Schauspielerin Pola Negri und Pelz (1927) Bain News Service

Diskriminierungsgebot für Pelzträger

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Beim Thema Pelz wird in Deutschland Journalismus durch Gesinnungspädagogik ersetzt

Deutscher Grünjournalismus ist ein stetiges Unterstützungsprogramm für die Lügenpresse-Schreier. Denn wer ein bisschen Ahnung vom Thema hat, merkt, dass den Lesern nicht Information sondern Gesinnungspädagogik geboten wird.

Viele Medienleute, die über Umwelt, Klima, Tierschutz und verwandte Themen berichten, sind von ihren Überzeugungen durchtränkt. Selten kommt ihnen der Gedanke, ihr einmal gefasstes Weltbild kritische zu überprüfen. Ein klassisches Beispiel dafür liefert „BILD-Online“ mit dem Interview eines Züricher Gastronomen.

Der Mann kontrolliert die Gäste seines Clubs darauf, ob sie Pelz tragen. Wer das tut wird abgewiesen. Diese Diskriminierung aufgrund der Kleidung wird von der Journalistin nicht in Frage gestellt. Man stelle sich vor, der Club würde Frauen mit Kopftuch abweisen oder Menschen mit transgender Outfit.

Stattdessen wird der Mann für seine Aktion gefeiert statt kritisch befragt. Es lässt sich über die tierquälerischen Zustände auf chinesischen Pelztierfarmen aus, die er auf YouTube gesehen hat. Es bleibt unerwähnt, dass Pelz aus China importiert wird, weil Schweizer und deutschen Farmen durch Kampagnen kaputt gemacht wurden. Ebenso bleibt die Behauptung unwidersprochen, Fleisch von Pelztieren werde nicht gegessen. Was zumindest bei zwei der häufigsten Pelztiere, Kaninchen und Schafen, nicht stimmt. Kein Thema ist auch, dass Pelz bei der Jagd (Fuchs) und der Schädlingsbekämpfung (Bisamratte) anfällt. Soll der weggeschmissen werden? All dies könnte eine Journalisten mit einer halben Stunde Recherche erfahren und ihren Interviewpartner damit konfrontieren.

Einen ähnlich unkritischen Bericht veröffentlichte „WELT-Online“ Anfang Januar. Darin ging es um Aktivisten einer Tierrechtsorganisation, die als Polizisten verkleidet Passanten mit Pelzkleidung anhalten und kontrollieren. Tenor des Artikels: Ist doch gut gemeint und viele Kontrollierte haben Verständnis dafür.

 




Michael Miersch mag Menschen, aber auch Tiere, insbesondere die wilden. Weshalb er bei der Deutschen Wildtier Stiftung arbeitet. Drei Jahrzehnte lang schrieb er wilde Geschichten in so unterschiedlichen Biotopen wie Die Welt, taz, Focus, natur, Cicero und Hessischer Rundfunk. Außerdem drehte er Tierfilme und verfasste ziemlich viele Bücher.


Mit freundlicher Unterstützung von johannesdultz.com