Despoten in Pjöngjang J.A. de Roo

Wie man die Koreakrise löst

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Ohne Sockenschuss und mit etwas Verhandlungsgeschick im Weißen Haus wäre der Kim-Konflikt recht einfach zu entschärfen. Unser Autor hat Schach gespielt.

Selbstverständlich hatte Donald Trump mit jedem Wort recht, das er vor dem südkoreanischen Parlament vom Teleprompter ablas. Südkorea ist ein wunderbares Land, eine beeindruckende Erfolgsgeschichte, die beweist, dass Kapitalismus – gepaart mit einer liberalen Demokratie – die humanste Form des Wirtschaftens und menschlichen Zusammenlebens ist. Hingegen ist die bloße Existenz Nordkoreas ein Skandal. Nordkorea ist ein KZ, das sich als Nationalstaat verkleidet, regiert von einem irren kommunistischen Kult, dessen Soldaten Minderjährige einsperren und die Bevölkerung Gras fressen lassen. Der 38. Breitengrad trennt buchstäblich das Licht von der Finsternis, wie man auf jeder Satellitenaufnahme studieren kann, die bei Nacht entstanden ist: Nordkorea ist dort zappenduster. Die zivilisierten Länder sollten, wie Trump richtig sagte, an der Seite Südkoreas stehen, zumal es den Südkoreanern gerade gelungen ist, durch gewaltfreie Massendemonstrationen eine korrupte Präsidentin abzusetzen.

Was Donald Trump vor dem südkoreanischen Parlament nicht sagte: was daraus nun eigentlich folgt. Die Gefahr besteht, dass aus Nordkorea ein nukleares Waco würde – dass das Regime, wenn es sich bedroht fühlt, lieber erstmal Seoul plattmacht, den Süden mit Atombomben verwüstet und als Schlussakt sich und den von ihm beherrschten Landesteil in die Luft sprengt. Es gibt kein einziges militärisches Szenario, das nicht in einer Katastrophe endet; jeder Sieg der freien Welt wäre ein Pyrrhussieg, bei dem man am Schluss vor rauchenden, wahrscheinlich auch radioaktiven Trümmern stünde. (Und es besteht die reale Gefahr, dass die Vereinigten Staaten dadurch in eine militärische Konfrontation mit China geraten könnten, mit Folgen, die ich mir lieber nicht ausmale.)

Matt in drei Zügen

Hier ist eine Strategie, die ein amerikanischer Präsident mit ein bisschen politischer Phantasie und einigem Sachverstand verfolgen könnte. Nennen wir sie die Rochade-Strategie, gefolgt von einem gewagten Rösselsprung.

Erstens (Turm nimmt den Platz des Königs ein): Der Präsident reist nach Japan und handelt mit dem japanischen Premierminister aus, dass in Japan größere Einheiten der amerikanischen Streitkräfte, vor allem der Luftstreitkräfte, stationiert werden können.

Zweitens (König nimmt den Platz des Turms ein): Der Präsident reist nach Südkorea und versichert den Südkoreanern, dass Amerika weiter als Schutzmacht hinter ihnen steht; dass im Ernstfall also amerikanische Düsenjäger von Japan aus abheben würden, um den südkoreanischen Verbündeten beizustehen, und dass amerikanische Truppen binnen Stunden an der Seite der Armee der Republik Korea kämpfen könnten.

Drittens (Rösselsprung): Der amerikanische Präsident fliegt nach Peking und bietet den Chinesen einen Deal an. Eine vollkommen entmilitarisierte koreanische Halbinsel – wenn die Volksrepublik China im Gegenzug eine komplette Wirtschaftsblockade gegen Nordkorea verhängt. Die Chinesen sollen nicht mehr fürchten müssen, dass amerikanische Soldaten an ihrer Grenze stehen, sobald das nordkoreanische Regime kollabiert. Danach arbeiten amerikanische und chinesische Experten daran, wie man das nordkoreanische Regime am besten und mit den wenigsten Schmerzen zu Fall bringen könnten. Wahrscheinlich bräuchte man als erstes einen Militärputsch gegen Kim III. Danach müsste es eine vorsichtige, schrittweise Liberalisierung geben, unterstützt durch Hilfslieferungen in großem Umfang. Den amerikanischen Steuerzahler würde das Milliarden kosten, aber es wäre billiger als die Alternative. Und auf lange Sicht bedeutet es natürlich einen hoffnungsvollen neuen Markt.

Das einzige, was man für all das bräuchte: einen amerikanischen Präsidenten, der (a) keinen Sockenschuss hat und (b) über Verhandlungsgeschick verfügt. Schade eigentlich, dass wir den grade nicht zur Verfügung haben.




Hannes Stein, geboren 1965 in München, aufgewachsen in Salzburg, hat lange in Schottland, länger in Israel und am längsten in Hamburg und Berlin gelebt. 2007 in die Vereinigten Staaten ausgewandert, seit 2012 amerikanischer Staatsbürger. Verheiratet, ein Kind. Kulturkorrespondent der "Welt" und WamS" in New York. Zuletzt erschien der Roman "Der Komet", erhältlich als kiwi-Taschenbuch.


Mit freundlicher Unterstützung von johannesdultz.com