Manifest

Wir sind ein bunter Haufen. Unter uns befinden sich Wähler aller Parteien der goldenen Mitte, exzentrische Citoyens, Wechsel- und Garnichtwähler, transatlantische Anhänger der US-Demokraten und -Republikaner. Links- und Rechtsextreme brauchen Sie bei uns gar nicht erst suchen. Denn wir stehen für die liberale Demokratie, die Europäische Union, die NATO und haben die normative Idee des Westens mit seinem Versprechen von Freiheit, Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit und Universalismus noch lange nicht aufgegeben. Unter uns befinden sich Gläubige, Ungläubige, Agnostiker und Ketzer, Hedonisten und Asketen. Wir streiten gern und herzlich, auch untereinander. Wir wohnen in München, Bremen, Berlin, Freiburg, Hamburg, Lissabon, bei Stuttgart, Tel Aviv, Washington und New York.

Uns vereint das fröhliche Eingeständnis, dass wir keine Utopie haben. Es ist nicht möglich, im Hauruck-Verfahren sämtliche Menschheitsprobleme auf einmal aus der Welt zu schaffen. Gewiss gibt es Fortschritt, aber er nimmt oft Umwege, geht etliche Schritte zurück und findet dann doch einen Weg in eine bessere Zukunft. Dafür hilft es, auf die Demokratie zu setzen und Verantwortung für das Gemeinwesen zu übernehmen. Bisher ist in der Politik nichts Besseres erfunden worden als die liberale (bürgerliche, kapitalistische, parlamentarische) Demokratie, die keine Lösung ist, sondern ein komplizierter – manchmal fehlerhafter – Modus, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Wir glauben, dass Menschen ihre Lebensumstände durch Tatkraft, Mut und Erfindergeist verbessern können und betrachten die Errungenschaften der Industriegesellschaft wie Schulmedizin, Gentechnik und Digitalisierung zunächst einmal als etwas Positives.

Dies ist kein rein politischer Blog, es gibt bei uns jede Menge Feuilleton: Hoch- und U-Kultur, Alltagskultur, ernste und lustige Themen, Kolumnen, Essays, Reiseberichte, Notate – und Podcasts! Was Sie nicht finden: belangloses Zeug, Identitätsklimbim und die notorischen Beziehungsratgeber.

Was wir mögen: gutes Essen, anregendes Theater, interessante Bücher, spannende Filme. „It Don’t Mean A Thing If It Ain’t Got That Swing“ von Duke Ellington. Die Balladen von Tom Waits, die Chansons von Jacques Brel und die Stimme von Gianna Nannini. Das Grundgesetz. Die H-Moll-Messe und die Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach. Die Filme von John Cassavetes und Kathryn Bigelow. Den „Rubaijat“ von Omar Chaijám. Die Bücher von Philip Roth. Den ersten Zusatzartikel zur amerikanischen Verfassung. André Glucksmanns „Philosophie der Abschreckung“. Hannah Arendts „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“. Winston Churchills Rede „We shall never surrender“. Immanuel Kants „Kritik der reinen Vernunft“. Die Fußballbundesliga. Die Strandpromenade in Tel Aviv. Martin Luther Kings Rede „I have a dream“. Den feinen, traurig-witzigen Cartoon, den „Charlie Hebdo“ nach dem Terroranschlag veröffentlicht hat. Demonstrationen für Menschenrechte. Entenhausen. Die schönen, kleinen Mohammed-Porträts, wie sie einst in Persien gemalt wurden. Sonnenuntergänge. Regenbogen. Gesetze, die es verbieten, Kinder zu schlagen. Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung mit ihrer Betonung des Naturrechts auf „life, liberty and the pursuit of happiness“.

Blog-Spoiler – was Sie bei uns auch nicht finden werden: Leute, die Opfern von Terroranschlägen ins Grab nachrufen: „Selber schuld!“ Antiamerikaner jeder Couleur. Verharmloser des Islamismus. Antisemiten, die sich als Israelkritiker kostümieren. Antizionisten, die sich als Israelkritiker kostümieren. Rassisten, die sich als Islamkritiker kostümieren. Sympathisanten der „Linkspartei“. Sympathisanten der „Alternative für Deutschland“. Sympathisanten der Hamas. Putin-Proxies links wie rechts. MAGA-Fans und Leute, die Donald Trump verharmlosen. Kampfatheisten. Fundamentalisten. Fanatiker. Selbsternannte Intelligenzforscher, die uns einreden wollen, gewisse Menschengruppen seien aus genetischen Gründen dümmer als andere. Diktatorenfreunde jeder Art. Leute, die finden, der Kommunismus sei eigentlich eine ganz gute Idee gewesen, nur mit der Ausführung habe es nicht geklappt. Leute, die glauben, der Nationalsozialismus sei nur ein Fliegenschiss der deutschen Geschichte gewesen. Leute, die finden, der Völkermord an den Juden sei nur eine Scheußlichkeit unter vielen anderen gewesen. Schönredner, die meinen, es sei doch nicht so schlimm, wenn der Iran die Atombombe bekommt.

Und deshalb schießen wir scharf – mit Worten. Gegen Autokraten und totalitäre Weltanschauungen. Darum die Patrone in unserem Logo.

Hier könnte man noch sehr viel mehr hinzufügen, aber es müsste jetzt klar sein, wie wir denken und was uns wichtig ist.

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