Donald Trump Public Domain

Donald Trumps neue Weltordnung

Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Die Spaltung des Westens – wie der amtierende US-Präsident die multipolare Weltordnung mit vier Blöcken vorantreibt.

Von seinem Golfplatz in Schottland verkündete Trump seine neue Weltordnung:

„I think we have a lot of foes. I think the European Union is a foe, what they do to us in trade. Now you wouldn’t think of the European Union, but they’re a foe.“

Nach der EU wurden dann noch in der Reihenfolge Russland und China als „foes“ qualifiziert. Bei den deutschsprachigen Agenturmeldungen wurde Trumps Bezeichnung umgehend als „Gegner“ übersetzt – das mag zwar eine höfliche Übersetzung sein, näher dran ist man in der Tat aber mit „Feind“.

Trump ruft damit gerade seine neue Weltordnung aus. Oder besser gesagt, er spricht zum ersten Mal öffentlich davon, worauf Putin seit etwa zehn Jahren hinarbeitet – die Spaltung des Westens. Es ist die gemeinsame neue Weltordnung von Trump und Putin, mit Putin als Drehbuchschreiber und Trump als Verkünder auf der Bühne.

Geopolitisches Erdbeben

Der frühere schwedische Außenminister Carl Bildt nannte diese Erklärung in einem Tweet ein „geopolitisches Erdbeben“, und das ist im Grunde noch untertrieben. Denn in der Nachkriegszeit – also in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, um nicht missverstanden zu werden – gab es nur zwei vergleichbar wirkungsvolle Veränderungen der politischen Weltordnung:

  • Die Bildung der beiden Machtblöcke in Ost und West mit dem Beginn des Kalten Kriegs, die Winston Churchill am 5.3.1946 so beschrieb: „Von Stettin an der Ostsee bis Triest an der Adria hat sich ein Eiserner Vorhang auf Europa herabgesenkt.“
  • Der Zerfall und Zusammenbruch des östlichen Blocks ab 1989, die Willy Brandt am 10.11.1989 in den Satz fasste: Es wächst zusammen, was zusammen gehört.“

Beide Ereignisse spielten auf der Hauptbühne Europa, beide Ereignisse haben die USA als Hauptakteur auf der Besetzungsliste, ohne den sie nicht hätten stattfinden können. Beide Ereignisse haben die Welt verändert und die folgenden Jahrzehnte bestimmt.

Jetzt erklärt Trump seine und Putins neue Weltordnung, die von vier Mächten oder Blöcken geprägt ist. Neu im Spiel ist China, dessen Aufstieg und Ambitionen in den letzten Jahrzehnten niemand übersehen konnte. China ist der weltweit größte Gläubiger von amerikanischen Schulden. Das von Obama noch als „Regionalmacht“ apostrophierte Russland darf sich überglücklich schätzen, nun endlich wieder in der obersten Spielklasse verortet zu werden. Putin hat die Augenhöhe mit Amerika erreicht, nach der er seit Ewigkeiten giert. Der entscheidende Schritt Trumps ist aber natürlich der verkündete Bruch zwischen den USA und Europa, der das globale Mächtequartett vollendet, wie es Trump sieht.

Absichtserklärung, keine Vollzugsmeldung

Und das ist in der Tat eine Veränderung der Weltordnung, die den beiden genannten Epochenbrüchen gleich kommt. Wenn sie denn durchgesetzt wird.

Ist es denn nun das Ende des Westens als ideelle, politische und militärische Gemeinschaft? Noch nicht, denn noch es gibt ja die Institutionen, die dem entgegenstehen – also die G7 und im wesentlichen die NATO, deren Unterstützung gerade vom US-Senat mit 97 zu 2 Stimmen bekräftigt wurde. Trump hat also noch zu knabbern, bis er seine Weltordnung auch durchsetzen kann – aber nun ist sie formuliert und ausgesprochen. Bis jetzt ist es eine Art Absichtserklärung, keine Vollzugsmeldung.

Deshalb darf der Westen sowohl in den USA wie auch in Europa nicht damit aufhören, diese Bande aufrecht zu erhalten und in jedem Detail gegen die Verwirklichung dieser Absicht anzugehen. Das wird nicht einfach sein, und nur mit heroischen Widerstandsbeteuerungen wird man nicht viel erreichen können – mit Unterwerfung nach dem Muster Theresa May jedoch überhaupt nichts. Die bereits von Trump begonnenen Handelskriege werden möglicherweise Flexibilität verlangen und ungewöhnliche zeitweilige Koalitionen hervorrufen, beispielsweise mit China, das zugleich auch großes Interesse hat, sich in Europa festzusetzen. Das Letzte, was man jetzt braucht, sind Kleinstaaterei, Kleinkrämerei und Kleinmut. Think big and use what you’ve got.


Gastautor Albrecht Kolthoff ist freier Journalist. Folgen kann man ihm unter anderem auf Twitter und Facebook.




Über