Nahrungsergänzungsmittel im Regal einer Drogerie. Für die wenigsten dieser Mittel ist ein Nutzen wissenschaftlich belegt. Foto: Johannes Kaufmann

Scharlatane im Netz

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Internetseiten wie das „Zentrum der Gesundheit“ verbreiten zweifelhafte Gesundheits- und Ernährungstipps – und verkaufen die dazu passenden Mittelchen. Anbieter seriöser Gesundheitsinformationen im Netz haben es schwer gegen Pharma-Verschwörungstheorien, Skeptiker der „Schulmedizin“ und Schlangenöl-Verkäufer. Ein nationales Gesundheitsportal soll das bald ändern.

Kokosöl muss ein wahres Wundermittel sein – wenn man dem Zentrum der Gesundheit (ZdG) Glauben schenkt, einem beliebten Internetportal für Gesundheits- und Ernährungstipps. Das ZdG dürfte zu den reichweitenstärksten deutschsprachigen Gesundheitsseiten im Netz zählen. „Neben all seinen Vorteilen für die Gewichtsreduktion, für einen gesunden Cholesterinspiegel, einen aktiven Stoffwechsel und ein starkes Immunsystem kann Kokosöl sogar die Symptome von Alzheimer lindern“, heißt es auf der Seite.* Im angegliederten Online-Shop wird passenderweise Kokosöl verkauft – für läppische 20 Euro pro Kilogramm.

Das ist etwa das 20-Fache, das man für dieselbe Menge Rapsöl (immerhin voller total gesunder Omega-3-Fettsäuren) im Discounter zahlt. Doch sollte das einem die Gesundheit nicht wert sein? Besser nicht, lautet zumindest die Überzeugung der American Heart Association. Die Kardiologen-Vereinigung aus den USA warnte im Juni 2017 davor, derartige Fette und Öle mit einem hohen Anteil gesättigter Fettsäuren – beim Kokosöl immerhin rund 90 Prozent – als gesund zu bezeichnen. Für das Herz seien sie das jedenfalls nicht.

Und für das Gehirn? Die Deutsche Alzheimer-Gesellschaft verweist auf Anfrage auf ihre Stellungnahme aus dem Juni 2016. Der Titel: „Alzheimer – Halbwahrheiten und Heilsversprechen helfen nicht weiter“.

Als ein Heilsversprechen mag das ZdG seinen Artikel nicht bezeichnen. Aber er schildert den Fall eines Alzheimer-Patienten, der von seiner Frau mit Kokosöl behandelt wurde. Nach einem halben Jahr sei es dem Patienten deutlich besser gegangen. Die Gattin verkauft seitdem Bücher über die neue Wunderkur mit Ketonen.

Am Ende des Artikels wird betont, dass dieser „nichts weiter als ein Bericht über die Erfahrung eines Alzheimer-Patienten“ sei. Man wolle niemanden von einer Behandlung abhalten. Das widerspricht allerdings den zitierten vollmundigen Behauptungen in der Einleitung und der im Artikel enthaltenen Verschwörungstheorie rund um „die Machenschaften der Lebensmittelindustrie“, denen Kokosöl seinen schlechten Ruf verdanke.

Wissenschaftliche Aussagekraft haben solche Erfahrungsberichte nicht. Auf Anfrage schreibt das ZdG: „Erfahrungsberichte motivieren dazu, sich nicht blindlings einer einzigen ‚Heilmethode‘ anzuvertrauen, sondern sich umfassend zu informieren, welche weiteren Möglichkeiten es bei der jeweiligen Erkrankung noch gibt.“ Statt „blindlings“ auf die wissenschaftliche Evidenz zu vertrauen, empfiehlt das ZdG also, sich anhand reiner Anekdoten, ohne Kontrollen und andere Grundlagen wissenschaftlicher Methodik, zu „informieren“. Je nach Erkrankung kann das Befolgen eines solchen Ratschlags zwischen harm- bzw. nutzlos und gefährlich schwanken. Dr. Google ist eben häufig ein schlechter Ratgeber – und einen Doktor hat er zumeist auch nicht.

Anders als Dr. Winfried Teschauer. Er ist Mitglied des Vorstands der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft und sieht solche Einzelfallberichte kritisch. Sie seien zwar interessant, bewiesen aber nichts. „Dafür braucht es statistisch saubere, großangelegte Studien mit Kontrollgruppe, und da findet man beim Kokosöl keinen Effekt.“ Das sei auch nicht überraschend, meint der Neurobiologe. Zwar hätte der Lebensstil über Bildung, Ernährung und Sport einen Einfluss auf das Alzheimer-Risiko, „aber der Zellstoffwechsel ist viel zu komplex, als dass ein einzelner Bestandteil der Nahrung solche Auswirkung haben könnte, wie vom Kokosöl behauptet wird.“

Seriöse Gesundheitsinformation ist im Netz schwer zu finden

Warum es überhaupt relevant ist, dass das ZdG solchen zweifelhaften bis hin zu hanebüchenen Informationen verbreitet, zeigt eine Recherche mit dem Such-Analyse-Programm Sistrix. Bei knapp 330 Suchanfragen, die das Wort „heilen“ enthalten wird die Seite von Google unter den ersten zehn Treffern gelistet. Auch bei Suchen nach „Laktoseintoleranz“ oder „Vitamin D“ landet die Seite auf Platz 1, noch vor dem Internetlexikon Wikipedia. Auch mit dem längst widerlegten Mythos von Impfungen, die Autismus verursachen, schafft es das ZdG auf den ersten Platz. „Wir werden Ihrem Hinweis nachgehen und die Internetseite Zentrum der Gesundheit speziell prüfen“, lässt Google dazu auf Anfrage hin mitteilen. Google passe seine Suchalgorithmen laufend an, „um die besten Webseiten zuerst zu platzieren“.

Zu den besten Webseiten mit Gesundheitstipps zählt das ZdG ganz sicher nicht. Wohl aber zu den bekanntesten. Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie der Bertelsmann-Stiftung kennt jeder Vierte, der im Internet nach Gesundheitsinformationen sucht, die Seite. Damit ist die sie bekannter als der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums und ähnlich bekannt wie gesundheitsinformation.de vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (Iqwig). Der Prozentsatz der Nutzer, die diesen Angeboten vertrauen, ist bei allen drei Seiten ähnlich.

Alles andere als ähnlich hingegen ist die Qualität der gelieferten Informationen. Während gesundheitsinformation.de den aktuellen Wissensstand der evidenzbasierten Medizin wiedergibt, bietet das ZdG ein Potpourri aus halbwegs verlässlichen Informationen zu Nährstoffen, überinterpretierten wissenschaftlichen Studien, Rosinenpickerei, Verschwörungstheorien und handfester Scharlatanerie. Der damit erzielte Erfolg ist erschreckend und doch verständlich. Leider ist die Verlockung spektakulärer Einzelfälle und Wunderheilungen größer als die der Methodik einer „doppelt verblindeten, randomisierten kontrollierten Studie“.

Schlechte Ernährungstipps für Krebspatienten

So ergab eine 2016 im Fachmagazin „Oncology Research and Treatment“ erschienene Studie, dass die Google-Ergebnisse einer Suche nach „Krebsdiät“ von Seiten mit mangelhaften Informationen dominiert sind. „Die Divergenz zwischen profitorientierten Seiten mit Inhalten von schlechter Qualität und den wenigen vertrauenswürdigen Seiten ist enorm“, schreiben die Autoren.

Etwa 80 Prozent der Krebspatienten informierten sich im Internet über ihre Krankheit. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Qualität der Informationen zu Krebsdiäten im Internet erschreckend schlecht ist“, so das Fazit. Gegenüber den vielen profitorientierten Angeboten trete das evidenzbasierte Angebot des Krebsinformationsdienstes in den Hintergrund.

Das ZdG schneidet in der Studie miserabel ab. Bei nahezu allen inhaltlichen Kriterien wurden die Informationen der Seite als „unzureichend“ eingestuft (z.B. bei der Vermittlung von Risiken, der Qualitätssicherung, der Vollständigkeit der Information oder beim Hinweisen auf mangelnde Evidenz). Von den getesteten profitorientierten Ratgeberseiten wurde lediglich noch aprikosen.info genauso schlecht bewertet. Insgesamt bewegte sich die Verlässlichkeit der Informationen zu Krebsdiäten beim ZdG etwa auf dem Niveau der wirren Seite des „Astromediziners“ und „Aurafotografen“ Andreas Bunkahle. Allerdings schneidet wissen.de auch nur unwesentlich besser ab.

Beispielhaft für das zweifelhafte Vorgehen des ZdG ist der Artikel „Vitamin C bei Krebs“, Platz 1 der Google-Treffer bei einer Suche nach Krebs und Vitamin C. Der basiert zwar tatsächlich auf einer wissenschaftlichen Studie, doch die Ergebnisse dieser Studie werden einseitig wiedergegeben und hemmungslos überinterpretiert. So konnten die Forscher in menschlichen Zellkulturen zeigen, dass die Aktivität von HIF-1 (Hypoxie-induzierter Faktor) in Uterus-Tumoren erhöht ist. In diesen Zellen herrschte zugleich ein Mangel an Ascorbat, den Salzen der Ascorbinsäure (Vitamin C), welche HIF-1 deaktivieren.

Die Autoren der Studie schreiben aber selbst: „Zum derzeitigen Stand gibt es keine Evidenz, die einen Zusammenhang zwischen HIF-1, Ascorbat und Tumorentwicklung beim Menschen unterstützt.“

Eine überinterpretierte Studie und ein verwirrter Nobelpreisträger

Das ZdG macht daraus „Vitamin C stoppt Krebswachstum und verhindert Therapieresistenz“ – und schaltet passenderweise gleich neben dem Artikel eine Anzeige für ein Vitamin-C-Produkt im angeschlossenen Shop. Natürlich wird auch auf Linus Pauling verwiesen. Der war unzweifelhaft ein Genie, das mit zwei Nobelpreisen ausgezeichnet wurde. Er ist aber auch ein Beispiel dafür, dass auch Nobelpreisträger Unsinn verbreiten können. Zum Ende seines Lebens verstieg sich der Chemiker in die These, dass hoch dosiertes Vitamin C nahezu alle Krankheiten heilen könne – vor allem Krebs. Beim Zentrum der Gesundheit wird Pauling entsprechend als Kronzeuge für die Wunderkräfte des Vitamins angeführt. Es fehlt nicht der Hinweis darauf, dass Pauling stolze 93 Jahre alt wurde. Nicht erwähnenswert hingegen scheint die Tatsache, dass Pauling an Prostatakrebs starb, einem üblicherweise extrem langsam wachsenden Krebs, der sich über Jahre und sogar Jahrzehnte hin ausbreitet – bei Pauling offenbar trotz täglicher Einnahme hoch dosierten Vitamin Cs.

Gleich neben dem Artikel über Vitamin C und Krebs steht die Werbeanzeige für ein Vitamin-C-Präparat.

Was das ZdG nicht erwähnt, ist die Tatsache, dass die Natur der in der zitierten Studie beschriebenen Korrelation gar nicht klar ist. Die Forscher konstatieren eine verringerte Kapazität von Tumorzellen zur Einlagerung von Ascorbat und spekulieren, dass dies daran liegen könnte, dass mit wachsender Tumorgröße der Zugang der Zellen zur Plasmaversorgung abnehme. Ein Tumor mit schlechtem Zugang zum Gefäßsystem, sei wohl auch schlechter mit Ascorbat versorgt. Weder wurde diese Beobachtung im Tiermodell bestätigt, noch ist geklärt, ob die Einnahme von mehr Vitamin C mit der Nahrung sich überhaupt auf den Ascorbat-Gehalt in den Tumorzellen auswirkt. Die bislang einzige kontrollierte klinische Studie zu hoch dosiertem Vitamin C in der Krebstherapie konnte keine Wirkung auf Tumore feststellen. Allerdings gibt sie Hinweise auf eine Unterstützung der konventionellen Chemotherapie.

So wird aus einem interessanten Forschungsansatz eine kaum verhohlene Empfehlung zum Kauf eines Nahrungsergänzungsmittels. Millionen Betroffenen wird suggeriert, dass sie mit Vitamin C gegen ihren Krebs vorgehen könnten und dass dunkle Mächte sie davon abhalten wollten.

Mit derart verkürzten und einseitigen Artikeln ist das ZdG leider sehr erfolgreich. Dr. Klaus Koch, Ressortleiter Gesundheitsinformation beim Iqwig, nennt einen Grund für diesen Erfolg: „Die Inhalte, die ich kenne, sind auf Reichweite bei Google optimiert und dazu geeignet, Menschen mit bestimmten Überzeugungen anzusprechen.“ Zu diesen Überzeugungen zählt etwa eine Abneigung gegenüber der sogenannten Schulmedizin bis hin zu Verschwörungstheorien rund um die Pharma- und Lebensmittelindustrie.

Verbraucherschützer kritisieren intransparentes Geschäftsmodell

Gegenüber seriösen Seiten habe das Portal einen Wettbewerbsvorteil, weil es keinen Standards für gute Gesundheitsinformationen folge. „Das macht es einfach, Texte in Massenproduktion herzustellen“, sagt Koch. Das belegt ein Vergleich mit Seiten wie der des Iqwig oder des Krebsinformationsdiensts, die jeweils weniger als ein Viertel von Google indexierte Seiten aufweisen als das ZdG. Viele Artikel ließen sich mit Blick auf Standards guter Gesundheitsinformationen zwar „leicht auseinandernehmen“, so Koch. Doch: „Für Google spielt das keine Rolle. Auch auf den ersten Plätzen kann die Qualität in puncto Evidenz- und Wissenschaftsbasierung von Null bis 100 reichen.“

Manche Angebote seien seriös und evidenzbasiert, manche nicht optimal aber vermutlich nicht besonders schädlich, andere aber sichtlich irreführend. „Für den Nutzer, der sich gut über den aktuellen Stand des Wissens informieren will, macht Google da zu oft keinen guten Job.“

Ähnlich sieht es die Verbraucherzentrale Hamburg. Die verpasste 2013 dem ZdG in ihrem Check von Ernährungsportalen im Internet in allen drei getesteten Kategorien eine rote Ampel: „Verkaufsinteresse: groß, Transparenz der Informationen zum Anbieter: schlecht, Objektivität der Ernährungsberatung: mangelhaft.“

Das ZdG reagierte umgehend, bezeichnete den Test als diffamierend und antwortete mit der absurden Behauptung, seine Leser wüssten, „dass wir grundsätzlich objektiv informieren“. Die überall auf der Seite beworbenen Produkte des Shops dienten lediglich der Ergänzung zu einer gesunden Lebensweise. Außerdem würden Produkte empfohlen, „hinter denen wir mit eigener Begeisterung und Überzeugung stehen“.

Wer dieses Wir ist, bleibt allerdings unklar. Im Impressum steht die Neosmart Consulting AG in der Schweiz. Personen, die für die Seite oder die Firma arbeiten, wollte das ZdG auf Anfrage nicht nennen.

An der Grenze zu unerlaubter gesundheitsbezogener Werbung

Das könnte daran liegen, dass die Seite sich in einem rechtlichen Graubereich bewegt. Gemäß der Health-Claims-Verordnung der EU dürfen Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln nicht mit gesundheitsbezogenen Aussagen werben, die wissenschaftlich nicht belegt sind. Auf den Seiten des ZdG finden sich jedoch jede Menge solcher Behauptungen. Die vielen Werbeanzeigen in den Artikeln führen aber zum Webshop der Fair Trade Handels AG. Verkauf und Gesundheitsaussagen sind also getrennt.

Auf die Frage, in welcher Verbindung das ZdG zur Fair Trade Handels AG steht, antwortete das „Team vom Zentrum der Gesundheit“ lediglich: „Die FTH ist ein Anzeigenkunde, der auf unserer Seite Werbung z. B. Banner schaltet.“ Bis vor einigen Jahren hieß es auf der Seite aber noch: „Für die Verkäufe der Produkte erhält die Neosmart Consulting AG eine Provision.“ Dieser Hinweis wurde mittlerweile gelöscht. Darüber hinaus existieren zwischen dem ZdG und dem Shopbetreiber noch weitere Verbindungen. Beide Firmen hatten lange Zeit mit dem Schweizer Heinz Boksberger denselben Geschäftsführer. Boksberger saß zwischenzeitlich im Verwaltungsrat von mehr als 30 Firmen. Der Verdacht liegt also nahe, dass die Trennung von Produktverkauf uns vorgeblich von wirtschaftlichen Interessen freier Gesundheitsinformation nur zum Schein besteht.

Im Mai 2012 wies der Zentrum der Gesundheit noch explizit darauf hin, dass es für den Verkauf der Produkte des Webshops eine Provision erhalte.

Darüber hinaus betreibt die Fair Trade Handels AG eine „Akademie der Naturheilkunde“, für die das ZdG unter fast jedem Artikel wirbt, ohne dies als Anzeige zu kennzeichnen. Eine Fernausbildung zum „Fachberater für holistische Gesundheit“, kostet dort knapp 1800 Euro, ein anschließendes Praxisseminar weitere 1300 Euro.

Diese Verbindungen sind ebenso intransparent wie das Geschäftsmodell des ZdG. Danach befragt, antwortet das Team lediglich: „Händler, die hochwertige Produkte aus dem Bereich Lebensmittel, Naturheilkunde und Nahrungsergänzung anbieten oder Anbieter ganzheitlicher Fort- und Ausbildungen, können bei uns Werbeplatz mieten.“

Die Autoren der Artikel bleiben anonym, so dass Nutzer nicht prüfen können, über welche Qualifikationen sie verfügen. „Für uns schreiben Heilpraktiker, Ernährungsberater, Medizinjournalisten etc.“, so die Antwort des ZdG. Weitere Details wolle man nicht angeben.

Diese Intransparenz kritisiert auch Marie-Luise Dierks. Die Professorin von der Medizinischen Hochschule Hannover leitet die dortige Patientenuniversität. „Die Seite ist eine merkwürdige Mischung aus redaktionell erstellen Artikeln und sehr dominanter Werbung. Wer dahinter steckt, ist nicht durchschaubar.“ Zwar gebe es beim ZdG auch seriöse Informationen, „empfehlen können wir die Seite aber nicht, weil viele Behauptungen nicht evidenzbasiert sind“. Teilweise seien die Empfehlungen zu Ernährung und Heilmethoden sogar gefährlich.

Aus diesem Grund hat die Verbraucherzentrale Berlin die Fair Trade Handels AG im vergangenen Jahr abgemahnt. Auf den „Rotwein-Extrakt Kapseln“, eines von vielen angebotenen Mittelchen, die angeblich gegen Krebs helfen sollen, fehlte ein Warnhinweis, dass das Mittel nur unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden darf. Die Kapseln wurden daraufhin aus dem Shop entfernt.

Nationales Gesundheitsportal soll seriöse Informationen bündeln

Um das Problem zu lösen, dass seriöse Gesundheitsinformationen hinter zweifelhaften Angeboten wie denen des ZdG verschwinden, plädieren Dr. Koch vom Iqwig und Professor Dierks für den Aufbau einer Alternative zur Google-Suche. Das Iqwig hat daher kürzlich im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) auf seiner Internetseite ein Entwurfskonzept für ein Nationales Gesundheitsportal veröffentlicht. Bis Mitte März hat das Iqwig dort Stellungnahmen zum Konzept gesammelt, das nun im April dem BMG vorgelegt werden soll.

Auf dem Portal sollen geprüfte, evidenzbasierte Patienteninformationen angeboten werden, die sich etwa an den Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften orientieren. Was dazu garantiert nicht gehöre, betont Dierks, seien ungeprüfte Erfahrungsberichte einzelner Patienten.

Das Ziel des Portals: Informationen von Seiten wie dem Iqwig und dem Krebsinformationsdienst zu verbinden und kundenfreundlich aufzubereiten. „Das Portal sollte so bekannt werden wie die Wikipedia“, sagt Koch. Das werde aber nur gelingen, wenn es die Bedürfnisse der Nutzer erfülle, also einen leichten Zugang zu Gesundheitsinformationen ermögliche, die Antworten auf die Fragen der Nutzer böten. Gute Informationen allein werden also nicht reichen. Sie müssen auch ansprechend präsentiert und von Google gut gerankt werden. Ohne ein begleitendes regulierendes Vorgehen gegen dubiose Gesundheitsseiten, wird das Gesundheitsportal es schwer haben, gegen die Scharlatane und Schlangenöl-Verkäufer im Netz zu bestehen.

 

*Nachdem eine frühere Version dieses Artikels in der Braunschweiger Zeitung erschienen ist, hat das ZdG seinen Artikel zum Kokosöl umgeschrieben. Dort steht jetzt: „Zahlreiche Untersuchungen sprechen dafür, dass das Kokosöl bei der Gewichtsreduktion helfen kann, den Cholesterinspiegel nicht beeinflusst (oder sogar regulieren hilft), den Stoffwechsel aktiviert und das Immunsystem entlastet. Im nachfolgenden Erfahrungsbericht setzte eine Ärztin das Kokosöl bei ihrem an Alzheimer erkrankten Mann ein – erstaunlichem Ergebnis. Nach wenigen Wochen ging es dem Alzheimer-Patienten Steve Newport bedeutend besser.“




Johannes Kaufmann hat schon vieles gemacht. Zum Beispiel Chemie studiert, eine Karriere als Profifußballer angestrebt und eine Doktorarbeit über israelische Militärgeschichte geschrieben. Außerdem hat er vieles nicht zu Ende gemacht. Zum Beispiel sein Chemiestudium, die Karriere als Profifußballer oder seine Doktorarbeit. Mit Umwegen über Uni, Israel, die Physikalisch-Technische Bundesanstalt etc. ist er mittlerweile als Wissenschaftsredakteur bei der Braunschweiger Zeitung gelandet, wo er besonders gern über Agrarforschung, Lebensmittelsicherheit, Infektionsforschung, Gentechnik und Kometenlanderoboter schreibt.