Ursula macht „Bella Figura“ in Riad

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Warum von der Leyen unseren Beifall verdient

Sie trat auf wie immer: Frisch geföhnt und im sportlich-eleganten Hosenanzug. Damit hat Ursula von der Leyen in Riad Kleidervorschriften gebrochen. Drei Gründe, weshalb sie unseren Beifall verdient:

  1. In Saudi-Arabien herrscht im Gegensatz zum Iran kein Kopftuchzwang. Das merkt jeder Gast, der einmal mit offenen Augen durch eine Shopping-Mall geht: Meist sind es Gastarbeiterinnen von den Philippinen, die baren Hauptes durch die Hauptstadt marschieren. Es ist deshalb unnötig bis skurril, wenn deutsche Politikerinnen zu offiziellen Terminen und in Anwesenheit der Presse mit bedecktem Kopf erscheinen. Niemand verlangt das, nicht einmal die saudische Sittenpolizei.
  2. Von der Leyen hat außerdem auch keinen bodenlangen Umhang getragen, wie es Frauen in Saudi-Arabien tun. Und zwar alle Frauen, ausnahmslos. Saudische Frauenrechtlerinnen (ja, die gibt es!) werden die Geste aufmerksam registriert und vielleicht auch begrüßt haben. Wer, wenn nicht westliche Politikerinnen mit Diplomatenschutz, haben die dazu nötige Beinfreiheit? „Normale“ weibliche Geschäftsreisende werden die Kleiderordnung im Gastland jedenfalls nicht infrage stellen, wenn es den geschäftlichen Erfolg gefährdet.
  3. Im Gruppenfoto mit saudischen Politikern und Scheichs machte sich von der Leyens dunkelblauer Hosenanzug besonders gut. Das Foto lebt vom gelungenen Kontrast, in diesem Fall dem Kontrast zu den traditionellen Dischdaschas der Scheichs. Wer sagt eigentlich, dass Männern keine Röcke stehen?



Ellen Daniel wurde 1968 in Hofheim am Taunus geboren und studierte Politikwissenschaft, Soziologie und Deutsche Literaturwissenschaft in Wien, Passau, Cardiff und Florenz. Sie arbeitete als Pressesprecherin der Sozialdemokraten im Europaparlament und als EU-Korrespondentin in Brüssel, bevor sie 1999 nach Deutschland zurückkehrte und bis 2015 als Redakteurin im Auslands- und im Kulturressort des "Focus" tätig war. Heute verantwortet sie die Pressearbeit der Roland Berger Stiftung, die begabte Kinder und Jugendliche mit schwierigen Startbedingungen auf ihrem Weg zum Abitur begleitet. Sie lebt mit ihrer Familie in München und beschäftigt sich als Autorin mit kultursoziologischen Themen, am liebsten genüsslich im weiten Feld der Gastrosophie.