Polizei überall in London Pete Stott

Der Krieg der Islamisten

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Ein Terror, der sich im Küchenschrank bewaffnet, macht den Alltag zum Ort dauerhaften, unmittelbaren Schreckens. Das ist die neue Strategie der Islamisten.

Reden wir nicht von Angst. Sie wird überbewertet. Niemand schläft schlecht in Europa aus Angst vor Terrorattacken oder trinkt sein Bier mit einem Zittern in der Hand. Und doch kann ein platzender Ballon eine Panik auslösen. Reden wir lieber von Nervosität, die sich breitmacht. Gemischt aus Unbehagen, Ohnmacht und Wut. Denn da leben Menschen direkt unter uns in Europa, die könnten morgen, aufgeputscht durch Hass-Predigten und pseudoreligiöse Snuff-Videos, losgehen und unbesehen jeden töten, den sie in die Finger oder vor die Motorhaube kriegen. Sie bewaffnen sich in Baumärkten oder im Versandhandel mit Messern und Säbeln, Hämmern und Äxten. Es ist ein Alptraum. Der spektakuläre Coup geht in die Breite. Er wächst sich zu einer Art Bürgerkrieg aus. Zum Krieg der Messer mitten in unseren Städten. Sagen wir, wie es ist. Denn insgeheim spüren wir es schon. Der Rechtsstaat soll als ohnmächtig bloßgestellt werden. Und tatsächlich: Was bedeutet das Gewaltmonopol des Staates, wenn die Waffen auf dem Parkplatz stehen oder im Küchenschrank liegen? In aller Verzweiflung werden viele wieder die Schuld bei sich selber suchen. Sie werden sich gegen die eigene Brust schlagen und sagen: Es hat etwas mit mir, mit uns, mit allem zu tun. Und zuallerletzt mit dem, der das Messer in der Hand hat und zusticht. Er ist vielleicht ein paarmal scheel angeschaut worden. Und hat nicht den Job gekriegt, den er wollte. Der Alltag ist voller Zurückweisungen. Enzensberger hatte recht: Ein Mann, der sich als radikaler Verlierer fühlt, hat es aus vielen Gründen mit einer imaginären Fallhöhe zu tun. Jedenfalls rastet er irgendwann aus. Gegen die, die er für schuldig hält an seinem Los. Und viele kommen ihm mit dieser lauwarmen Begründung entgegen. Denn die Wirklichkeit ist unangenehm. In ihr wartet die Wahrheit, dass eine große Gruppe von Menschen unserer angeblich gottlosen Art zu leben und uns selbst den Krieg erklärt hat – und diesen Krieg auch will. Koste es, was es wolle. Denn diese Welt sei verderbt und eine bessere verheißen. Gleichzeitig müssen wir politische Flagellanten in Talkshows ertragen und die Ränke der Scheichs, die über die ganze Welt radikale Moscheen und Koranschulen finanzieren.

Es hat einmal eine wehrhafte Demokratie einen Kampf gegen den linken Terrorismus gewonnen, weil es in entscheidenden Momenten sehr standhafte, mutige und gewissenhafte Politiker gab, die die richtigen Entscheidungen trafen. Doch dieses Mal wird es schwieriger werden. Europa kann nicht wie Israel in einer Wagenburg leben. Daher braucht es eine wehrhafte Gesellschaft, die mit dem Rechtsstaat an einem Strang zieht. Eine Gesellschaft – und da hat Theresa May recht –, die nicht in verschiedenen Gruppen nebeneinander her lebt. Ansonsten gehen wir Zeiten entgegen, die wir uns nicht vorstellen mögen.




Lektor und gelegentlich Autor


Mit freundlicher Unterstützung von johannesdultz.com