Courtesy NASA/JPL-Caltech

Vorsorgeprinzip anwenden!

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Wo sind die Grünen, wenn man Sie mal braucht? Denn Schlimmeres als Glyphosat kommt auf die Erde zu. Doch die Weltretter von der Ökopartei schweigen. Es reicht nicht einmal dazu, der amtierenden Bundesregierung Versagen beim Schutz des Planeten vorzuwerfen.

Am Beispiel einer wissenschaftlichen Arbeit über die Abwehr von Asteroiden hat der Wissenschaftsjournalist Florian Freistetter auf scienceblogs.de gerade sehr schön gezeigt, wie diverse (auch vermeintlich seriöse) Medien Sensationsmeldungen in die Welt setzen und wie stark dabei Begriffe wie Risiko, Gefahr und Wahrscheinlichkeit durcheinander gehen und falsch interpretiert werden.Aus einer Facharbeit über Maßnahmen gegen Asteroiden, die auf die Erde zu stürzen drohen (ist eine Abwehr möglich, wie könnte man es machen, wie hoch wäre der Aufwand?), wurden Meldungen, wonach der Asteroid Bennu „auf die Erde zurast“ und womöglich am 25. September 2135 mit der Erde kollidieren und die „Menschheit auslöschen“ werde.
Freistetter nimmt den Unsinn in seinem lesenswerten Artikel auseinander, aber er ist natürlich so ehrlich, zu schreiben, dass die Forscher eine Kollision nicht mit Sicherheit ausschließen können. Die derzeit berechenbare Wahrscheinlichkeit für einen Zusammenprall des Asteroiden mit der Erde irgendwann in der Zukunft (nicht am 25.9.2035!) beträgt 1:2.700. (Die Paniktaste könnte man jetzt mit dem Zusatz drücken, dass die Wahrscheinlichkeit, im Lotto 6 Richtige zu tippen, ungleich geringer ist, aber trotzdem gibt es mehrmals im Jahr Hauptgewinner, gell?)
Nehmen wir das europäische Vorsorgeprinzip ernst („wenn niemand ausschließen kann, dass XYZ die Umwelt, die Artenvielfalt, die Gesundheit der Menschen usw. bedroht, muss umgehend dafür gesorgt werden, dass von XYZ keine weitere Gefahr ausgehen kann“), dann müsste jetzt sofort ein billionenschweres Abwehrprogramm beschlossen werden, um diese Gefahr mit Sicherheit auszuschließen. Denn was könnte es Schlimmeres geben als die komplette Vernichtung unseres Heimatplaneten? Insektensterben und Klimawandel sind demgegenüber ein Witz, oder etwa nicht?
Wer jetzt „ja, aber“ sagt, sollte noch einmal über das Vorsorgeprinzip und Glyphosat oder grüne Gentechnik nachdenken.



Schreibt seit den 1980er Jahren über Wissenschaft, vorwiegend Gen- und Biotechnologie. Davor forschte er als Molekularbiologe an der Universität Bremen. 2006 gehörte er zu den Gründern von akampion, das innovative Unternehmen bei ihrer Kommunikation berät. 2017 erschienen seine Wissenschaftsthriller "Oligo" und "Vironymous" bei Piper Fahrenheit. Ludger Weß kommentiert hier privat.


Mit freundlicher Unterstützung von johannesdultz.com