Alkoholische Getränke TrafficJan82, Public Domain

Sonntagsbier – Fleischverzicht ist nicht genug

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Der Anbau von Trauben, Hopfen und Getreide für Vergärungszwecke verschwendet wertvolle Ressourcen. Zeit für noch mehr Verzicht und Verbote – das sind wir dem Planeten schuldig.

Fleischproduktion macht bekanntlich unseren Planeten kaputt, denn dabei wird wertvolle Fläche verschwendet, die für den Anbau von gesundem Obst und Gemüse genutzt werden könnte. Deswegen fordern Grüne und Teile der SPD schon lange Fleischverzicht, Fleischverteuerung, Fleischsteuern und fleischfreie Tage in den Kantinen, wollen die Anzahl von Rindern auf 2/ha reduzieren und propagieren die Rückkehr zur guten alten Zeit, in der bekanntlich nur sonntags Fleisch auf den Tisch kam („Sonntagsbraten“).

Während das destruktive Potenzial der Fleischproduktion dank des unermüdlichen Einsatzes von Politik und Medien inzwischen weithin bekannt ist, hat eine andere Branche es bislang vermocht, ihre zerstörerische Kraft für die Gesundheit von Mensch und Planet vollständig zu verschleiern: die Alkoholindustrie und ihre mafiösen Strukturen.

Völlig unbehelligt werden Millionen Hektar fruchtbarer Fläche für den Anbau von Hopfen, Wein, Obst, Getreide und Kartoffeln verschwendet, um daraus Bier, Wein, Obstler, Schnaps, Wodka und Whisky herzustellen. Allein beim Wein sind es weltweit 7,5 Mio. Hektar! Da liegt der wahre Skandal, denn erstens handelt es sich hier um echte Anbaufläche (Weideland eignet sich oft nicht für Gemüse- oder Getreideanbau) und zweitens ist für Alkohol anders als für Fleisch unumstößlich nachgewiesen, dass der Konsum extrem gesundheitsschädlich und stark krebserregend ist.

Und anders als bei Fleisch, das immerhin wertvolle Aminosäuren, Eisen und Mikronährstoffe enthält, ist Alkohol ernährungstechnisch vollkommen überflüssig. Kein Mensch braucht Alkohol, um eine beliebte vegane Parole einmal abzuwandeln.

Zahltag

Man muss nicht gleich das Totalverbot fordern, aber während der Woche auf Alkohol zu verzichten, sollte eine Kernforderung von SPD und Grünen werden. Es reicht doch wirklich ein Glas Bier, Wein oder Schnaps zum Sonntagsbraten! Skandinavien könnte mit seinen hohen Steuern auf Alkohol und den Abgabebeschränkungen (staatlichen Läden mit streng regulierten Öffnungszeiten und Einkaufslimits) Vorbild sein.

Man könnte damit auch die gute alte Tradition der Arbeiterklasse wiederbeleben, am Zahltag und nur am Zahltag zu saufen. Diese Traditionspflege würde sicher vor allem bei der Stamm- und Kernwählerschaft der SPD gut ankommen – endlich besinnt sich die Partei wieder auf alte Werte!

Die Menschen haben sich früher einfach mehr dabei gedacht, wie man mit Nahrungs- und Genussmitteln umgehen sollte. Dahin müssen wir wieder zurück und die Wählerinnen und Wähler sehen das sowieso schon lange ein. Das Umweltministerium hat bereits, analog zum Thema Gentechnik, entsprechende Umfragen in Vorbereitung, die das bestätigen werden.

Alkoholproduktion zerstört unseren Planeten. Sind Sie deswegen

A) für ein komplettes Alkoholverbot?

B) für Alkoholgenuss nur am Sonntag?

C) für Alkoholgenuss nur am Monatsletzten?

Übrigens sind auch Tee und Kaffee gesundheitsschädlich und die Plantagen belegen wertvolle Anbauflächen. Wir stehen also mit dem Fleischverzicht erst am Anfang wunderbarer weiterer Verzichtsmöglichkeiten und könnten damit für die gesamte Menschheit, die Umwelt und den Planeten neue, gesunde Optionen schaffen.




Schreibt seit den 1980er Jahren über Wissenschaft, vorwiegend Gen- und Biotechnologie. Davor forschte er als Molekularbiologe an der Universität Bremen. 2006 gehörte er zu den Gründern von akampion, das innovative Unternehmen bei ihrer Kommunikation berät. 2017 erschienen seine Wissenschaftsthriller "Oligo" und "Vironymous" bei Piper Fahrenheit. Ludger Weß kommentiert hier privat.