Ein israelischer Humorist schrieb mal, Gott habe das auserwählte Volk zur Strafe dafür, dass ER es aus der ägyptischen Knechtschaft befreite, dazu verdonnert, sich eine Woche lang von Pappendeckel zu ernähren. 

Das ist ganz falsch und eine Verleumdung. Schmurah Matzah, also Matze, die in Handarbeit hergestellt wurde, kann extrem köstlich schmecken: nussig, leicht salzig, im Abgang leicht bitter. Darauf ein bisschen Philadelphia, ein paar Salatgurkenscheiben oder Räucherlachs mit Dill – unbezahlbar. Chag sameach!

Dann gibt es auch noch Matzenbrei. Um den herzustellen, nehme ich selbstverständlich keine Schmurah Matzah, die vom Lubawitscher Rebben persönlich gesegnet wurde, sondern die rechteckigen, industriell gefertigten Scheiben aus dem Karton. Jeder hat seine eigene Methode, um Matzenbrei herzustellen. Hier ist meine:

Ich rechne pro Person zwei Matzescheiben. In eine Schüssel zerbröseln, kaltes Wasser dazu, bis sie bedeckt sind. Warten, bis die Matzen wirklich weich sind und aufquellen. Wasser vorsichtig abschütten, dann mit roher Gewalt aus den eingeweichten Matzen rausquetschen. Ich rechne pro Matzescheibe ein Ei. Eine Prise Salz. Mit den Fingern alles verrühren, bis eine schön glitschige Masse entstanden ist.

Und jetzt gilt es die wesentliche Entscheidung zu fällen: süß oder salzig? Wenn ich salzigen Matzenbrei herstellen will, schneide ich in die Masse noch ein paar Frühlingszwiebeln rein. Bei der süßen Variante lasse ich das bleiben, versteht sich. Olivenöl in eine beschichtete Pfanne; heiß werden lassen. Den Matzenbrei reinschütten und mit dem Spachtel verteilen. Anbraten lassen.

Und jetzt kommt das Entscheidende: Wenn der Matzenbrei unten angesetzt hat – Deckel drauf! und Temperatur reduzieren! So entsteht ein bisschen Dampf, und der Dampf hilft, dass der  Matzebreipfannkuchen von oben bis unten fest wird. Geben wir der Sache fünf Minuten und schauen dann nach. Wenn nichts mehr wabbelt, den Matzebrei umdrehen. Er sollte eine schöne goldbraune Kruste haben. 

Bei der salzigen Variante reibe ich kurz vor Schluss ein bisschen Käse drüber: für meine Frau Cheddar, für mich selber kann es auch etwas Exotischeres sein (Schafmilchgouda oder so). Dann packe ich nochmal den Deckel drauf, damit der Käse zerläuft. Bei der süßen Variante spare ich mir das natürlich.

Zur salzigen Variante passt jede Art von Salat. Zur süßen Variante esse ich am liebsten das Charosset, das vom Sederabend übrig geblieben ist. 

Wir machen seit ein paar Jahren sehr gern die italienische Variante von Charosset, die aus Äpfeln, Datteln (natürlich entsteint, Idiot!), Walnüssen, einer ganzen Orange (minus der weißen Teile im Inneren, aber mit der Schale – also gut waschen) zusammengeschreddert und mit Malagawein abgeschmeckt wird. 

Aber natürlich kann man süßen Matzenbrei auch wie French Toast essen: mit Ahornsirup. L’schanah haba’ah biruschalajim. And God bless the US of A. Die haben es nämlich immer noch bitter nötig.