Er blieb sich treu – Nachruf auf einen eifrigen Deutschen

Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Es ist ein offenes Geheimnis: Alle Redaktionen haben Nachrufe für die Großen der Welt in der Schublade. Wir natürlich auch. Wir allerdings veröffentlichen unsere Abschiedsworte vorab, damit sich schon die Lebenden an unserem Lob erfreuen können. Denn für Nachrufe gilt: Über Tote redet man nicht schlecht. Folge 2:  Horst Mahler.

Er war konsequent und sah immer das große Ganze, seinen welthistorischen Auftrag: Deutschland vom Schmutz zu befreien, vom Kapitalismus, den Amerikanern, und vor allem von den Juden, denn er kannte die „Abgründe des Judaismus, der die finanzielle Aussaugung der Völker sowie deren Vernichtung als Gebot predigt.“ Er wusste schon immer, was für Deutschland auf dem Spiel steht: Die „mentale Identität“ schlechthin.

Auch wenn seine Mission schier übermenschliche Kräfte verlangte, blieb der doch Optimist. Als Islamisten am 11. September 2001 das World Trade Center in New York in Asche legten, sah er endlich den Silberstreifen am Horizont, das „Ende des Jahwe-Kults und des Mammonismus.“

„Der Feind es deutschen Volkes,“ das wusste der belesene Hegelianer, „ist die Krake, das anonyme Geflecht des globalen Spekulationskapitals, das seinen Stützpunkt an der US-amerikanischen Ostküste hat und von dort aus die Welt kontrolliert.“ Wer sich ein Bild von dieser Krake machen will solle das Buch ’Die Globalisierungsfalle’ lesen. „Das ist Pflichtlektüre für jeden Patrioten.“

Auch die Umwelt trieb ihn um

Stets besorgt um das Wohl des deutschen und anderer möglichst arischer Völker prangerte er unerschrocken „Unterernährung, Umweltzerstörung und Überbevölkerung“ an, und empfahl dagegen „die nationalrevolutionäre Überwindung des Globalismus“. Nicht nur um Deutschland, auch um die Umwelt sorgte er sich: „Das Wesen der Moderne ist die äußerste Gefährdung der Gattung durch sich selbst.“ Besser hätte es auch Franz Alt nicht formulieren können.

Tapfer stellte er sich dem „aggressiven Liberalismus“, „Globalismus“, „kosmopolitischen Zynismus“ und den „American way of Life“ entgegen. „Nie haben sich Menschen so ausgehöhlt und so nichtswürdig gefühlt, wie die Menschen in der ’westlichen Wertegemeinschaft’“, wusste er. Aber er beließ es nicht bei der Diagnose sondern verriet den Leidenden auch die beste Medizin: „Rosskur“, ein „straffes Regiment“, „Betriebe in staatliche Regie“, „Arbeitsdienst“. Ja er war nicht zimperlich und sagte frei heraus, was im Dienst der guten Sache notwendig sei. „Der Staat ist der Hüter des Glaubens an Gott“, doch deutsche Christen seien „in der Anbetung des Mammons längst zu Juden geworden.“

Von der SPD über die PLO zur NPD

Über ein halbes Jahrhundert folgte er seiner Mission, für ein paar Jahre sogar mit der Waffe in der Hand. Ein beeindruckender Weg, der nicht immer leicht war: FDJ, Burschenschaft, SPD, SDS, APO, PLO (Jordanien), RAF, KPD/AO, FDP, NPD. Er fing rechts an, machte links weiter und endete ganz rechts. Doch er blieb sich treu. Horst Mahler verkörperte geradezu idealtypisch alles was einst Richard Wagner und Adolf Stoecker als deutschen Geist definierten.

Zu Unrecht wurde er Spezialist für politische Kehrtwendungen abgehandelt und als Renegat denunziert, der heute das Gegenteil von dem behauptet, was er gestern gepredigt hat. Zwar hat er ein paar Akzente verschoben. Doch im Grunde war seine weltanschauliche Laufbahn gradlinig und nicht gebrochen.

Großherzig arbeitete der Jurist an einer geistigen Wiedervereinigung, bei der Linke und Rechte gemeinsam gegen Globalisierung und Liberalismus kämpfen. Auch antisemitische Muslime waren ihm dabei willkommen. Am 11. September 2001 habe „der Geist den Arabern den Dolch geführt“, bemerkte er einmal.

Kein Bock aufRock’n’Roll

Für viele waren die späten 60er- und 70er-Jahre eine Zeit hedonistischer Ausschweifungen. Nicht so für Horst Mahler, den Ernstmacher. „Ich habe jedenfalls nie gehascht,“ ließ er einen Interviewer wissen. Sex, Drugs and Rock’n’Roll interessierten ihn nicht. Er fühlte sich zu weitaus höherem Berufen und wollte „dem Volke dienen“. Denn für Horst Mahler war „das Kollektiv alles, der Einzelne nichts“. Da erstrahlt der deutsche Idealist.

Mahler wollte ganz hoch hinaus: „Der Staat, so wie Hegel ihn sieht, in dieser Übereinstimmung mit mir selbst, ist das Dasein Gottes in der Welt. Hegels ganzes Staatsdenken geht gegen den Liberalismus“. Und an anderer Stelle: „Sieht man genauer hin, erkennt man, dass auch der Nationalsozialismus eine Spielart des Kollektivismus war. Darin war er dem Kommunismus ähnlich.“  Dass der SDS 1968 nicht „Ausländer raus!“ skandierte, lag laut Mahler nur daran, dass „die Überfremdung als solche damals noch nicht ins Bewusstsein der Menschen gedrungen ist.“ Sonst hätte er wohl „auch damals schon Partei ergriffen, für meine von innerer Vertreibung betroffenen Landsleute.“

1972 lautete sein Schlusswort als Angeklagter vor Gericht: „Mit den Bütteln des Kapitalismus redet man nicht, auf die schießt man.“ „Die Motivation“, so Mahler, „bei den Jungen, die damals zur Waffen-SS gegangen sind,  und bei denen die dann zur RAF gegangen sind, hat was Gemeinsames, eine Idee. Wo man sagt: Die müssen wir in der Welt durchsetzen, gegen Widerstände, gegen Feinde.“

So selbstlos und idealistisch kann nur ein guter Deutscher sein.


Damit sich schon die Lebenden an unserem Lob erfreuen können, veröffentlichen wir unsere Nachrufe ante mortem. Sämtliche Nachrufe können hier nachgelesen werden.




Michael Miersch mag Menschen, aber auch Tiere, insbesondere die wilden. Weshalb er bei der Deutschen Wildtier Stiftung arbeitet. Drei Jahrzehnte lang schrieb er wilde Geschichten in so unterschiedlichen Biotopen wie Die Welt, taz, Focus, natur, Cicero und Hessischer Rundfunk. Außerdem drehte er Tierfilme und verfasste ziemlich viele Bücher.


Mit freundlicher Unterstützung von johannesdultz.com