Diese Twitter-Userin sprang Shahak Shapira bei twitter.com/IdaFunkhouser

Was ist bei deutschen Rap-Journalisten los?

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Ein Comedian, der Frauenhass öffentlich anprangerte, bekommt dafür von einem bekannten Rapper Komaprügel angedroht. Die Reaktion von Rap-Journalisten: Der Comedian sei unsympathisch und nervig. Was ist da los?

Der Berlin Rapper Patrick Losensky alias Fler schrieb auf Instagram Privatnachrichten an Frauen, in denen er sie beschimpfte und ihnen drohte. Zugleich lobte er öffentlich ein „Kopfgeld“ von 2000 Euro für jenen aus, der so eine, wie er es nannte, „Nutte“ zu ihm schleppen würde.

Der Comedian Shahak Shapira prangerte das bei Twitter an, nachdem bedrohte Frauen ihn darum gebeten hatten. Losensky schickte ihm daraufhin eine Sprachnachricht, in der er ankündigte, Shapira, dessen Großvater bei den Olympischen Spielen in München ermordet wurde, so lange zu verprügeln, bis er nicht mehr reden könne und seine Mutter ihn nicht mehr wieder erkennen würde. Sollte er, Losensky, dafür in den Knast gehen müssen, würde er Shapira nach abgesessener Strafe außerdem noch einmal aufzusuchen, um das Gleiche wieder zu tun.

Unterstützer des Rappers kündigten daraufhin ebenfalls an, Jagd auf Shapira und seine Familie zu machen.

Die Polizei Berlin twitterte danach verharmlosend von einer „beleidigenden aggro Ansage“, der man nachgehen würde, während Shapira vergeblich bei einer Wache in Berlin versuchte, die Bedrohung gegen sein Leib und Leben zur Anzeige zu bringen. So weit, so kaputt.

Vielleicht noch mehr als dieses bizarre Tête-à-Tête schockierte aber die Reaktion von Rap-Journalisten, Menschen also, die sich eigentlich als fest im linken Lager verankert verstehen. In diesem Milieu ließ man sich in der Folge darüber aus, was für ein nerviger und unsympathischer Typ dieser Shapira doch sei. Zum Verhalten Losenskys äußerten sich auch die bei der „Taz“ und „Vice“ tätigen Journalisten entweder gar nicht oder nur knapp und verharmlosend.

Ich verstehe jeden, der Angst hat, sich öffentlich gegen brachial-faschistoid agierende Leute wie Losensky zu äußern. Denn das führte schon mehrfach zu Hausbesuchen –  Beispiele gibt es genug. Aber auch noch denjenigen anzugreifen, der den Mut genau dazu aufbrachte – das ist ekelhaft und niederträchtig.




Til Biermann ist Reporter bei „B.Z.“ und „Bild“ und treibt sich, wenn er nicht in LA war, in der deutschen Hauptstadt herum. Er schreibt öfters über Sonderlinge.