Lernen mit Schmerzen. Richtig investieren will geübt sein. © Johannes Dultz

Warum ich nicht in Bitcoins investiere

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Der digitale Dorfklatsch kennt derzeit kaum ein anderes Thema als Bitcoins. Wer hat bereits wie viel in Bitcoins investiert, wer hat Kasse gemacht, soll man jetzt noch einsteigen? Schreiben Sie ihr Geld ab, wenn es das Konto verlassen hat und investieren Sie in Wissen.

Mit sechzehn Jahren habe ich Geld von meinem Opa geerbt. Die eine Hälfte habe ich sogleich in Investmentfonds investiert: 50 Prozent in erneuerbare Energien, 50 Prozent in Rohstoffe wie Öl, Gas und Kohle. Meine These damals war – Club of Rome lässt grüßen –, dass Rohstoffe immer weniger und somit wertvoller werden und dafür die Energieerzeugung aus Windkraft, Sonne und Wasser ausgebaut würde. Mein Plan wäre sicher auch super aufgegangen, wenn mir 9/11 nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte.

Nach dem Einsturz von Zwillingstürmen und Märkten habe ich mein Depot und den DAX sechs Jahre lang nicht mehr angeschaut. Dann ging mein erstes Unternehmen Pleite. Und siehe da, der Markt hatte sich erholt und mein Depot warf genug Geld ab, um meine Verluste auszugleichen.

Bitcoin-Hype, Bitcoin-Blase

Auch wenn ich also gute Erfahrungen mit Aktien gemacht habe, lasse ich die Finger von Bitcoins. Jeder Euro, den ich heute dort investieren würde, wäre für mich pures Risiko, eine Wette mit einem für mich zu hohem Risikofaktor und mit ungewissem Ausgang. Aktienmärkte erholen sich auf lange Sicht, bei Bitcoin kann ich nicht abschätzen, was passieren wird.

Auch wenn die Renditechancen theoretisch astronomisch hoch sein mögen, investiere ich nicht in Märkte, die ich nicht verstehe oder in die ich mich schlichtweg nicht einarbeiten will. Ich kenne Menschen, die Geld mit großem Wissensschatz und damit vielleicht mit Recht in Bitcoins stecken. Die meisten jedoch tun es aus Gier und aus Angst, das große Ding zu verpassen.

Zum jetzigen Zeitpunkt würde ich es erst recht nicht tun. Spätestens, wenn Boulevard und RTL über Bitcoins berichten, ist äußerste Vorsicht angebracht. Denn das ist ein Alarmzeichen für eine Blase, einen völlig überhitzten Markt, auf dem am Ende einige wenige gewinnen, die meisten aber am Ende verlieren und bei dem Existenzen zerstört und Familien zerrüttet werden.

Der Einzelne, der Geld verliert, hat weder mein Mitleid noch meine Verachtung, auch wenn ihn die Gier getrieben hat. Doch ich verurteile, wenn er oder sie damit Unbeteiligte in Mitleidenschaft gezogen hat. Das ist verantwortungslos.

Was mich bei Bitcoins besonders skeptisch macht

Natürlich habe ich mich etwas in die Materie eingelesen und auch einige interessante Gespräche geführt. Von Fachwissen bin ich noch weit entfernt.

Das größte Problem mit Bitcoins scheinen mir daher die „Wale“ zu sein. Die etwa 1.000 Leute, denen 40 Prozent aller Bitcoins gehören. Oder, anders ausgedrückt: 4,11 Prozent aller Bitcoin-Adressen besitzen 96,5 Prozent aller Bitcoins und 0,00088 Prozent sind im Besitz von allein 17,5 Prozent.

Möglicherweise sind es auch nur ein paar hundert Menschen, die seit den Anfängen dabei sind, sich kennen und noch immer die größten Anteile besitzen. Ich kenne keinen dieser Wale. Diese Wale schwimmen lange unter der Oberfläche, aber wenn sie auftauchen und nur einen Bruchteil ihrer Anteile verkaufen, können sie Panik schüren und die Preise in den Keller schicken.

Wer diese Leute sind und ob sie sich womöglich absprechen, weiß niemand. Und da es keine Wertpapiere sind, sondern eine digitale Währung, wäre eine solche Absprache nicht einmal illegal.

Daher ist mir als kleiner Angler im hölzernen Ruderboot, der die Wale nicht mal zu Gesicht bekommt, aber unmittelbar und permanent der Bedrohung ausgesetzt ist, das Risiko zu hoch. Zu hoch, dass ein Wal mein Boot aus einer Laune heraus zum Kentern bringt und ich untergehe.

Was habe ich aus meinen bisherigen Investments gelernt?

Wenn ich Geld investiere, ist es, sobald es mein Konto verlässt, für mich nicht mehr existent. Wenn es abgebucht ist, ist es weg. Kein Jammern. Keine Träne. Kein Grübeln.

Wenn ich dagegen Lebenszeit investiere – Herzblut, Arbeitsleistung, Netzwerk und Know-how –, gehe ich anders vor. Dann kämpfe ich wie ein Löwe um meinen Einsatz, denn investierte Lebenszeit kann ich nie wieder zurückholen. Auch nicht durch einen anderen smarten Invest.

Daher rate ich jedem Einzelunternehmer oder Start-up, dem von einem Experten Lebenszeit als Investment angeboten wird, damit noch verantwortungsvoller umzugehen als mit Geld von einem reinen Cash-Investor.

Vor allem empfehle ich, in Wissen zu investieren – das eigene, das der eigenen Mitarbeiter, der treuen Freelancer und vor allem der Kinder. Wissen bringt noch immer die besten Zinsen, um eine alte Maxime zu zitieren, und es schützt einen zusätzlich von unüberlegten Fehlinvestitionen und sinnfreien Folgeinvestitionen.




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