4. Mai 2018

Der Jud ist schuld!

Die "Thüringische Landeszeitung" weiß, wer den amerikanischen Präsidenten lenkt.

Der Iran-Deal ist eine sehr komplizierte Angelegenheit. Unzählige Experten aus aller Herren Länder, denen niemand böse Absicht unterstellen kann, streiten sich seit Jahren über die Frage, wie sinnvoll das Abkommen wirklich ist und welche Bestandteile hilfreich oder schädlich bei der Verhinderung der Teheraner Bombe sind. Es ist – wie so oft – alles nicht so einfach. 

Wer aber auf diesen Tiefgang, auf das endlose Herumanalysieren und Auswerten, Abwägen und Aussieben keine Lust hat, für den ist es ein Glück, dass in der Iranfrage auch Israel mit drinhängt. Zwar war Jerusalem an der Entstehung des Abkommens nicht beteiligt und wird auch jetzt, da der Deal kurz vor dem Abschuss steht, vom Großteil der 5+1-Mächte nicht ernsthaft konsultiert, aber was ein echter Simplicissimus ist, der lässt sich seine Wahrheit von der Realität nicht verdrehen und ergreift den Beschuldigungsstrohhalm gerne.

Mit wie einfachen Mitteln die Ergebnisse derart schlichter Einsichten dann unters Volk gebracht werden können, zeigt uns die „Thüringische Landeszeitung“. Dieses Organ, das sonst eher mit Berichten von Kommunionsfeiern im Eichsfeld oder über den Stadionneubau von Rot-Weiß Erfurt auffällt, hat sich auf dem Wege der Karikatur an der heiklen Atomfrage versucht und dabei erneut wieder nur eins feststellen können: Der Jud ist schuld. Das antisemitische Raunen vom allmächtigen Israeli (oder Juden, whatever), der im Geheimen die Attrappe eines amerikanischen Präsidenten für die eigenen Zwecke missbraucht, fließt hier mit grottenschlechter Recherche zusammen: Auch wenn es der Karikaturist noch so sehr wollte, dass Benjamin Netanjahus Präsentation vom vergangenen Montag vor allem an Donald Trump gerichtet gewesen war, die Fakten belegen leider, dass das Weiße Haus schon längst Bescheid wusste.

Doch wer hält sich schon mit solchen Petitessen auf, wenn kleine Geister große Politik karikieren?

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