Kreuz und bunt: Geht! Pixelio

Jeder nur ein Kreuz!

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Auf bayerischen Ämtern sollten viel mehr Kreuze hängen, findet CSU-Mann Markus Söder. Sechs Gründe, weshalb ich als Wahlbayerin damit überhaupt kein Problem habe.

  1. Das Kreuz passt zum Rechts- und Sozialstaat Deutschland, es steht für die Verletzlichkeit des Menschen und für Solidarität mit den Schwachen. Das ist die Kernbotschaft des Christentums, daran ändern auch  mittelalterliche Kreuzzüge und andere kapitale Irrwege nichts.
  2. Söders PR-Gag ist auch deshalb klug, weil er der AfD dort das Wasser abgräbt, wo sie am unglaubwürdigsten ist. Die Retter des Abendlandes haben mit dem Christentum nämlich in aller Regel nichts am Hut, siehe Punkt 1.
  3. Man kann die Vergangenheit nicht ungeschehen machen. Es gibt keine kulturgeschichtliche Neutralität. Wer bei jeder Gelegenheit die Floskel von den „christlich-jüdischen Wurzeln“ Deutschlands und Europas bemüht, sollte eigentlich kein Problem mit einem Kruzifix im Eingangsbereich einer Behörde haben. Höchstens noch einen Davidstern zusätzlich anbringen.
  4. Religion und Säkularität können parallel existieren. Säkularität heißt nicht Abwesenheit von Religion oder religiösen Traditionen, sondern Trennung von Staat und Religion im hoheitlichen Handeln. Dass man in der Bundesrepublik dazu in der Lage ist, haben die vergangenen sieben Jahrzehnte gezeigt.
  5. Mit dem „Kreuz für alle“ setzt die CSU eine liebgewonnene Tradition fort: Es ist die Politik von Schlauen für Depperl. Genau wie die Ausländermaut, ist auch Söders Kreuzzug aus juristischen Gründen von vornherein zum Scheitern verurteilt. Irgendein Gericht wird die Aktion irgendwann wieder kassieren. Was man in der CSU von vornherein weiß. Der Stammtisch honoriert’s trotzdem: Es lebe das Kurzzeitgedächtnis!
  6. Jeder nur ein Kreuz! Hin- und hergerissen zwischen dem fröhlichen Miasanmia der CSU und dem nervtötenden Selbstmitleid AFD werden sich die rechtsdrehenden bayerischen Wähler entscheiden müssen, wo sie im Herbst ihr Kreuzchen machen. Da ist die CSU hundertprozentig das kleinere Übel.

Also: Wenn’s schee macht: Her mit den Kruzifixen!




Ellen begann ihr Leben im Taunus bei Frankfurt. Frankophil war sie schon als Elfjährige, nach dem Politik-Studium reichte es aber nur für Belgien: In Brüssel lernte sie erst als Journalistin, dann als SPD-Pressesprecherin die EU von innen kennen. Von 1999 bis 2014 arbeitete sie beim "Focus", wo sie Redakteurin im Auslands- und im Kulturressort war und viel herumreiste. Heute ist sie für alles Redaktionelle bei SOS-Kinderdorf e.V. zuständig. Ellen ist eine überzeugte Europäerin, im politischen wie im kulinarischen Leben.


Mit freundlicher Unterstützung von johannesdultz.com