Hat auf jeden Fall immer irgendeine Antwort: Prof. Christus © Didgeman / Pixabay

Professor Dr. Jesus Christus ist für alle da

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Sich an der eigenen Meinung festzuhalten, ist kein Privileg der Religiösen. Auch in der wissenschaftlichen Debatte um Corona herrscht mehr blinder Glaube vor, als viele sich eingestehen wollen.

Die meisten Menschen brauchen eine Religion im Leben. Sie gibt ihnen Halt und prägt ihre moralischen Vorstellungen. In Deutschland sind die beiden Großkirchen aber nicht mehr sonderlich gefragt, was jedoch nicht heißt, dass Religion insgesamt nicht mehr gefragt wäre. Wenn Apple weniger Smartphones verkauft, bedeutet das auch ja auch nicht, dass die Leute keine Smartphones mehr kaufen. Sie besorgen sie sich nur eben bei anderen Anbietern.

Nichts anderes ist auf dem Glaubensmarkt Deutschland passiert. Die zwei Großkirchen verlieren seit vielen Jahren Mitglieder in einer Größenordnung, bei der sie längst eine Mauer um ihre verbliebenen Anhänger gebaut hätten, wenn sie die DDR wären. Doch wo zieht es die früheren Mitglieder und ihren Nachwuchs eigentlich hin?

Abwanderung zur Wissenschaft

Zum Teil zu den Wissenschaften, lautet die überraschende Antwort. „Hört auf die Wissenschaft“ ist eine Forderung, die im Zuge der Klimademos populär wurde und nun während der Corona-Pandemie erneut vorgebracht wird. „Hört auf die Wissenschaft“ heißt genau genommen: Glaubt der Wissenschaft, denn sie verfügt über die Wahrheit.

Dabei übersehen die meisten dieser Jünger, dass es die Wissenschaft nicht gibt. Wer sagt, dass auf die Wissenschaft gehört werden soll, möchte eigentlich, dass ausschließlich dem wissenschaftlichen Ansatz gefolgt wird, der ihm höchstpersönlich am besten ins Weltbild passt.

Wer aber alles ausblendet, was ihm nicht passt, verhält sich wie ein Gläubiger, der Kritik an seiner Religion nicht nur nicht hören will, sondern ihre bloße Existenz verurteilt. Wissenschaft funktioniert nicht so.

Alles überflüssig?

Während der aktuellen Corona-Pandemie lässt sich das gut auf Facebook und Twitter verfolgen. Aktuell vermuten immer mehr User, dass die Gegner des Lockdowns im Nachhinein sagen werden, dass diese drastischen Maßnahmen überflüssig waren. Wenn die Zahl der Toten weit unter den Befürchtungen bleibt, werden sie schlicht die Tatsache ignorieren, dass der Lockdown selbst der Grund dafür war.

Für diese Postings gibt es immer reichlich Zustimmung und Kommentare wie „ja, diese Leute werden es drehen, wie es ihnen passt!“ Es ist gut möglich, dass die meisten „dieser Leute“ das wirklich drehen werden, wie es ihnen passt. Sie haben womöglich schon entschieden, woran sie glauben wollen. Nämlich daran, dass die Reaktionen auf die Corona-Pandemie vollkommen überzogen sind, weil an ihr nicht mehr Menschen sterben, als in einer mittelmäßigen Erkältungssaison an Grippe.   

Meine Wahrheit, deine Wahrheit

Aber was ist eigentlich mit denen, die sich so sicher sind, dass die Corona-„Runterspieler“ es am Ende immer so drehen werden, dass es ihnen ins Weltbild passt? Können sie umgekehrt den Gedanken zulassen, womöglich falsch zu liegen? Dass sich am Ende die Erkenntnis durchsetzt, dass der Lockdown tatsächlich maßlos überzogen war? Vermutlich ist auch in dieser Gruppe die Zahl derer groß, die an ein bestimmtes Pandemie-Szenario glauben wollen.

Wer ein Wissenschafts-Religiöser ist, gibt vor, sein Urteil ganz von Daten und Fakten abhängig zu machen. In Wahrheit werden aber alle „bösen“ Daten und Fakten ignoriert und nur das mit Genugtuung gelesen, was man lesen will. Wissenschafts-Religiosität ist einfach nur eine unaufrichtigere Art der klassischen Religiosität und letztlich ebenso gefährlich, wenn sie dogmatisch und radikal wird.




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