Entwicklungsstadien des Kindes während der Schwangerschaft Natural History Museum Aarhus/Gemeinfrei

Paragraph 219a muss bleiben!

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Werbung für abtreibende Ärzte löst das eigentliche Problem nicht: Viel wichtiger ist es, Wissen über die Verhütungsmöglichkeiten zu vermitteln.

Der Paragraph 219a stellt die Werbung für und Ankündigung von Abtreibungen unter Strafe. Ende 2017 wurde die Gießener Ärztin Kristina Hänel zu einer Geldstrafe verurteilt, weil sie auf ihrer Internetseite annonciert hatte, dass sie Schwangerschaftsabbrüche vornimmt. Seit 1995 gilt, dass Abbrüche auch ohne Indikation im ersten Trimester vorgenommen werden dürfen, das ist rechtswidrig, aber straffrei. Einzige Bedingung des Gesetzgebers war eine zuvor stattgefundene Beratung, etwa bei Pro Familia. Dieses Pflichtgespräch ist die Logik hinter dem §219 a.

Ohne den Beratungszwang könnte jeder Gynäkologe oder andere Arzt sich selber „anpreisen“ und seine Dienste für einen Abbruch „anbieten“ oder „ankündigen“. All dies ist ihm aber vom Gesetzgeber untersagt, wenn es „seines Vermögensvorteils wegen“ geschieht. Und natürlich hat der Arzt einen solchen Vorteil, denn er wird für seine Tätigkeit honoriert. Der Gesetzgeber sieht eindeutig einen Unterschied zwischen der Werbung für einen Schwangerschaftsabbruch und der für ein weißschimmerndes Zahnimplantat.

Bei 100.000 Abbrüchen (bei ca. 800.000 Geburten) im Jahr fragt man sich, wozu noch Werbung auf den Ärzte-Webseiten nötig sei. 100.000 Frauen haben ganz offensichtlich ihren Weg zu einem Abbruch-Arzt auch ohne besondere Reklame gefunden. Und doch fordern Sozial- und Frauenverbände sowie Gewerkschaften einen freien Zugang zu Informationen über Abtreibungen.

Schwangere Frauen müssten in ihrer Notlage ein Recht auf umfassende Information und auch freie Arztwahl haben, meinte der Bundesvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt. Das klingt als wäre das Internet noch nicht erfunden, der Arztbesuch kontingentiert und die Frau in der Notlage so allein und verzweifelt wie im 19. Jahrhundert. Die dringendere Frage müsste lauten: Warum geraten so viele Frauen in unseren informationsreichen Zeiten hunderttausendfach in die Situation, ungewollt schwanger zu werden.

Verhütung gehört zur Gesundheit wie die Vorsorge

Liegt es vielleicht daran, dass sie sich nicht genug über Verhütung informiert haben? Wenn man so fürsorglich mit den armen schwangeren Frauen umgeht, warum nicht den ersten Schritt vor dem zweiten tun, sich also darum kümmern, dass diese Frauen erst gar nicht in diese Notlage geraten? Klammern wir die Schwangerschaften trotz Verhütung aus, auch jene von unwissenden Teenagern. Es geht um die vielen erwachsenen Frauen, die ungewollt schwanger werden und das bisweilen nicht zum ersten Mal.

Verhütung, die heute in vielfältiger Form vorhanden ist, gehört zur Gesundheit wie Vorsorgeuntersuchungen und Zähneputzen. Werden die Frauen nicht geradezu entmündigt, wenn wir ihnen zu Hilfe eilen müssen, weil sie sich selbst in die Notlage gebracht haben?

Vorsicht ist besser als Nachsicht, sagt der Volksmund. Wenn wir ebenso viel Engagement und Zorn in die Verhütungs- wie in die Abtreibungsdebatte gesteckt hätten, wäre  Frauen viel Elend und Kummer erspart worden. Schwangerschaft ist keine Krankheit. Doch ein Abbruch ein nicht risikoloser Eingriff in den gesunden Körper einer Frau.

„Warum haben sie denn nicht verhütet“, fragte eine Schwangerschaftsabbruchberaterin ein junges Paar. „Das fanden wir irgendwie unnatürlich“, war die Antwort. Fassungslos fragte die Ärztin zurück: „Und die Abtreibung, die sie jetzt wünschen, die finden sie natürlich?“

Werbung für abtreibende Ärzte löst das eigentliche Problem nicht. Wenn schon Publicity gefordert wird, dann doch im Dienste der Verhütung. Die schädigt nicht die Gesundheit und erspart den Frauen die psychische Belastung, die die ungewollte Schwangerschaft wie die Abtreibung  mit sich bringt.




Promovierte 1976 über die englische Open University an der Universität Hamburg. Anschließend Postdoc-Forschung in den USA über verschiedene Aspekte amerikanischer Hochschulen. Gutachtertätigkeit im Bereich der vergleichenden Hochschulforschung. Journalistische Mitarbeit bei Die ZEIT, Süddeutschen Zeitung, Die Welt, FAZ, Tagesspiegel überwiegend im Bereich Bildung und Gesellschaft. Von 1998-2010 Jurymitglied beim Transatlantischen Ideenwettbewerb USable der Körber-Stiftung. Mitglied im Kuratorium der START Stiftung, Mitglied im Beirat des ELES Studienwerks. Autorin und Herausgeberin verschiedener Bücher, u.a. „Sie flohen vor dem Hakenkreuz“ (Hrsg), Rowohlt, Das Beste von Allem, Rowohlt, Mütterkriege, Herder, Eine Kindheit in Vormaurischer Zeit, Berlin Verlag. Verheiratet, zwei Töchter.


Mit freundlicher Unterstützung von johannesdultz.com