Greta Trump und Donald Thunberg

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Der Bundestagsabgeordnete Oliver Luksic hat eine Philippika gegen Empörungskultur und Identitätspolitik geschrieben. Unser Autor hat sie gelesen und kann die Aversion des Liberalen gegen die „Angst-Unternehmer“ gut verstehen.

Aus den Nachrichten kennt man ihn als schärfsten Kritiker der Anti-Diesel-Kampagne und Antipode von Verkehrsminister Scheuer: Oliver Luksic, ein FDP-Redetalent aus dem Saarland ist der verkehrspolitische Sprecher seiner Partei. Dass er sich für weitaus mehr interessiert als sein Fachgebiet, hat er nun mit einem Buch bewiesen, das auf 120 Seiten mit dem Zeitgeist abrechnet. Titel: Die Angst-Unternehmer. Auf dem Umschlag prangen die Götzen des nationalistischen und des grünen Populismus: Donald Trump und Greta Thunberg. Allein dies ist für die vielen Fans der beiden Idole vermutlich bereits Blasphemie. 

Denn ihre Anhänger – und leider auch viele Journalisten – sehen die beiden als Antipoden. Der Präsident, der nationale Identität und patriarchale Familie gegen kosmopolitische Modernisten verteidigt. Und die jugendliche Unschuld, die den Weltuntergang abwenden will. Was erlaubt sich Luksic, diese beiden als Zwillinge darzustellen? 

Wer sich keinem der beiden Lager zugehörig fühlt, erkennt das Gemeinsame schnell. Beide eint nicht nur eine simplifizierende und extrem redundante Sprache. „Trump“, schreibt Luksic, „spricht auf dem Niveau eines Schülers.“ Ihr überwältigender Erfolg beruht auf zwei starken Gefühlen: Angst vor der Zukunft und Angst vor der Komplexität der Moderne. Dagegen bieten sie die größtmögliche Vereinfachung. Wenn wir nur national homogen bleiben und uns um Fahne und Kreuz versammeln, dann wird uns nichts passieren, offeriert der eine. Wenn wir nur alle sonstigen Weltprobleme beiseiteschieben und uns ganz auf die Verminderung des Kohlendioxids konzentrieren, kann die Welt noch gerettet werden, verspricht uns die andere.

Grundübel Identitätspolitik

Als Grundübel identifiziert Luksic die Identitätspolitik, die mittlerweile rechts wie links die Debatten dominiert. Die Polarisierung der amerikanischen Gesellschaft sei nicht Trumps Werk, schreibt er. Ihr ging ein jahrzehntelanger Trend zu immer engeren Identitätsgruppen voraus. Wobei die Linken den Rechten auf den Leim gegangen sind. Denn linke Politik, die den Universalismus aufgibt, gibt sich selbst auf. „Wenn die Linke“, so zitiert Luksic Steve Bannon, „sich auf die Themen Rasse und Identität konzentriert, können wir sie zermalmen.“ Was den Salvinis, Johnsons und anderen Populisten trefflich gelang. 

Das Geschäft der Angst-Unternehmer gedeiht auf einem weit verbreiteten Gefühl des Zerfalls und sicher geglaubter Gefüge. Ein Gefühl, welches, zumindest im Falle Deutschlands, trotz hohem Wohlstandsniveau und staatlicher sozialer Absicherung entstanden ist. Die „exzessive“ Vielfalt und Freiheit wird von vielen Menschen – alten wie jungen – als Kontrollverlust erlebt. Die Verengung des eigenen Sichtfeldes auf Einwanderung oder Klima schafft dagegen ein geistiges Stützkorsett, um die Verunsicherung besser ertragen oder zumindest einordnen zu können. Man sollte sich doch vor der Arroganz hüten, den Erfolg der Vereinfacher allein mit deren beschränktem Horizont zu erklären. Teile der polulistischen Kritik am etablierten Politik- und Medienbetrieb treffen durchaus zu. Luksic schreibt von einer „links fühlenden Elite“, die sich durch soziale Distinktion „von Musik bis hin zur Ernährung“ definiert. 

Gegen „emotionale, moralisierende Dauerempörung“ empfiehlt Luksic „rationale Distanz.“ Der programmatische Titel seines Schlusskapitels lautet: „Universalismus und Aufklärung statt Identitätspolitik und Romantik.“ Man wünscht sich, dass er mit dieser Haltung nicht allein im Bundestag und in der FDP bleibt. In den vergangenen Jahren hatte man jedoch selten diesen Eindruck. Vielmehr erschien es so, dass die Großkoalitionäre und in abgeschwächter Form auch die oppositionelle FDP sich je nach Thema entweder von den AfD-Trumpisten oder von den Grünen und ihren außerparlamentarischen Hilfstruppen treiben lassen. Jedenfalls ist weder bei der Energiewende noch bei der Einwanderungspolitik viel von dem zu erkennen, was der Autor unter „realistischer und sachlicher Politik“ versteht. 

Oliver Luksic
Die Angst-Unternehmer
WBG-Theiss, Darmstadt 2019
120 Seiten
16,- Euro




Michael Miersch mag Menschen, aber auch Tiere, insbesondere die wilden. Weshalb er bei der Deutschen Wildtier Stiftung arbeitet. Drei Jahrzehnte lang schrieb er wilde Geschichten in so unterschiedlichen Biotopen wie Die Welt, taz, Focus, natur, Cicero und Hessischer Rundfunk. Außerdem drehte er Tierfilme und verfasste ziemlich viele Bücher.