Christine Aschbacher
Frau Doktor: Christine Aschbacher Österreichisches Bundesministerium der Finanzen

Und sie schämt sich nicht

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Christine Aschbacher ist nicht mehr österreichische Arbeits- und Familienministerin. Grund ist eine Plagiatsaffäre. Wobei: Das ist noch harmlos ausgedrückt, wenn man Zitate aus ihrer Dissertation liest.

Von Elisabeth Hewson

Schämen ist ein Fremdwort. Und zwar im wahrsten Sinn, wird es doch meist angewendet, wenn es andere betrifft. Wie in Fremdschämen. In Politik und Wirtschaft scheint es ein Ding der Unmöglichkeit, sich für sich selbst zu schämen. Da müsste man ja Fehler eingestehen. Und welcher unfehlbare Politiker oder Manager tut das schon? Das wäre mal ein Thema für eine Doktorarbeit. Und damit sind wir beim Thema. Eine nicht nur hier übliche, ab er dann doch wieder typisch österreichische Affäre. Es geht um Titel.

Wirkliche Geheimratswitwe und Kaffeehausdoktor – in Österreich ist das wichtiger als anderswo. Der Doktor ist hier nicht, wie zum Beispiel in englischsprachigen Ländern, der Arzt, sondern jeglicher Akademiker. Erheiratet werden kann der Titel ebenfalls – Frau Doktor ist möglicherweise die Frau des Doktors. Aber auch durch Abschreiben oder Fremdschreiben ist er zu erringen. Das alles ist nichts Neues, auch in Deutschland mussten schon ehrenwerte Frauen und Männer ihre zu leicht verdienten Akademikertitel zurücklegen. Und dann auch ihr Amt.

Wobei auch dort Schimpf und Schande eine recht kurze Halbwertszeit haben und man die ehemaligen Titelträger weiter als Berater von Wirtschaftsbossen wiederfindet. Auch bei windigen Geschäften, bei denen sich wieder Gleiches sich mit Gleichem paart. In Österreich wird man dann Bundesratspräsident, wie der Ex-Doktor Christian Buchmann, dem seine Eitelkeitspromotion 2017 aberkannt wurde. Oder man erhält das Ehrenkreuz für Verdienste um die Wissenschaft, wie der Leiter des Studienzentrums Wien, das passenderweise Promotionsbegleitung anbietet, Univ.-Prof. Dr. Peter Linnert, übrigens Autor des Buches „Wirtschaftskriminalität“ (!). Auch zwei seiner Kinder wurden höchst erfolgreich „begleitet“, ihre Dissertationen sind laut Plagiatsseite VroniPlag Wiki fast gänzlich abgeschrieben.

Besonders peinlich aber wird es, wenn die Plagiateure und Plagiateurinnen nicht einmal des Deutschen mächtig sind. Es ist die Rede von Österreichs Ex-Arbeits- und Familienministerin Christine Aschbacher, die ihre Diplomarbeit „mit bestem Wissen und Gewissen geschrieben“ hat und auch noch mit „Sehr Gut“ von der Fachhochschule beurteilt wurde. Die betreffenden Professoren und Begutachter schweigen, was nachvollziehbar ist, wenn man folgende Passagen in der Diplomarbeit liest.

Schlecht abschreiben kann sie gut

„Um den aktuellen Stand der Tätigkeiten […] zu erheben, wird ein empirische Teil, mittels Experteninterviews erhoben“. Oder: „Dies wird durch Unterstreichen der Meinungen, Kategorisieren und Bedeutungen festlegen, durchgeführt.“ Auch für ihre Doktorarbeit hätte sie besser ein anderes Übersetzungsprogramm gewählt oder ihre Arbeit wenigstens einmal durchgelesen, um Passagen wie die folgende nochmal zu hinterfragen: „Vielleicht, daher ist es seltsame, dass, wenn es irgendeine eine Phrase, die garantiert wird, um mich auf den Weg, es ist, wenn jemand zu mir sagt: ‚Okay, fein. Du bist der Chef!“, Sagt Branson. „Was mich ärgert ist, dass in 90 Prozent der Fälle, wie, was diese Person wirklich sagen will, ist: ‚Okay, dann, glaube ich nicht mit Ihnen einverstanden, aber ich werde rollen und tun es weil sie sagen zu mir. …“ Sie kommt schließlich zur weltbewegenden Erkenntnis: „Wenn die für eine Aufgabe richtigen Menschen in der richtigen Stimmung zusammenwirken, dann ist im positiven Sinne alles möglich.“ Übrigens auch im negativen, denn „Annahmen sind wie Seepocken an der Seite eines Bootes; sie verlangsamen uns.“

Nun ja, sie war halt irgendwie unter Zeitdruck, zwischen der Veröffentlichung des Dissertations-Vorhabens und der Verteidigung der fertigen Arbeit lagen höchstens vier Monate. Andere, nicht ganz so pfiffige Menschen brauchen dafür Jahre. Und da sind ja auch noch ihre drei Kinder, deretwegen sie nun auf ihr Amt verzichtete, nicht etwa wegen der vielen hochnotpeinlichen Plagiatsstellen und des Pidgin-Deutsch an vielen Stellen, für das sich ein Volksschüler schämen würde. Eine Politikerin – wieso denn?

Elisabeth Hewson wurde in Wien geboren, einige Zeit in England und in Tirol zu Hause, arbeitete lange Jahre als Werbetexterin, später als Chefredakteurin einer Konsumentenzeitung und freie Journalistin. Sie reist viel, lebt und arbeitet aber gerne in Wien.




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