Gebührenpresse

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Eine Mitarbeiterin des Deutschlandradio hat den Kollegen der FAZ einen offenen Brief geschrieben, dessen Inhalt zwischen dreist und dämlich liegt.

Keine Frage: Die deutsche Medienlandschaft hat ihre Probleme. Sinkende Auflagen und abspringende Werbekunden hier, „Lügenpresse“-Vorwürfe und Vertrauensverlust da. Mit Gesundschrumpfen, Marktbereinigung und strategischer Neuausrichtung wird es nicht getan sein. Der Branche steht ein radikaler Umbruch bevor.

Was in der kriselnden Medienbranche aber ganz sicher niemand braucht, sind naseweise Einlassungen einer Kollegin, die zwar bei einem durch staatlichen Gebührenzwang finanzierten Sender angestellt ist, sich aber Worte wie „Staatsfunk“ und „Zwangsgebühren“ entschieden verbittet. Wenn Brigitte Baetz vom Deutschlandfunk die Kollegen von der FAZ wissen lässt, dass die Redakteure des DLF nie Dienstwagen hatten („und das war auch gut so“), dann ist das fragwürdig, wenn sie, deren Gehalt direkt aus den Taschen der Beitragszahler stammt, weiterhin doziert, „jeder Journalist sollte selbst wissen, was er wert ist, wenn er gute Arbeit macht“, dann ist das irgendwo zwischen dämlich und dreist. So schreibt sich leicht daher, wenn man die „finanzielle Sicherheit“ des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hinter sich weiß, der „so von der Verfassung“ gewollt sei (wenn auch nicht zwangsläufig „in der Höhe“). Es passt ins Bild, dass auch die böswillige Mär von der geplanten Gebührenerhöhung auf 21 Euro im Monat für Frau Baetz nichts als eine Ente ist, und zwar eine, die „zu einer Zeitung von Eurem bürgerlichen Ruf so überhaupt nicht passt“.

Es hapert sogar mit der Logik

Es braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass die Redakteure der FAZ ihrerseits die eine oder andere Idee hätten, was zur Arbeit des Deutschlandfunk passt und was nicht. Wenn sie ihre Einlassungen unters Volk bringen, dann auf der Grundlage ihrer vom deutschen Medienmarkt gebildeten Machtposition. Wenn Frau Baetz dagegen den Kollegen aus der freien Wirtschaft schulterklopfend gute Ansätze mit bösen Absichten bescheinigt, dann liegt die ultimative Demütigung darin, dass die getadelten Kollegen diese Frechheit auch noch selbst bezahlen müssen. Wenn die FAZ zwangsweise erhobene Gebühren als „Zwangsgebühren“ tituliert, dann kann ihnen das nur übelnehmen, wer mit Jörg Schönenborn auch wirklich glaubt, ohne öffentlich-rechtlichen Rundfunk, ohne „Rote Rosen“ und „Rosamunde Pilcher“, ohne Leichtathletik-WM und Sportschau würde die Demokratie in Deutschland kollabieren. Dass die Journalisten der FAZ einen Sender, auf dessen verfassungsmäßige, mithin zutiefst staatliche Grundlage Frau Baetz selbst wohlwollend hinweist, als „Staatsrundfunk“ bezeichnen, kann nur ablehnen, bei wem es mit der grundlegenden Logik hapert.

Und dass die FAZ gemeinsam mit Dutzenden anderen Medien über die mögliche Gebührenerhöhung berichtet hat – und durch die Zusicherung irgendeines Sprechers, das stimme so nicht, noch lange nicht zufriedengestellt ist – ist auch nicht der Misanthropie der Redaktion geschuldet, sondern der langen, leidvollen Erfahrung mangelnder Kontrolle und mangelnder Staatsferne in den für die Festsetzung des Rundfunkbeitrages (allein das Wort!) zuständigen Gremien. Vor diesem Hintergrund sind die herablassenden Kommentare der Brigitte Baetz noch weltfremder als ohnehin schon: Wenn die Zeitungen keinen Rundfunkbeitrag haben, sollen sie doch Werbekunden essen. Wer so argumentiert, der braucht sich über Quotenprobleme, Vertrauensverlust und Widerstände gegen eine ausufernde staatliche Senderstruktur nicht zu wundern.

Und damit zurück ins Funkhaus.




Studierter Historiker aus München, leidenschaftlicher Kartensammler und im Brotberuf in der jüdischen Bildungsarbeit aktiv. Bestens vertraut mit der Rolle als liberaler Exot und Quotenkapitalist. Hier und bei den Ruhrbaronen schreibt er zu deutscher und amerikanischer Politik und Israel. Sein Motto: „Geheimratsecken wollen auch schön eingerichtet sein!“


Mit freundlicher Unterstützung von johannesdultz.com