Was geht, taz?

Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Nachdem schon ein Artikel mit autoritärem Duktus contra DIE PARTEI in der „taz“ erschienen ist, folgt nun ein Plädoyer gegen die Briefwahl – das gleichfalls paternalistisch ausgefallen ist.

Was ist nur bei der „taz“ gerade los? In der Redaktion scheint ein Wettbewerb zu laufen, wer den autoritärsten Artikel unterbringen kann. Zunächst war es Martin Kaul, der in einem Beitrag gegen DIE PARTEI schoss und zum Schluss kam, sie sei schlimmer als die AfD (!). Sein Kollege Richard Rother hat nun nachgelegt und in einem Artikel mit ähnlich paternalistischem Unterton den Trend zur Briefwahl kritisiert. Warum allerdings sollte beispielsweise ein Picknick mit Freunden, die man lange nicht gesehen hat, weniger wichtig sein als die Tatsache, dass man zum Studium in einer anderen Stadt lebt?

Warum kritisiert die „taz“ überhaupt, dass Leute sich die Freiheit nehmen, Wochen vor der Wahl eine Entscheidung zu treffen? Niemand zwingt diese Leute dazu, auf weniger Informationen als andere Wähler zurückgreifen zu können. Es ist auch generell nichts Neues, dass es Personen gibt, die sich mehr als andere informieren und darauf basierend ihre Wahlentscheidung treffen. Zum Wesen der Demokratie gehört nun mal, dass jede Stimme genau gleich viel wert ist. Ob man sich nun mit den Wahlprogrammen umfangreich beschäftigt hat oder ob man im Wahllokal zufällig irgendeine Partei ankreuzt, ist egal.

Wer mit den autoritären Argumenten der „taz“ gegen die Briefwahl argumentiert, muss folgerichtig auch für einen Wahltest plädieren: Eintritt ins Wahllokal nur, wenn man eine Frage zu einem aktuellen politischen Problem richtig einordnen kann. Stammwähler wie ich müssten eigentlich generell vom Wahlrecht ausgeschlossen werden, denn schließlich gehe ich auf aktuelle Stimmungen auch nicht ein. Ich wähle stur SPD, völlig egal, was passiert.

Also: Was ist los, „taz“? Keinen Bock mehr auf Linksliberalismus und freie Menschen? Die Briefwahl gibt den Menschen mehr Freiheit und ist deshalb zu begrüßen. Was die Menschen damit machen, ist ihre Sache. Und wenn sich eine Briefwählerin ärgert, briefgewählt zu haben, weil kurz vor der Wahl etwas passiert, das ihre Entscheidung geändert hätte – dann ist das schlicht persönliches Pech.




Sozialdemokrat, anderen Argumenten und Ideen gegenüber zugänglich. Bekämpft ab und an den Liberalen in sich. Lebt und arbeitet in Mannheim. Hat Geschichte, Germanistik und Theologie studiert.


Mit freundlicher Unterstützung von johannesdultz.com