Impfschutz! Und was nun?

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Vor einer Woche habe ich die zweite Dosis des Biontech-Impfstoffs gegen SARS-CoV-2 erhalten. Der Tag danach war unangenehm. Aber jetzt ergeben sich neue Perspektiven. Teil 3 des Impftagebuchs.

Am 29. Dezember habe ich die erste Dosis des Biontech-Impfstoffs erhalten, für die Salonkolumnisten habe ich ausführlich über meine Beschwerden direkt und eine Woche nach der Impfung berichtet. Aktuell arbeite ich als Medizinstudentin im Praktischen Jahr an einem Maximalversorger in München. Bis vor kurzem war ich auf einer COVID-19-Station eingeteilt, inzwischen bin ich in der Onkologie. In beiden Bereichen müssen Mitarbeiter und Patienten ganz besonders vor einer Infektion geschützt werden, denn Krebspatienten sind durch ihre Erkrankung und Therapien häufig immungeschwächt. Auch haben Krebspatienten ein erhöhtes Risiko für Thrombosen, auch bei COVID-19 treten gehäuft Thrombosen als schwere Komplikationen auf. Deshalb wurde ich bereits so früh geimpft.

Nach der zweiten Impfdosis: Migräne.

Am 19. Januar habe ich die zweite Dosis des Impfstoffs erhalten. Am Tag der Impfung hatte ich keine Beschwerden, abends hat der geimpfte Arm langsam angefangen weh zu tun. Nachts wurden die Schmerzen ziemlich stark. Am nächsten Morgen waren sie aber wieder vorbei. Tatsächlich sollte der Tag nach der zweiten Dosis kein guter Tag werden, das zeigte sich aber erst am Vormittag. Zuerst ging es mir gut, gegen 10 Uhr überrollte mich dann eine ziemlich massive Migräneattacke. Ich musste ein Medikament gegen Übelkeit und Kopfschmerzen einnehmen und die Arbeit verlassen. Nach der Medikamenteneinnahme wurde es besser, den Rest des Tages habe ich geschlafen. Ich hatte bereits nach der ersten Impfung leichte Migräne-Beschwerden. Ich leide schon lange an Migräne und sie kann durch alles Mögliche ausgelöst werden. Die Impfung könnte ein Trigger gewesen sein, wissen tue ich es aber nicht. Ich habe nur anekdotische Evidenz: den meisten Kollegen ging es nach der zweiten Dosis gut. Doch einige Kollegen, die an Migräne leiden, hatten ebenfalls Beschwerden. Kopfschmerzen sind als häufige Nebenwirkung der Impfung beschrieben. Übelkeit tritt deutlich seltener auf.

Seit diesem einen schlechten Tag hatte ich zum Glück keinerlei Beschwerden mehr. Eine Woche nach der zweiten Impfung, einen Monat nach der ersten Impfung, ist die Bilanz: Bis auf den besagten Tag hatte ich keinerlei ungewöhnliche Beschwerden.

Wie weiter?

In der Zulassungsstudie von Biontech waren die Probanden eine Woche nach der zweiten Dosis mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent vor einer symptomatischen COVID-19-Erkrankung geschützt. Wahrscheinlich habe ich nun Impfschutz. Was jetzt? Party?Leider wissen wir noch nicht genau, ob die Impfung nur die Erkrankung in Schach hält, oder das Virus so gut abwehren kann, dass es sich gar nicht erst vermehrt und weiter übertragen werden kann. Ob ich für andere noch ansteckend bin, das weiß ich nicht. Ich persönlich rechne damit, dass die Impfung die Ansteckungsfähigkeit mindestens verringert. Im besten Fall, so hoffe ich, bin ich gar nicht mehr ansteckend für andere. Deshalb ist die Impfung aktuell vor allem psychologisch wertvoll für mich. Ich habe weniger Sorge, meine Mitbewohner anzustecken, ich habe weniger Sorge, Patienten anzustecken.

Mit diesem guten Gefühl gehe ich weiter auf Nummer sicher. In der Arbeit trage ich den ganzen Tag FFP2-Maske, ebenso in öffentlichen Verkehrsmitteln. Freunde treffe ich aktuell nur draußen zum Gassigehen mit meinem Hund. Ich kann mir vorstellen, in naher Zukunft vielleicht einmal andere geimpfte Freunde zu Hause zu treffen. Da ich mit schwer immunschwächten Patienten arbeite, möchte ich erstmal kein unnötiges Risiko eingehen, mich privat anzustecken, auch wenn ich jetzt geimpft bin. Ich denke, dass wir bald mehr Daten zum Impfschutz haben werden. Darüber, wie es mir in den nächsten Wochen geht, und wie ich mein Verhalten mit der Impfung ändern werde, werde ich hier berichten.

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Marisa Kurz, Jahrgang 1988, lebt in München. Sie hat ein Studium der Biochemie mit Nebenfach Virologie (M. Sc., B. Sc.) und ein Studium der Philosophie mit Nebenfach Sprache, Literatur und Kultur (B. A.) abgeschlossen. Aktuell studiert sie Humanmedizin, schließt ihr Studium Ende 2021 ab und strebt eine Weiterbildung zur Onkologin an. Sie promoviert in der Krebsforschung zu Immuncheckpoints bei Lungenkrebs und arbeitet außerdem an einem medizinethischen Forschungsprojekt. Von 2014-2020 war sie als wissenschaftliche Hilfskraft an verschiedenen Forschungseinrichtungen in München tätig. Aktuell befindet sie sich im Praktischen Jahr des Medizinstudiums. Neben dem Studium schreibt sie unter anderem für den Georg-Thieme Verlag. (Foto: Thorsten Meyer)