Die AfD-Spitzenkandidatin beschwert sich über schlechte Fotos Olaf Kosinsky/Wikipedia

Wo Alice Weidel recht hat

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Artikel über AfD-Frauen werden häufig mit peinlichen Fotos garniert. Sich über Äußerlichkeiten lustig zu machen, ist das schwächste aller Argumente.

Lange muss man nicht suchen, bis Google die unansehnlichen Fotos der AfD-Spitzenpolitikerinnen Beatrix von Storch, Frauke Petry und Alice Weidel ausspuckt. Die Foto-Agenturen liefern oft ganze Serien von Nahaufnahmen, bei denen sich Redakteure aus einem Potpourri an unvorteilhaftem Bildmaterial bedienen können. Beatrix von Storch als kroatischer Fußballspieler Luka Modrić, Frauke Petry mit breitem Grinsen oder Alice Weidel, wie sie mit weit aufgerissenen Augen und Doppelkinn Löcher in die Luft starrt. Oft garniert mit süffisanten Sprüchen oder Schmähungen.

Selbst vor der Verbreitung von Bildern, bei denen Frauke Petry, hockend, unfreiwillige Einblicke unter ihren Rock offenbart, schrecken manche Fotografen nicht zurück. Interessante Randbeobachtung: Bei den Herren der Schöpfung, Gauland, Höcke, Poggenburg, wird man in Sachen peinliche Fotos eher selten fündig. Die Herabwürdigung des Äußeren ist eine zweifelhafte Ehre, die immer noch überwiegend Frauen zuteilwird.

„Von mir werden dann immer nur die Gesichtshänger-Bilder genommen" Markus Heine

AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel hat insofern völlig recht, wenn sie, wie bei einem Gespräch mit der „Oberhessischen Presse“, sagt: „Von mir werden dann immer nur die Gesichtshänger-Bilder genommen, dass es möglichst hässlich aussieht.“

Überhaupt scheint dies häufig das stärkste Argument einiger AfD-Gegner zu sein: Wie vermeintlich hässlich die Partei-Funktionärinnen sind. Ungezählte AfD-kritische Artikel sind geschmückt mit lächerlichen Close-Ups. Die intellektuelle Dürftigkeit (und die sexistische Schlagseite) dieser Strategie einmal beiseitegelassen: Dass Vertreterinnen linker Parteien und Organisationen der AfD-Spitze in Sachen sexy etwas voraus hätten, ist eine steile Behauptung, die, wäre sie politisch nicht so abgrundtief belanglos, eher mäßig von der Realität gedeckt ist.

Die Linke hat diese Strategie indes nicht erfunden. Unvorteilhafte Bilder von Claudia Roth, in Kombination mit ehrabschneidenden Kommentaren, gehören zum Standardrepertoire der Rechtspopulisten und Nazis. Und auch Angela Merkel wird bekanntlich regelmäßig zur Zielscheibe.

Sich auf dieses Spielchen einzulassen, bedeutet nicht nur, politisch fragwürdige Strategien der Rechten zu adaptieren, die Fixierung auf das Äußere von Frauen zu zementieren und, wie gesagt, das schwächste aller Argumente ins Feld zu führen. Es bedeutet auch, der AfD unnötig Munition für ihre Erzählung zu liefern, „die Medien“ behandelten sie unfair.

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Journalist bei der Berliner Morgenpost, Blogger bei Ruhrbarone. Stationen bei Tagesspiegel, Spiegel, taz, Jungle World and some funky shit. Ansonsten: Sprechsänger, Ruhrpott-Gewächs. Based in Berlin.


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