Starke Frau: Gal Gadot als Wonder Woman. Foto: Clay Enos/Warner Bros. Entertainment

Wonder Woman – Zu stark für libanesische Männer?

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In Algerien, Tunesien und dem Libanon wird der Film „Wonder Woman“ nicht gezeigt. Der Grund: die israelische Hauptdarstellerin Gal Gadot.

Die ganze Welt ist begeistert von „Wonder Woman“. In den USA spielte der Superheldinnen-Film am ersten Wochenende nach dem Kinostart 100 Millionen Dollar ein. In Deutschland bescherten 250.000 Besucher am vergangenen Wochenende dem Film den ersten Platz der Kino-Charts. Auch in China geht der Film durch die Decke.

Die ganze Welt? Nein, ein paar kleine Länder stemmen sich gegen den Erfolg. In Algerien wurde eine Vorstellung bei einem Festival abgesagt, in Tunesien und dem Libanon wurde der Film gleich ganz verboten. Und auch in Ramallah wird er boykottiert. Der Grund: Hauptdarstellerin Gal Gadot. Die sei eine Vorkämpferin des Zionismus, behauptet beispielsweise die tunesische Volkspartei Al-Chaab.

Tatsächlich hat Gadot zwei Jahre Wehrdienst als Ausbilderin in der israelischen Armee geleistet – allerdings schon vor zehn Jahren. Für politischen Aktivismus ist sie nicht gerade bekannt, doch versteckt die Schauspielerin ihre Unterstützung für Land und Armee auch nicht. 2014, während des Gazakriegs, schrieb Gadot bei Facebook: „Ich schicke meine Liebe und Gebete an meine israelischen Mitbürger, vor allem den Jungen und Mädchen, die ihr Leben riskieren bei der Verteidigung meiner Heimat gegen die schrecklichen Taten der Hamas.“

Mit viel Energie und großer Begeisterung habe Gadot an seinen Kraw-Maga-Kursen teilgenommen, erinnert sich ihr ehemaliger Nahkampfausbilder Gal Dayan Sion. Die damals bereits als Miss Israel ausgezeichnete Schönheitskönigin beschreibt er mir als sehr bescheiden. „Als sie von einem Soldaten, der sie nicht erkannte, beim Mittagessen gefragt wurde, was sie vor dem Militärdienst gemacht habe, antwortete sie: Ich bin Kellnerin.“

Zum zionistischen Feind mutiert

Jetzt behauptet Al-Chaab, Gadot habe an Kampfeinsätzen im Gazastreifen teilgenommen. Das ist allerdings ziemlich unwahrscheinlich angesichts der Tatsache, dass zwar der Zweite Libanonkrieg in ihre Wehrdienstzeit fällt, nicht aber größere israelische Operationen in Gaza. Im Gegenteil: 2005 zog Israel sich vollständig aus dem Gazastreifen zurück.

Nun muss man es in der arabischen Welt mit der Wahrheit ohnehin nicht so genau nehmen, wenn es um Israel geht. Interessant ist allerdings, dass Gal Gadot schon in anderen Hollywood-Filmen zu sehen war. In „Batman v. Superman“ sogar bereits in der Rolle der Wonder Woman. Doch diese Filme wurden in den genannten Ländern nicht verboten, obwohl Gadot wohl nicht erst in den vergangenen Monaten zum finsteren zionistischen Feind mutiert ist.

Ist der Erfolg der Boykott-Aufrufe womöglich auf die Tatsache zurückzuführen, dass „Wonder Woman“ als feministischer Film gefeiert wird – gedreht von einer weiblichen Regisseurin, mit einer weiblichen Hauptdarstellerin, die eine Superheldin spielt, die staunenden Männern sagt und zeigt, wo es langgeht? Die von einer Insel stammt, die von kriegerischen und selbstbewussten Frauen zu einer Art Paradies geformt wurde, und die entsetzt ist von der Brutalität der (männlich dominierten) Welt in der Zeit des Ersten Weltkriegs?

Ganz abwegig ist diese Vermutung sicher nicht. Immerhin sind die Boykottländer wahrlich nicht als Leuchttürme der Gleichberechtigung bekannt. Dem Libanon beispielsweise attestiert die Organisation „Human Rights Watch“ eine systematische Diskriminierung von Frauen.

Eine das Schwert schwingende, Männer verprügelnde Amazone, noch dazu gespielt von einer Jüdin, kommt da bei einigen Bart- und Ressentiment-Trägern offenbar nicht besonders gut an. Allerdings ist es nur schwer zu beurteilen, ob nun Frauenfeindlichkeit oder Israel-Hass eine erbärmlichere Begründung für den Boykott ist.




Johannes Kaufmann hat schon vieles gemacht. Zum Beispiel Chemie studiert, eine Karriere als Profifußballer angestrebt und eine Doktorarbeit über israelische Militärgeschichte geschrieben. Außerdem hat er vieles nicht zu Ende gemacht. Zum Beispiel sein Chemiestudium, die Karriere als Profifußballer oder seine Doktorarbeit. Mit Umwegen über Uni, Israel, die Physikalisch-Technische Bundesanstalt etc. ist er mittlerweile als Wissenschaftsredakteur bei der Braunschweiger Zeitung gelandet, wo er besonders gern über Agrarforschung, Lebensmittelsicherheit, Infektionsforschung, Gentechnik und Kometenlanderoboter schreibt.


Mit freundlicher Unterstützung von johannesdultz.com