Immigranten: Bereicherung oder Belastung?

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Sind Immigranten krimineller als die angestammte Bevölkerung? Leisten Immigranten mehr oder weniger als die angestammte Bevölkerung für den langfristigen Erfolg des Landes? Unser Autor hat sich die Zahlen für Amerika angeschaut.

Über jene dürre Erklärung, mit der ein paar Unterschriftsteller, die sich früher für links hielten und heute die Konservativen spielen, für die Schließung der deutschen Grenzen plädieren, habe ich nichts zu sagen. Deutschland geht mich seit ca. elf Jahren nichts mehr an. Ich möchte aber doch ein paar Punkte zur Einwanderungsfrage anmerken, so weit sie mein neues Vaterland, die Vereinigten Staaten von Amerika, betrifft. Denn hier gibt es Zahlen. Und die Zahlen sprechen für sich.

  • Einwanderer sind deutlich weniger kriminell als alteingesessene Amerikaner. Letztere werden doppelt so häufig eingesperrt wie illegale Einwanderer – und drei Mal so häufig wie legale Einwanderer.
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  • Die Kinder von Immigranten sind besser ausgebildet als die Kinder von Eltern, die in den Vereinigten Staaten geboren wurden. Nur 17 Prozent jener, die es bis in die letzte Runde der „2016 Intel Science Talent Search“ geschafft hatten, eines Wettbewerbs, der oft auch als der „Nobelpreis für junge Leute“ bezeichnet wird, waren keine Kinder von Immigranten.
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  • Am „Rochester Institute of Technology“ waren nur 9,5 Prozent der Studenten der Ingenieurswissenschaften in höheren Semestern keine Immigranten.
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  • Aber man muss gar nicht über solche schnöden Dinge wie Verbrechensbekämpfung sprechen. Reden wir doch über Dinge, die konservative Herzen höher schlagen lassen – die Religiosität etwa. Immigranten sind in signifikant höherem Maße religiös als alteingesessene Amerikaner; dies gilt insbesondere für Christen (83 Prozent versus 70,06 Prozent).
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  • „Family values“? Deutlich weniger eingewanderte Mütter gebären uneheliche Kinder als einheimische Mütter.
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  • „Security“? Je mehr Einwanderer sich in einer Gegend in den Vereinigten Staaten niederlassen, desto sicherer wird sie.
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  • Wirtschaftliche Tüchtigkeit? Fleiß? Immigranten gründen doppelt so viele Firmen wie alteingesessene Amerikaner.
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  • Insgesamt ist die Zahl von Nichtimmigranten, die Firmen gegründet haben, in Amerika zwischen 1995 und 2008 um zehn Prozent gefallen.
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  • Ach, und dann ist da noch die Sache mit der Demografie: Ohne Immigranten wären die Vereinigten Staaten genauso eine sterbende Nation wie Japan. Denn die Immigranten haben mehr Nachwuchs. Und sie gebären diesen Nachwuchs, siehe oben, keineswegs in die Sozialsysteme hinein, sondern bescheren uns die Genies von morgen.
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  • Die Problembevölkerung in den Vereinigten Staaten sind – wie jeder weiß, der „Hillbilly Elegy“ von J. D. Vance gelesen hat – überhaupt nicht die Immigranten, welcher Hautfarbe auch immer.
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Sich als Christen bezeichnen, aber nicht mehr zur Kirche gehen

Es sind die Nachfahren der Iren und Schotten im Mittleren Westen, die ihren Babys Coca Cola in Milchflaschen füllen und sich dann wundern, wenn deren erste Zähne verrotten; Leute, die eine Macho-Kultur der Gewalt pflegen, keine festgefügten Familienstrukturen mehr haben, sich als Christen bezeichnen, aber nicht mehr zur Kirche gehen, häufig von Sozialhilfe leben, häufig „Medicare“ beziehen, häufig vom „Affordable Care Act“ abhängig sind (den sie hassen, weil er volkstümlich so genannt wie ein schwarzer Mann: „Obamacare“) und in vielen Fällen von Opiaten abhängig sind. In Staatsbürgerkunde würden die meisten dieser Leute naturgemäß durchfallen. Wie (leider) viel zu viele alteingesessene Amerikaner haben sie keine Ahnung, was unter Gewaltenteilung zu verstehen ist und dass das First Amendment selbstverständlich auch Muslimen die Religionsfreiheit garantiert; und sie wollen nicht wissen, dass die Frage, ob die USA ein Ethnostaat sind, im Wesentlichen in der Schlacht von Gettysburg entschieden wurde. Diese Männer und Frauen im Mittleren Westen haben überwiegend Trump gewählt und verehren ihn noch heute wie einen Messias. Und Geschichten wie die von der zehnjährigen Rosemaria Hernandez – einem spastisch gelähmten mexikanischen Mädchen, das von unseren Einwanderungsbehörden noch im Krankenhaus in Texas gekascht und in ein Gefangenenlager für Kinder verbracht wurde – interessieren solche Leute naturgemäß nicht die Bohne.

Warum sollte es sie auch interessieren? Nach ihrer Meinung würde alles gut, sobald die Mauer an der Grenze zu Mexiko steht und keine Fremden mehr ins Land dürfen.




Hannes Stein, geboren 1965 in München, aufgewachsen in Salzburg, hat lange in Schottland, länger in Israel und am längsten in Hamburg und Berlin gelebt. 2007 in die Vereinigten Staaten ausgewandert, seit 2012 amerikanischer Staatsbürger. Verheiratet, ein Kind. Kulturkorrespondent der "Welt" und WamS" in New York. Bei KiWi erschienen seine Romane "Der Komet" und "Nach uns die Pinguine".