Die einzige Art, Eier zu kochen: Teil II

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Die Kunst des Eierkochens wird in Deutschland vernachlässigt. Unser Autor lebt in kulinarisch anspruchsvolleren Gefilden und versorgt uns mit Ideen.

Vor einiger Zeit habe ich in diesem Blog behauptet, die einzig angemessene Art, Eier zu kochen, sei, sie in Rotwein zu pochieren. Das war selbstverständlich gelogen. Es gibt noch eine andere Möglichkeit. Man braucht dazu:

  • Einen Mikrowellenherd
  • Einen Toaster
  • Dicken, griechischen Joghurt
  • Eine Knoblauchzehe, klein geschnibbelt
  • Salz
  • Butter
  • Olivenöl
  • Flocken von getrockneten Chilischoten
  • Ein Hühnerei pro Person
  • Heißes Wasser in einem Topf
  • Zitronensaft
  • Toastbrot

Erstens: Joghurt salzen, mit Knoblauch vermischen. Es sollte naturgemäß so viel Joghurt sein, dass jeder, der zum Frühstück eingeladen ist, eine ordentliche Portion bekommt. Zweitens: Die Eier in Salzwasser pochieren. Dazu lasse ich sie aus einer flachen Schüssel ins Wasser gleiten; vorher gebe ich einen Spritzer Zitronensaft dazu, damit das Eiweiss sich zusammenzieht. Das Wasser soll ganz still sein, bitte. Nicht blubbern, nicht kochen. Drittens: Butter in einer Pfanne zerlassen, Olivenöl dazu, ohne Hast braun werden lassen. Viertens: Den Joghurt ganz kurz in der Mikrowelle anwärmen, dann auf Schüsseln verteilen. Gleichzeitig Toast in den Toaster schieben. Fünftens: In jede Schüssel voller gesalzenem, gewärmtem Knoblauchjoghurt mit dem Schaumlöffel ein pochiertes Ei heben. Chiliflocken in die gebräunte Butter. Das Ganze über die Joghurtschüsseln mit den Eiern kippen.

Das besondere Vergnügen beim Essen besteht darin, mit dem Toast durch die Butter, den Joghurt, das Eigelb zu fahren und ihn sich mit diesen verschiedenen Flüssigkeiten vollsaugen zu lassen. (Vgl. jene israelische Sportart, die als „the Hummus swipe“ bekannt wurde, nur dass man dazu Pita nimmt.) Einziger Nachteil: Nach diesem Frühstück kann man sich nie mehr unter Menschen wagen, weil man aus jeder Pore nach Knoblauch duftet. So what? Menschen werden bekanntlich sehr überschätzt.


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Hannes Stein, geboren 1965 in München, aufgewachsen in Salzburg, hat lange in Schottland, länger in Israel und am längsten in Hamburg und Berlin gelebt. 2007 in die Vereinigten Staaten ausgewandert, seit 2012 amerikanischer Staatsbürger. Verheiratet, ein Kind. Kulturkorrespondent der "Welt" und WamS" in New York. Bei KiWi erschienen seine Romane "Der Komet" und "Nach uns die Pinguine".


Mit freundlicher Unterstützung von johannesdultz.com