Auf diesem Bild versuchen drei Alitalia-Mitarbeiterinnen mit vereinten Kräften, meinen Flug umzubuchen Christian Soeder

Wie ich versuchte, mit Alitalia nach Israel zu fliegen

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Ein einfacher Gabelflug über Rom nach Tel Aviv – kein Problem, denkt man. Falsch.

Als ich vor zwei Wochen mich auf den Weg machte, meine Freundin J. in Israel zu besuchen, rechnete ich nicht mit einer kleinen Odyssee. Doch ach, man täuscht sich gar zu oft.

Gebucht hatte ich über Air Berlin, und zwar einen Gabelflug von Frankfurt über Rom nach Tel Aviv. Die Abwicklung sollte über die Partner-Airline Alitalia erfolgen. So weit, so unspektakulär. Dachte ich jedenfalls.

Am Vortag der Reise wollte ich online einchecken. Man ist schließlich modern und geht mit der Zeit. Bei Air Berlin bekam ich die Meldung, der Check-In müsse direkt bei Alitalia erfolgen. Kein Problem, denke ich, klicke auf den Link, und werde nervös: Die Alitalia-Webseite ist nicht erreichbar.

Sofort überschlagen sich meine Gedanken:

Warum läuft der Server nicht? Streiken die Admins? Hat Cockpit nach Italien expandiert? Oder die GDL? Ist die Fluggesellschaft pleite? Ist Mehdorn schuld? Oder ist mein Internet kaputt?

Ich schreibe also eine Mail an Air Berlin, bekomme eine Standardantwort und bin beruhigt. Warum auch immer.

Ein kurzer Blick auf die Abflüge in Frankfurt trägt ebenfalls zu meiner Beruhigung bei: Der Flug wird ordnungsgemäß gelistet, im Gegensatz zu den Flügen der unglücklichen Lufthansa-Kunden. (Zu diesem Zeitpunkt hielt ich mich noch für einen überaus klugen Burschen, weil ich die Lufthansa erst gar nicht in Ewägung gezogen hatte.)

Irgendwann funktioniert die Webseite auch wieder und ich erfahre ordnungsmäßig, dass für diesen Flug kein Online-Check-In verfügbar sei, sondern man das am Flughafen machen müsse.

Ich plane also eine Stunde mehr ein.

Donnerstagmorgen, ich steige in Mannheim in den ICE gen Frankfurt Flughafen. Reguläre Fahrt, der ICE ist pünktlich, zuvor ein Snack in der DB-Lounge. Ein erster Check-In-Versuch bei Air Berlin, dann zu Alitalia. Ich muss nicht warten, da es keine Schlange gibt. Auf zum Gate. Abflug geplant für 11:45 Uhr, Boarding 11 Uhr. Ich bin eine Stunde zu früh.

Das Boarding beginnt gegen 11:30 Uhr, alle Fluggäste warten gemeinsam geduldig im Transitbereich. Abflug ist dann irgendwann gegen 12:20 Uhr. (Ich habe einen Anschlussflug in Rom, nicht vergessen.)

Aukunft in Rom erfolgt verspätet, meine amerikanische Sitznachbarin beruhigt mich: Die Verbindung würde sicherlich klappen, kein Problem.

Ja, hm, die Hoffnung stirbt zuletzt. Die Verbindung klappt nicht. Zuerst schickt mich die Stewardess zum falschen Terminal, dann muss ich ewig warten, dann ist eh alles egal. Mein Flug wird umgebucht und ich bekomme einen Flug irgendwann 23:30 Uhr vorgeschlagen, Ankunft in Tel Aviv ergo 4 Uhr morgens. Zum Glück schaffen es drei Alitalia-Service-Mitarbeiterinnen mit vereinten Kräften, mir einen Flug um 21:15 Uhr zu besorgen. Hier dann das gleiche Spiel wie am Morgen: Boarding geplant auf 20:20 Uhr, es passiert ewig lang nichts, dann heißt es wie selbstverständlich, dass das Boarding um 20:45 Uhr sei. Das Boarding geht los, kurz vorher will sich noch ein anderer Fluggast vordrängeln, aber auch diese Hürde konnte überwunden werden.

Ankunft in Tel Aviv dann gegen 2 Uhr, statt wie geplant um 19 Uhr. Die Einreise ist kein Problem, ich will meinen Koffer holen, finde ihn nicht, und erfahre dann, dass dieser noch in Rom sei. Übermüdet vermute ich, dass sich der Koffer noch ein wenig ohne mich die ewige Stadt anschauen möchte. Irgendwann begreife ich die Situation, fülle eine Verlustmeldung auf und mache mich auf den Weg zu J.

Was nehme ich aus diesem Kurztrip mit?

  • Nie wieder werde ich einen Gabelflug buchen, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt.
  • Der Flughafen Rom ist wunderschön, ebenso die Alitalia-Mitarbeiterinnen.
  • Leider reicht das nicht, weil die Hälfte der Mitarbeiterinnen wenig bis kein Englisch kann und der Flughafen unübersichtlich ist.

PS: Den Koffer habe ich übrigens wiederbekommen. Am Montag. Eigentlich sollte er mit mir in der Nacht auf Freitag ankommen. Danke an dieser Stelle an das Team des Ben-Gurion-Flughafens, besonders an Motty.

PPS: Der Rückflug verlief quasi problemlos. Bonus: An Bord waren Feuerwehrmänner aus Frankreich und Italien, die die Brände in Israel bekämpft haben.



Sozialdemokrat, anderen Argumenten und Ideen gegenüber zugänglich. Bekämpft ab und an den Liberalen in sich. Lebt und arbeitet in Mannheim. Hat Geschichte, Germanistik und Theologie studiert.


Mit freundlicher Unterstützung von johannesdultz.com