Freeman Dyson mit Autor Michael Miersch 2012 Foto: Privat

Eine Erinnerung an Freeman Dyson

Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Am 28. Februar 2020 starb der große Physiker Freeman Dyson, der noch Albert Einstein persönlich gekannt hatte. Im Jahr 2012 hatte unser Autor Gelegenheit ihn zu interviewen. Seine Antworten sind immer noch aktuell.

Michael Miersch: Wie kommt es, dass Sie so öko-optimistisch sind?

Freeman Dyson: Ich wuchs in den 30er-Jahren auf. Damals war die Luftverschmutzung in England so schlimm, dass die Kragen der weißen Hemden nach ein paar Stunden schwarz waren. In den Flüssen lebten keine Fische mehr. Die Umweltverschmutzung war um Größenordnungen schlimmer als heute. Das haben viele Menschen vergessen. Umweltprobleme sind lösbar. Und zwar einfacher, als die meisten Leute glauben.

Aber Klimawandel ist ein komplexeres Problem als die Luftverschmutzung. Sind Sie auch da optimistisch?

Ja. Der Wandel des Klimas ist Teil der Welt, in der wir leben. Ein natürlicher Vorgang, der nur teilweise vom Menschen beeinflussbar ist. Die Menschheit und die Natur mussten sich schon immer an ein sich veränderndes Klima anpassen. Warmzeiten waren übrigens immer die besten Zeiten.

In der Öffentlichkeit wird der Anstieg des Kohlendioxids in der Luft, der nach Ansicht vieler Klimaforscher die Erwärmung antreibt, oftmals als Umweltverschmutzung betrachtet.

Das ist ein Irrtum. Da werden zwei Dinge durcheinandergebracht. Der Anteil des Kohlendioxids in der Luft schwankt seit Millionen von Jahren. Die längste Zeit der Erdgeschichte war er höher als heute.

Viele Menschen, auch Wissenschaftler, sind der Meinung, der Klimawandel sei das größte Umweltproblem aller Zeiten.

Das ist falsch. Klimawandel ist ein geringeres Problem als die klassische Luftverschmutzung durch den Rauch aus Kohleverbrennung und Industrieanlagen. Eine wesentlich ernstere Gefahr als globale Erwärmung wäre eine neue Kaltzeit. Wir wissen, dass es in der Vergangenheit immer wieder zu Eiszeiten kam, und wir haben bis heute nicht richtig verstanden, warum. Es besteht immer die Gefahr, dass der nächste Kältezyklus kommt.

Aber es ist unbestritten, dass es im 20. Jahrhundert wärmer wurde, mit sichtbaren Folgen wie beispielsweise der Gletscherschmelze in Grönland.

Ich war in Grönland. Die Grönländer finden die Klimaerwärmung prima und hoffen, dass es noch wärmer wird. Es macht ihr Leben angenehmer.

Sie sind bekannt als jemand, der sich für Umwelt- und Naturschutz engagiert. Steht das nicht im Widerspruch zu Ihrer entspannten Sicht auf den Klimawandel?

Auf beiden Seiten der Klimadebatte stehen Leute, die sich für den Schutz der Natur einsetzen.

Wenn der Klimawandel überschätzt wird, was sind aus Ihrer Sicht die wirklich wichtigen Umweltprobleme?

Die Überfischung der Meere und die Zerstörung von Naturgebieten. Das hat wirklich schlimme Folgen.




Michael Miersch mag Menschen, aber auch Tiere, insbesondere die wilden. Weshalb er bei der Deutschen Wildtier Stiftung arbeitet. Drei Jahrzehnte lang schrieb er wilde Geschichten in so unterschiedlichen Biotopen wie Die Welt, taz, Focus, natur, Cicero und Hessischer Rundfunk. Außerdem drehte er Tierfilme und verfasste ziemlich viele Bücher.