Welches Buch lesen? Ludger Weß

Buchtipps für die Feiertage

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Die Feiertage sind eine gute Gelegenheit, Bücher zu lesen oder zu verschenken. Die Bestsellerlisten und Stapel an den Buchhandelskassen sind aber oft keine guten Empfehlungen. Hier knapp vor dem Start der Weihnachtsferien die Tipps verschiedener Salonkolumnisten.

Romane

Cixin Liu: Die drei Sonnen. Heyne 2016.
Es gibt ganz sicher zugänglichere Science-Fiction-Romane als diesen ersten Teil der Trisolaris-Trilogie. Wer aber nicht zurückschreckt vor manchmal anstrengenden Exkursen in „harte“ Wissenschaft und Philosophie, wird belohnt mit einem außerordentlich ungewöhnlichen Vertreter des Genres. Cixin Lius Erzählweise ist anders als die westlicher Sciene Fiction-Aturoren. Sein Blick richtet sich weniger auf die Psychologie von Individuen als auf die von Gesellschaften bzw. der Menschheit als Ganzes (vor allem in den Folgebänden). Ein faszinierendes Buch, das Astrophysik, Himmelsmechanik und Außerirdische mit den Schrecken der chinesischen Kulturrevolution verbindet.
Empfohlen von Johannes Kaufmann

Serhii Zhadan: Internat. Suhrkamp 2017.
Das Buch zum tieferen menschlichen Verständnis des Krieges in der Ostukraine. Und dabei große Literatur.
Empfohlen von Anna-Vero Wendland

Sachbücher

Stephen C. Hayes: A Liberated Mind, Avery 2019.
Als einer der Begründer von ACT (Acceptance and Commitment Therapy) gibt er mit diesem Buch einen Überblick des aktuellen Forschungsstandes, mögliche Vorteile gegenüber verhaltenstherapeutischen Ansätzen sowie praktischen Anleitungen für Herausforderungen des alltäglichen Lebens, bei denen ACT-Methoden hilfreich sein können. Hayes beschreibt seinen jahrelangen Kampf mit Panikattacken sehr eindrücklich und wie es ihm durch ACT möglich wurde, ein Leben ohne die permanente Bedrohung der nächsten Attacke zu führen.
Fazit: Kein Therapieersatz, aber mit Sicherheit eine sehr gute Unterstützung.
Empfohlen von Konrad Müller

Andrew Marantz: Anti Social Online Extremists, Techno-Utopians and the Hijacking of the American Conservatism. Viking 2019.
Wer verstehen will welche gesellschaftliche Dynamik hinter Trumpismus steckt, kommt an dieser oft unapettitlichen Lektüre des New-Yorker-Journalisten nicht vorbei. Marantz hat schon Monate vor der Wahl den persönlichen Kontakt zu den führenden Köpfen der Neuen Rechten in den USA gesucht und deren Taktiken aus nächster Nähe beobachtet.
Empfohlen von David Harnasch

Ludwig Reiners: Stilkunst. Ein Lehrbuch deutscher Prosa. C.H. Beck (zuletzt 2018).
Eine urkomische und ungewöhnlich aufschlussreiche Stilkunde der deutschen Sprache. Da kommt kein Wolf Schneider heran. In der antiquarisch erhältlichen Langfassung lesen.
Empfohlen von Christian Honey

Carlo Rovelli: Die Geburt der Wissenschaft, Anaximander und sein Erbe. Rowohlt 2019.
Rovelli zeigt am Beispiel des um 600 v. Chr. geborenen griechischen Denkers Anaximander, der in der multikulturell geprägten Metropole Miles aufwuchs, wie sich wissenschaftliches Denken entwickelte. Er zeigt überdies, dass der heute wieder aufflammende Gegensatz zwischen der auf Unsicherheit gegründeten Wissenschaft und dem auf Gewissheiten gegründeten mystisch-religiösen Wissen weiter zurück reicht als bis zur Aufklärung. Ein Sachbuch.
Empfohlen von Ludger Weß

 

 

 

 




Schreibt seit den 1980er Jahren über Wissenschaft, vorwiegend Gen- und Biotechnologie. Davor forschte er als Molekularbiologe an der Universität Bremen. 2006 gehörte er zu den Gründern von akampion, das innovative Unternehmen bei ihrer Kommunikation berät. 2017 erschienen seine Wissenschaftsthriller "Oligo" und "Vironymous" bei Piper Fahrenheit. Ludger Weß kommentiert hier privat.