Ein Bild aus besseren Zeiten (2007) mabi2000, Flickr.com (CC BY-SA 2.0)

Die fünf dämlichsten Sätze aus dem komplett bekloppten Manifest von Holger und Silke Friedrich

Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Das Editorial der neuen Verleger der Berliner Zeitung ist eine ostdeutsche Melange des Grauens: Mahnmalstolz, Rammsteinpromo, Diktatorendank, Politikerbeleidigung.

Hätten die Eheleute Friedrich aus Berlin nicht einen ausgeprägten Hang zum Labern, dann wäre das Ungeheuerliche, das Dämliche, das Verachtenswerte, das sie an diesem Freitag in ihre Zeitung gekippt haben, vielleicht auf mehr Gegenwehr gestoßen. “Was wir wollen” heißt der Titel ihres Manifests in der Länge eines “Zeit”-Dossiers. Offenbar ungestört hineingeschüttet in ihre kürzlich geshoppte Zeitung.

Hätten “Silke und Holger”, wie man die Neuverleger der Berliner Zeitung in der Berliner Medienwelt leicht aufgekratzt nennt, ihren Giftmüll nicht in einem Schwall aus Ansichten, Wurmsätzen und Köpenicker Gerede versteckt, wäre ihr Manifest vielleicht lauter eingeschlagen, wäre der Schock hörbarer gewesen. So blieb der Shitstorm aus. Wo bleibt die Scheiße, wenn man sie mal braucht?

Hätten Holger und Silke nur in klaren, kurzen Sätzen geschrieben: “Wir danken einem autokratischen Verbrecher, Egon Krenz, dass er nicht noch mehr Menschen töten ließ, als sich sein Volk erhob. Und wir entschuldigen uns bei einem anderen autokratischen Verbrecher, Wladimir Putin, dass Deutschland damals nicht euphorischer war, als er eine Rede auf Deutsch hielt – und wir verstehen vollkommen, dass er Jahre später aus Frust die Ukraine überfallen musste. Und wir finden, Deutschland ist irgendwie besser als andere Länder, weil wir so gute Mahnmäler bauen für ermordete Juden.”

Wäre das Ehepaar Friedrich nicht so reich, dass sie offenbar das Grundgesetz des Journalismus aushebeln können, dass jeder Text redigiert werden muss, ausnahmslos jeder, egal wie mächtig, wohlhabend oder gefährlich sein Urheber ist, looking at you, Jochen Arntz, Chefredakteur der Berliner Zeitung, elender Feigling, dann hätte sich an diesem Freitag vielleicht ein Hurrikan der Kritik erhoben. So blieb es bei einem Windhauch. Auch weil es dem Ehepaar Friedrich gelingt, in ihrem Text gleichzeitig wahnsinnig und wahnsinnig kryptisch zu sein. So haben es Manifeste an sich.

Also übernehmen wir hier die Entrümpelung und präsentieren Ihnen die fünf beklopptesten Sätze aus dem total bekloppten Manifest von Holger und Silke Friedrich, Besitzer der Berliner Zeitung.

Platz 5:

“​Egon Krenz hat mit dieser persönlichen Entscheidung Millionen Menschen selbstbestimmte, positive Lebenswege ermöglicht, die uns unter anderem diesen Text in dieser Zeitung veröffentlichen lassen.”

Die “persönliche Entscheidung”, die an dieser Stelle gerühmt wird, meint die unvergleichliche Großherzigkeit, dass Egon Krenz die Demonstranten der friedlichen Revolution nicht auf der Stelle festnehmen, erschießen, foltern und überrollen ließ. Egon, deine Güte währet ewiglich!

Fast noch irrer ist aber der folgende Satz. So schreibt das Ehepaar Friedrich weiter: “Dafür sind wir ihm dankbar und möchten fragen, ob es in gleichem Maße groß war, ihn neben anderen zu viereinhalb Jahren Haft zu verurteilen.” Was wirklich anrührend ist und mitfühlend mit einem Mann, der, um mal eine Ekelhaftigkeit herauszugreifen, dem chinesischen Regime 1989 gratulierte, nachdem es auf dem Platz des Himmlischen Friedens frisch 2.000 Demonstranten umgemäht hatte. ​Man stehe „auf der Barrikade der sozialistischen Revolution“ dem gleichen Gegner gegenüber, versicherte Krenz damals. Und Krenz blieb erbärmlich. Noch im Jahr 2007 ​leugnete er den Schießbefehl an der Mauer. Holger und Silke: Wisst ihr, was das Wort “Dankbarkeit” bedeutet? Ihr seid entweder drauf oder einfach Nieten.

Platz 4:

“Deswegen stellt sich die Frage, warum die in einer sich globalisierenden Welt den Föderalismus kultivierende Kultusminister-Konferenz nicht als eine den Extremismus fördernde Organisation betrachtet wird.”

Wunderbare Konstruktion, die nur in einem herrschaftshörigen Umfeld montiert werden kann, in dem man sich sehr fundamental gegen das Redigieren von Texten entschieden hat, die von oben kommen. Es stellt sich also die Frage, warum die Kultusminister-Konferenz nicht als eine “den Extremismus fördernde Organisation” betrachtet wird? Diese Frage stellt sich also in einem Text, der wirklichen Extremisten, Egon Krenz und Wladmir Putin, huldigt und dankt? Seid ihr irre oder einfach nur schnöde befangen, weil ihr als “Executive Director” eine gut laufende Privatschule in der Linienstraße in Berlin-Mitte leitet und euch die Kultusbürokratie dabei ein bisschen nervt, looking at you Silke Friedrich?

Platz 3:

“Und so wie wir Herrn Krenz dankbar sein müssen, sollten wir Frau Merkel dankbar sein dafür, dass wir im „Sommer des Willkommens“ von 2015 beweisen konnten, auch anders zu können.”

Nochmal Krenz, sorry. Aber es ist einfach so unfassbar irre. Normalerweise kennt man den Merkel-DDR-Vergleich eher von Rechts, zum Beispiel von Holzkopf HG Maaßen, da ist der Vergleich herabwürdigend und keinesfalls anerkennend gemeint. Silke und Holger haben sich in Köpenick aber, wo sich Fuchs und Hase “Gute Nacht” sagen und sich rechts und links zärtlich berühren, offenbar so sehr die Gehirnwindungen verdreht, dass sie die Krenz-Analogie als Kompliment meinen. Ja, wirklich verblüffende, historische Ähnlichkeiten: Beides Mal kamen jubelnde Menschen über die Grenze – und beides mal haben wir nicht geschossen!!

Platz 2:

“Das ist die Arbeit inspirierter, poetisch wie strategisch versierter Künstler.”

Als wäre dieser Text nicht schon wahnsinnig genug, macht er gegen Ende plötzlich einen kulturkritischen Schlenker über die Deutsche-Wampen-Band “Rammstein” und ihr kryptonationalistisches Schrott-Album “DEUTSCHLAND”. Woher kommt das? Wohnen die Friedrichs in einer sanierten Altbau-Wohnung von Till Lindemann? Spielt Silke mit Sophia Thomalla Squash in Schöneweide? Lebt Till Lindemann in einer sanierten Altbauwohnung der Friedrichs? Man weiß es nicht. Jedenfalls folgt ein fataler, kitschiger Teutonen-Satz, den man unter normalen Bedingungen, mit allen Redaktionstassen im Schrank, unbedingt rausredigieren müsste, nämlich dieser Satz:

“Wir tragen Scham in uns, für die Taten unserer (Ur-)Großeltern, und wir können stolz auf unsere Kraft sein, zu dieser Scham zu stehen und unsere Schuld abzutragen.”

Da sagt man als Redakteur: “Mhm, ich hab den Eindruck du kommst an dieser Stelle ein bisschen schnell von der Scham zum Stolz, findest du nicht?”

Platz 1:

“Nur wenige Nationen sind in der Lage, kollektiv zu erkennen, dass sie anderen Nationen oder Ethnien Unrecht angetan haben, noch weniger sind bereit, ihrer Opfer zu gedenken, und um wie viele Nationen wissen wir, die es soweit brachten, ihren Opfern Mahnmale zu bauen?”

Wo fängt man da an? Wie fängt man überhaupt an, wenn einem vor Schock der Mund offensteht? Mund schließen, sammeln. Frage stellen: Silke, Holger, ist das euer Ernst? Ihr wollt das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte zu etwas umlackieren, auf das man stolz sein kann, es umwerten zu einem Gedenkgegenstand, dessen vorbildlich gedacht wird in diesem vorbildlichen Land? Spätestens da hat man auch verstanden, warum euch Rammstein gefällt. Die einen verkleiden sich in ihrem Musikvideo als KZ-Häftlinge, missbrauchen das Opfergedenken für ihr erfolgreich mittelmäßiges Ost-Geschrammel. Die anderen, gemeint seid ihr, Silke und Holger, loben das Täterland, weil es so gut Mahnmäler bauen kann für all die Menschenseelen, die eure (Ur-)Großeltern ausgelöscht haben. Es ist zum Heulen.

Man kann nur hoffen, wenn man diesen gefährlichen Müll liest, dass ihr spektakulär auf die Schnauze fliegt, Silke, Holger, mit eurer Zeitung, eurem Wahnsinn und eurem Geld.

Über den Autor: Holger Maria Jovic ist Vorsitzender des weitgehend unbekannten Fanclubs „Adler 2000“ und trägt bürgerlich einen weniger spektakulären Namen.




Über