Quinta de Azevedo, lt. Feinschmecker zweitbester von 34 getesteten Vinhos Verdes © David Harnasch

Drinks mit David (2): Quinta de Azevedo

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Leckeren Vinho Verde gibt es in Portugal an jeder Ecke. Aber im Dona Quitéria schmeckt er am besten, denn das Ohr trinkt mit.

Der portugiesische Vinho Verde gilt zu recht als einfacher, erfrischender Sommerwein. Man trinkt ihn jung, er moussiert mehr als so manche Schorle und ist mit weniger als 11 % schön leicht. Es gibt kleine Winzereien, die exklusivere Varianten herstellen, aber wir entscheiden uns für den populären Quinta de Azevedo, der wie ein sehr mineralischer und kohlesäurehaltiger Riesling schmeckt und lediglich 15 Euro im Restaurant kostet.

Dona Quitéria bei Nacht © Dona Quitéria

Vor allem entscheiden wir uns aber für das Restaurant Dona Quiteria und für einen Besuch am Sonntagabend, denn dann wird hier Fado gesungen, die traurigschönen Lieder, mit denen das unübersetzbare Lebensgefühl Saudade auch für den Nicht-Einheimischen halbwegs nachvollziehbar wird.

Das Restaurant ist mit siebzehn Plätzen winzig und blickt auf eine schöne Geschichte zurück.

Dona Quitéria und ihr Mann Senhor Faustino eröffneten 1870 in Lissabon ihr Lebensmittelgeschäft, das wegen der vorzüglichen Qualität der Waren schnell ein voller Erfolg wurde. Die beiden lebten zusammen mit ihrer Nichte und zwei Windhunden, die im Viertel Principe Real bald bekannt waren wie – excuse the pun – zwei bunte Hunde. Das Geschäft selbst wurde zum Hoflieferanten ernannt und galt als der berühmteste Lebensmittelhandel Portugals. 1906 wurde Senhor Faustino dafür von König Carlos I. mit dem Königlichen Orden „De Nossa Senhora da Conceição de Vila Viçosa“ ausgezeichnet, den er auch auf dem Portrait an der Wand trägt.

Dona Quitéria und Senhor Faustino

Dona Quitéria und ihr Mann Senhor Faustino © Dona Quitéria

Die Ausrufung der Republik 1901 brach Senhor Faustino das Herz. Mit den neuen politischen Ideen war er überfordert, bald darauf starb er. Seine Ehefrau Dona Quitéria kehrte in ihr Heimatdorf Cimbres zurück und widmete den Rest ihres Lebens der Windhundzucht. Das Lebensmittelgeschäft wurde einem Herrn Deolinda überlassen, der es 1935 renovierte.

Nach einem längeren Dornröschenschlaf wurde das Ladenlokal 2014 als Restaurant neu eröffnet, es sieht aber noch aus wie 1935. Wir folgten der Empfehlung auf der Karte und probierten die frittierten Bohnen mit Tempura und Kräuterquark (grandios), das Trüffelomelett (göttlich), die Mousse au Chocolat (perfekt), dazu sang Margarida Soeiro den Fado.

Dona Quitéria, Travessa de São José 1, Príncipe Real, Lissabon. Dienstag bis Sonntag von 19 bis 1 Uhr. Unbedingt reservieren: donaquiteria.mercearia@gmail.com +351 21 395 1521




Schreibt. Spricht. Reflektiert Licht. Berät. Ist Publizistischer Beirat des Magazins "liberal" der Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit und Gründer und Prokurist bei PAGIDO, sowie Mitgründer und Prokurist der Salonkolumnisten. Ist u.A. auch zu finden bei Welt Online im Video, schriftlich u.A. hier bei den Salonkolumnisten, sowie im früheren Bewegtbild des Cicero (hier archiviert) und im noch älteren Videoblog "Bildschirmarbeiter".


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