Ein Fall für #MeToo – das Weiße Haus. White House (Chuck Kennedy)

Wo Frauenverprügler sich wohlfühlen

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Nach Misshandlungsvorwürfen muss ein Topmitarbeiter das Weiße Haus verlassen – viel zu spät. Denn die Untaten Rob Porters waren lange sichtbar. Möge #MeToo übernehmen!

Der jüngste Skandal im Weißen Haus dreht sich um einen gewissen Rob Porter, den engsten Mitarbeiter von John Kelly, dem Stabschef. Er musste gehen, nachdem bekannt wurde, dass er seine zwei früheren Frauen misshandelt hatte. Es gibt ein Foto seiner Ex-Frau Colbie Holderness mit einem blauen Auge. Es fällt schwer, dieses Bild zu betrachten. (Mittlerweile ist übrigens eine dritte Frau aufgetaucht, eine Ex-Freundin, die von Rob Porter verprügelt worden ist.)

Dieser Skandal ist aus mehreren Gründen aufschlussreich. Erstens kann niemand im Ernst behaupten, es sei unmöglich gewesen, vorher davon zu wissen. Colbie Holderness hatte schon vor Jahren in einem Facebook-Eintrag von ihren Misshandlungen berichtet. Sie hatte mit einem Bischof ihrer Kirche (sie ist Mormonin) darüber gesprochen. Sie hatte mit dem FBI gesprochen – in der Hoffnung, dass ihm dann eine Karriere in der Nähe der Macht verwehrt würde. Rob Porter arbeitete im Weißen Haus, ohne dass ihm eine “security clearance” ausgestellt worden ware. Das lag vermutlich daran, dass er erpressbar war, weil er seine Ex-Frauen misshandelt hatte.

Zweitens ist dieser Skandal aufschlussreich, weil der Stabschef John Kelly (den manche immer noch für einen guten Mann halten) bis zum letzten Moment – und eigentlich noch darüber hinaus, nämlich nachdem das Foto mit dem blauen Auge aufgetaucht war – versuchte, an Rob Porter festzuhalten; und dass die Presseerklärung, in der er Porter bescheinigte, ein Ehrenmann zu sein, wahrscheinlich von Hope Hicks mitverfasst wurde, die nicht nur die PR-Chefin des Weißen Hauses, sondern auch Rob Porters Freundin ist.

Vergewaltigung in der Ehe

Drittens endlich plaudert dieser Skandal sozusagen die Wahrheit über dieses Weiße Haus aus. Stephen Bannon – der faschistische Ideologe, der bis vor Kurzem bei Donald Trump die Funktion eines Gehirns vertreten hat – wurde einst von seiner Ex-Frau angeklagt, er habe sie misshandelt. Die Anklage wurde zwar später fallengelassen. Der Polizeibericht des “Santa Monica Police Department” ist trotzdem ziemlich eindeutig.

Und dann ist da der Präsident selber. Es gibt mittlerweile ein gutes Dutzend Frauen, die aussagen, dass sie von ihm sexuell belästigt wurden; es gibt den Mitschnitt, auf dem er sich damit brüstet, wie leicht es für Leute seines Standes sei, Frauen in den Schritt zu fassen. Und es gibt eine alte Aussage seiner ersten Frau Ivana, die sagte, sie sei von ihm vergewaltigt worden. Diese Aussage hat sie zwar längst widerrufen – aufhorchen lassen muss uns aber, wie Michael Cohen, einer von Trumps Anwälten, die Anschuldigung zurückwies. Er sagte, es sei juristisch unmöglich, die eigene Frau zu vergewaltigen. Das ist natürlich Unsinn. Vergewaltigung in der Ehe ist heute in allen fünfzig amerikanischen Bundesstaaten strafbar.

Dies ist ein Weißes Haus, in dem sich Männer, die Frauen misshandeln, wohlfühlen – und erst dann gefeuert werden, wenn Fotos von ihren Opfern mit blauem Auge auftauchen (und auch dann nur zögerlich). Dies ist ferner ein Weißes Haus, das brüderliche Beziehungen mit Putins Russland anstrebt – einem Land, in dem die Duma erst kürzlich ein Gesetz verabschiedet hat, das Gewalt in der Ehe nur noch dann unter Strafe stellt, wenn sie zu „schweren körperlichen Schäden“ führt. Gleich und gleich gesellt sich eben gern.

Ich wünsche mir unterdessen, dass die „MeToo“-Bewegung mit geballter Faust auf dieses Weiße Haus niederfährt. Auge um Auge.




Hannes Stein, geboren 1965 in München, aufgewachsen in Salzburg, hat lange in Schottland, länger in Israel und am längsten in Hamburg und Berlin gelebt. 2007 in die Vereinigten Staaten ausgewandert, seit 2012 amerikanischer Staatsbürger. Verheiratet, ein Kind. Kulturkorrespondent der "Welt" und WamS" in New York. Bei KiWi erschienen seine Romane "Der Komet" und "Nach uns die Pinguine".