Philologische Bibliothek der FU Bildquelle: FU/David Ausserhofer

FU-Berlin: Studienfach Israelhass

Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

An der Freien Universität in Berlin gastiert eine amerikanische Kulturwissenschaftlerin, deren akademischer Output vor allem aus Hetze gegen Israel besteht.

Anfang des Jahres wurden an der Freien Universität Berlin Antisemitismus-Vorwürfe laut: Die am Otto-Suhr-Institut beschäftigte Dozentin Eleonora Roldán soll, so warf es ihr eine Studenteninitiative vor, auf ihrem privaten Blog das Existenzrecht Israels bestritten und den Staat zudem als koloniales Apartheidregime bezeichnet haben. Außerdem pflege sie enge Kontakte zur antisemitischen „BDS“-Bewegung (Boykott, Divestment and Sanctions) – einer Organisation, die von der terroristischen Hamas unterstützt wird und zur Vernichtung Israels durch internationale Handelsboykotte und Desinvestitionen aufruft. Die Universitätsleitung zeigte sich bestürzt und versicherte, der Dozentin zunächst keine weiteren Lehraufträge zu erteilen. Zu Recht. (Hier eine Zusammenfassung der damaligen Ereignisse)

Wenige Monate später könnte die Berliner Universität nun allerdings erneut zur Bühne einer Akademikerin werden, die unverhohlen gegen den jüdischen Staat hetzt. Denn auf Einladung der Islamwissenschaftlerin Schirin Amir-Moazami soll am 23. November die Kulturwissenschaftlerin Lila Sharif von der University of Illinois einen Vortrag im Graduiertenkolleg „Berlin Graduate School Muslim Cultures and Societies“ (BGSMCS) halten. Das Thema des Abends: „Olive Insurrections: Palestinian Survival in a Vanishing Landscape“ (Der Oliven-Aufstand: Palästinensisches Überleben in einer verschwindenden Landschaft).

Nun lässt der Titel der Vorlesung eher auf eine dramatische Darstellung der israelischen Siedlungspolitik schließen als auf expliziten Israelhass. Aber der Schein trügt. Denn die Dissertation von Sharif zu derselben Thematik strotzt nicht nur vor israelfeindlicher Propaganda, sondern versucht antijüdische Ressentiments zur kulturwissenschaftlichen Erkenntnis zu überführen.

Das lässt sich bereits bei der Fragestellung der Arbeit erkennen. So geht Sharif davon aus, dass der „zionistische Siedlungskolonialismus“ versucht, Einwohner, Landschaft und Kultur der Palästinenser auszulöschen. Genauer: Es sei ein „Projekt der Zionisten, Palästina komplett zu vernichten“. Diese Vernichtung stellt Sharif im Laufe der Arbeit als das Ergebnis einer „neoliberalen Konsumierung“ palästinensischen Essens, der Kultur und von Olivenbäumen durch Israel dar.

Wie kommen solche Gedanken in anerkannte Institutionen?

Das Wort „Siedlungskolonialismus“ muss hier genauer erklärt werden: Der englische Begriff „settler-colonialism“ bezeichnet innerhalb der „Postcolonial Studies“ die komplette Auslöschung einer Ethnie durch die koloniale Besatzung einer Imperialmacht. Dabei begründen die Siedler die Vernichtung der Ureinwohner mit ihrer eigenen kulturellen und „rassischen“ Überlegenheit. Die Siedlungspolitik Israels wird hier also in eine Reihe mit den kolonialen Gräueln der Briten bei der Entdeckung Amerikas und Australiens gestellt.

Man könnte sich schon an dieser Stelle fragen, wie derart antisemitische Denkmuster überhaupt Einzug in die wissenschaftliche Theoriebildung und in anerkannte Institutionen, wie die University of Illinois und die University of California fanden. Aber es kommt noch schlimmer.

Denn Sharif reproduziert nicht nur antisemitische Klischees, indem sie die israelische Siedlungspolitik als „Infrastruktur der Apartheid“ bezeichnet und von einer „israelischen Apartheid-Mauer“ spricht. Sie bedient sich auch an der Propaganda von antisemitischen Organisationen, um ihre These der kulturellen Auslöschung Palästinas durch die Zionisten zu beweisen.

So analysiert sie in ihrer Dissertation mehrere Illustrationen der BDS-Bewegung, auf denen zum Boykott von israelischen Waren aufgerufen wird. Auf einem Comic heißt es etwa: „Buying Israeli Goods Is Funding Apartheid!“. Ein anderes zeigt israelischen Humus und warnt: „Don‘t Dip Into Apartheid!“. Auf demselben Bild werden Israel „ethnische Säuberungen“ in Palästina unterstellt.

Die Verwendung von BDS-Propaganda und von Aufsätzen des antisemitischen Netzwerkes „International Jews Anti-Zionist Network“ werden an keiner Stelle der Arbeit kritisiert. Sie erscheinen vielmehr als objektive Tatsachen über die Repression der „neoliberalen Zionisten“.

Keine Antworten von der Uni

Doch nicht nur die Israelis sind in Sharifs Augen an der Auslöschung der Palästinenser beteiligt. Auch die USA wollen, glaubt man ihr, die palästinensischen Autonomiegebiete ausradiert sehen. So sieht die Ethnologin hinter der Terrorprävention der Vereinigten Staaten nach 9/11 eine Erfindung der Amerikaner, um das „Siedlerprojekt der Zionisten in Palästina zu etablieren“. An einer anderen Stelle behauptet sie, dass Israel eine Rolle in der aufkommenden Apartheid in Südafrika spielte und den „Genozid Kanadas an seinen Ureinwohnern“ unterstützte.

Es würde lange dauern alle antijüdischen Darstellungen und Bilder, die Lila Sharif in ihrer Doktorarbeit verwendet, aufzuzählen. Dort gibt es etwa den alles verschlingenden Moloch, der Palästina durch seine Besatzung buchstäblich mit seinem „westlichen Gaumen zerkaut“; oder das Bild des Juden als skrupelloser Kindermörder, der palästinensische Teenager in den Nacken schießt und alte Frauen blutig schlägt.

Hier stellt sich die Frage: Wie kann eine Universität derartige Propaganda zur Verleihung eines amerikanischen PhDs zulassen? Und warum lädt eine deutsche Universität, deren Motto „Wahrheit, Gerechtigkeit und Freiheit“ lautet, eine derartige Israel-Hasserin zu einem Gastvortrag ein?

Weder der Geschäftsführer des FU-Graduiertenkolleg, Lars Ostermeier, noch die Pressestelle der FU wollten sich auf Anfrage der Salonkolumnisten zur geplanten Veranstaltung äußern. Höchstwahrscheinlich wird Israel-Hass daher am Donnerstagabend  an der Freien Universität Berlin zum Lehrgegenstand. Nun, es wäre nicht das erste Mal.


Nachtrag: Die Veranstaltung an der FU Berlin ist mittlerweile abgesagt. Jedoch aus organisatorischen, nicht aus inhaltlichen Gründen.




Judith Sevinç Basad wuchs teilweise in Bayern, teilweise in Frankreich auf, hat türkischen Migrationshintergrund, rollt das R aber trotzdem wie eine autochthone Fränkin. In Stuttgart studierte sie Germanistik und Philosophie und studiert momentan Neuere Deutsche Literatur an der FU Berlin. In der Initiative "Liberaler Feminismus" setzt sie sich für einen freiheitlichen Feminismus ohne Sprechverbote ein, im Tagesspiegel schreibt sie darüber.


Mit freundlicher Unterstützung von johannesdultz.com