Linker Geschichtsrevisionismus

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Statt die Verbrechen der DDR als das zu benennen, was sie waren, gefallen sich Funktionäre der SED-Nachfolgerin „Die Linke“ immer noch darin, sie durch hanebüchene Vergleiche zu relativieren.

Dass „Die Linke“ sich eines Tages und wie von selbst durch biologische Prozesse in die bundesrepublikanische Parteiendemokratie integrieren würde, war eine weit verbreitete Hoffnung. Das Kalkül: Die belasteten DDR-Funktionäre sterben aus, eine junge Generation wächst nach und übernimmt den Laden. Als Vorschuss hatte man die Partei bereits kurz nach dem Zusammenbruch der DDR an die Macht gelassen. 1994 tolerierte die PDS eine rot-grüne Minderheitsregierung in Sachsen-Anhalt, 1998 wurde sie sogar Koalitionspartner der SPD in Mecklenburg-Vorpommern. Mittlerweile gilt sie weithin als völlig normale Partei, sie stellt mit Bodo Ramelow sogar einen Ministerpräsidenten. Auch Regierungsbeteiligungen im Westen haben ihren Schrecken verloren.

Während man sich die altersbedingte und vermeintlich unausweichliche Deradikalisierung einredete, polierte die Partei noch ausgiebig ihre Oberfläche auf, um die schmutzige Vergangenheit loszuwerden. Aus „SED-PDS“ wurde  „PDS“, wurde „Die Linkspartei.PDS“, wurde „Linkspartei“ und wurde schließlich „Die Linke“. Dass es immer noch die einstige DDR-Staatspartei ist, die da heute im Bundestag sitzt, haben viele auch deshalb nicht mehr auf dem Schirm.

Doch spätestens seit gestern ist klar: Die Deradikalisierung gab es nicht und man darf annehmen, dass es sie auch nicht mehr geben wird. Auch junge Spitzenfunktionäre, die nicht in der DDR sozialisiert wurden, betreiben – ganz wie die alten SED-Kader – das sattsam bekannte Spiel der Relativierung der Verbrechen des ostdeutschen Unrechtsstaats. So veröffentlichte auf Facebook der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Partei „Die Linke“, Jan Korte, diesen Beitrag:

Es ist natürlich niederträchtig, die Methoden der Stasi mit denen des BND zu vergleichen. Hans Modrow war ab Anfang der 50er-Jahre Teil der SED-Elite und damit ein natürliches und durchaus legitimes Ziel des BND. Korte setzt also die Überwachung eines SED-Kaders, eines Täters in der lupenreinen Diktatur DDR, mit der Zersetzung und den vielen anderen üblen Methoden der Stasi gleich, die sich meist gegen einfache Oppositionelle richteten, die nicht privilegiert waren. Es ist besonders widerlich, Modrows Beobachtung durch den BND in einem Atemzug mit den Stasi-Gräueltaten zu erwähnen, die im Namen von Modrow und seinen Genossen geschahen. Und sich selbst als Kämpfer für eine „unabhängige Aufklärung“ zu inszenieren, diffamiert die Opfer der Stasi/SED erneut. Es ist die alte und ekelhafte Platte der alten und ekelhaften SED/PDS/Linkspartei. Nichts hat sich geändert.

Besonders irritierend: Korte wurde 1977 in Osnabrück geboren. Er hat keine DDR-Politisierung und -Sozialisierung erfahren. Sollte er der Maßstab sein, war die Hoffnung auf eine demokratische Linkspartei vergebens.




Journalist und Kolumnist, lebt und arbeitet in Berlin. Mitbegründer der Salonkolumnisten.