4. Mai 2018

Atomdeal: Und was machen wir am Nachmittag?

Ich habe einen Freund in Israel, der auf großartige ideologische Versprechungen mit dem schönen lakonischen Satz reagiert: „Gut. Und was machen wir am Nachmittag?“ Also zum Beispiel: „Das Proletariat wird siegen und eine kommunistische Gesellschaft einführen.“ „Gut. Und was machen wir am Nachmittag?“

Auf eine sehr ernsthafte Weise stellt sich diese Frage anlässlich des Atomabkommens mit dem Iran, das Trump voraussichtlich am 12. Mai einseitig aufkündigen wird: „Gut, und was machen wir am Nachmittag?“ In den Iran einmarschieren? Bombardieren, in der verzweifelten Hoffnung, dass man jede Zentrifuge trifft? Versuchen, ein neues Abkommen auszuhandeln? (Wie, mit welchen Partnern? Wenn Russland nicht mehr mitspielt?) Neue ökonomische Sanktionen beschließen? (Bitte wie denn, wenn die Europäer – was wahrscheinlich ist – an dem Vertrag festhalten? Einseitige amerikanische Sanktionen werden gar nichts bewirken. Womöglich werden sie das Regime in Teheran sogar stützen, das dringend nach einem außenpolitischen Abenteuer sucht, weil es innenpolitisch immer mehr in die Bredouille gerät.) Was, wenn Trump – und dazu ist dieser Mann in der Lage – das Atomabkommen kündigt, dann GAR NICHTS TUT und die amerikanischen Truppen („America first!“) aus Syrien zurückzieht?

Vor allem: Was machen wir am Nachmittag, wenn unser hochwohlgeborener Präsident, nachdem er das Abkommen mit dem Iran gekündigt hat, mit dem nordkoreanischen Diktator zusammentrifft, um … Trommelwirbel, Tusch! … ein Atomabkommen auszuhandeln? (Glaubt übrigens irgendjemand im Ernst, dass der junge Kim sich auf ein Abkommen einlassen wird, bei dem er sein KZ-Land der Inspektion öffnen muss? Nordkorea ist voller Gebirge, in denen man hervorragend ganze unterirdische Anlagen verstecken kann.) Mit welcher Logik sagt man: „Wir vertrauen dem Mullah-Regime in Teheran nicht“, um dann anzufügen: „Aber dem nordkoreanischen Regime vertrauen wir sehr wohl, wir werten es sogar durch ein Gipfeltreffen auf“?

Ich habe keine Lösungen. Wahrscheinlich hat niemand eine Lösung. Aber in Trump sehe ich einen Mann, der es fertigbringt, die säbelklirrendste Rhetorik mit dem feigsten Appeasement zu verbinden. Ich für mein Teil ziehe im Zweifel den Status quo vor. Primum: non nocere.

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