlt, Das Beste von Allem, Rowohlt, Mütterkriege, Herder, Eine Kindheit in Vormaurischer Zeit, Berlin Verlag. Verheiratet, zwei Töchter.