So sollten Schulen und andere Orte des öffentlichen Austausches jetzt erscheinen: Leer. Shawn Stutzman

Bleiben Sie zuhause!

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In Bezug auf die COVID-19-Epidemie gibt es nur eine Regel: Maßnahmen, die zu groß sind, sind gerade groß genug. Es gibt kein Zuviel an Vorsicht.

Am Anfang jeder Seuche steht nicht die Panik; am Anfang der Seuche steht die Leugnung. Albert Camus beschreibt das sehr schön in seinem Roman „Die Pest“: Anfangs denkt sich kein Mensch etwas dabei, als in Oran immer mehr Ratten verenden – undenkbar, dass das gewohnte Leben aus seinen Bahnen geworfen werden könnte. Schwule Freunde erzählen mir, dass es am Anfang der Aids-Epidemie ähnlich war. Keine einzige schwule Sauna machte dicht. Es gab den guten schlechten Rat, nur mit Leuten Sex zu haben, „die gesund aussehen“. Kein Mensch sagte die Wahrheit: Wer den tödlichen Erreger nicht weitergeben oder sich von ihm nicht anstecken lassen möchte, der muss auf Sex verzichten. Oder Safer Sex praktizieren.

Auch wir müssen jetzt auf etwas verzichten: auf unser soziales Leben. Wer von zuhause aus arbeiten kann, muss dies tun. Sofort, am besten vorgestern. Auch wenn er nicht von seiner Regierung dazu aufgefordert wird. Wer nicht in dieser glücklichen Lage ist, muss seine sozialen Kontakte dennoch möglichst einschränken. Wenn wir das nicht tun, wird die Katastrophe besonders schlimm ausfallen.

Isolation, Isolation, Isolation

Südkorea hat eine Todesrate von 0,5 Prozent. In Italien sterben derweil sage und schreibe sechs von 100 COVID-19-Fällen. Warum? Ist das Virus in Italien schlimmer als in Südkorea? Nein. Die Südkoreaner haben sich rechtzeitig voneinander isoliert, die Italiener nicht – und zahlen jetzt einen schrecklichen Preis dafür. Bald werden die Deutschen diesen Preis bezahlen. Und wir Amerikaner, die das Pech haben, von einem unfähigen und geistig eingeschränkten Kriminellen regiert zu werden, ebenfalls.

Wenn Sie diese Graphik noch nicht gesehen haben, schauen Sie sich diese Kurve an, sie erklärt eigentlich alles:

Es ist ein Riesenunterschied, ob viele Menschen nacheinander krank werden – oder gleichzeitig. Im letzteren Fall kommt das Gesundheitssystem auch eines reichen Landes nicht mehr mit, und die Ärzte müssen Triage betreiben, wie im Kriegsfall. Das heißt: Sie müssen die Älteren und die besonders schweren Fälle sterben lassen, mangels Kapazität.

Sozial ist nur Zuhause

Je schneller Sie sich sozial voneinander isolieren, desto besser. Es reicht bei Weitem nicht aus, wenn Sie nur in Veranstaltungen gehen, wo sich weniger als 50 Menschen versammeln. Es reicht bei Weitem nicht aus, wenn Sie in eine Bar gehen, die nur spärlich besetzt ist. Sie müssen zuhause bleiben. Jetzt.

Rufen Sie Ihre Mutter an. Ihre Freunde. Reden Sie von Weitem mit Ihrem Nachbarn. Stellen Sie der alten Oma von gegenüber Essen vor die Tür. (Wischen Sie den Topf, in dem Sie das Essen bringen, mit Desinfektionsmitteln ab, und waschen Sie sich vor dem Kochen gründlich die Hände.)

Seien Sie paranoid, was Viren betrifft. Ich habe gerade die Tastatur meines Laptops eingesprüht und mir dann nochmal die Hände gewaschen. Trainieren Sie die schwierige Kunst, sich nicht ins Gesicht zu fassen. Geben Sie niemandem die Hand.

Ein Hoch auf den Kategorischen Imperativ

Ach ja, und nehmen Sie Ihr Kind aus der Schule, wenn Sie in einem Bundesland leben, wo die Schulen noch nicht geschlossen sind (was kriminell leichtsinnig ist). Ihr Kind wird von dem Virus zwar gottlob höchstwahrscheinlich nicht angegriffen, aber es wird das Virus weiterverbreiten.

Vielleicht werden sich Leute über Sie lustig machen, weil Sie sich so übervorsichtig verhalten. In zwei Wochen, wenn die Todesrate steil nach oben geht, werden dieselben Leute Ihnen danken.

Der große Philosoph Immanuel Kant formulierte den kategorischen Imperativ: „Handle jederzeit so, dass die Maxime deines Handelns die Maxime einer allgemeinen Gesetzgebung sein könnte.“ In Zeiten des Coronavirus heißt das: Handeln Sie so, als seien Sie schon infiziert – und hoffen Sie, dass Sie es nicht sind.

Bleiben Sie zuhause. Und bleiben Sie gesund.

Hannes Stein und Richard Volkmann diskutieren wöchentlich im Podcast „City on the Hill“ über Kultur und Politik in den USA.




Hannes Stein, geboren 1965 in München, aufgewachsen in Salzburg, hat lange in Schottland, länger in Israel und am längsten in Hamburg und Berlin gelebt. 2007 in die Vereinigten Staaten ausgewandert, seit 2012 amerikanischer Staatsbürger. Verheiratet, ein Kind. Kulturkorrespondent der "Welt" und WamS" in New York. Bei KiWi erschienen seine Romane "Der Komet" und "Nach uns die Pinguine".