Nächste Eskalationsstufe: Putsch

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Die Russlandverbindungen könnten Donald Trump und seine Familie in den Knast bringen. Nun bleibt ihm nur noch ein Ausweg.

Donald Trump hat jetzt verstanden, dass die Untersuchungen des Sonderermittlers Robert Mueller, wenn sie ungehindert weitergehen, seine Familienmitglieder, seine engsten Mitarbeiter und auch ihn ins Gefängnis bringen könnten. Landesverrat, Kollaboration mit dem Feind. Deswegen fragt er jetzt sein Anwaltsteam allen Ernstes, ob er als Präsident eigentlich die Möglichkeit habe, sich selbst zu begnadigen.

Die Republikanische Partei dürfte so langsam verstehen, dass sie verspielt hat: Es ist ihr nicht gelungen, Obamacare abzuschaffen, nachdem sie jahrelang gegen nichts anderes so sehr gewütet hat wie gegen dieses Gesetz – und das, obwohl sie die Mehrheit sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat hat. Jede neue Meinungsumfrage macht klar: Bei den Wahlen von 2018 werden die Republikaner sich eine gewaltige Ohrfeige einfangen.

Watergate war dagegen ein Kindergarten

Jetzt bleibt nur noch eines, wenn Trump und Konsorten und die mit ihm auf Gedeih und Verderb verbündeten Republikaner sich an der Macht halten (bzw. im Falle von Trump: nicht ins Gefängnis gehen) wollen. Ein Staatsstreich. Exekutive plus Legislative gegen die Unabhängigkeit der Gerichte. Unterstützt von circa einem Drittel der amerikanischen Bevölkerung, für das Trump der Heiland ist, der gegen die böse Globalisierung, die bösen Muslime, die bösen Mexikaner und überhaupt alles Böse da draußen kämpft.

Schon jetzt versuchen Trump und Co., Robert Mueller zu diskreditieren – als nächstes werden sie versuchen, ihn abzusägen. Sobald das passiert, werden wir wissen, dass der Putschversuch gestartet wurde. Ich denke (hoffe, glaube) immer noch, dass der Putsch scheitern wird – weil sich mittlerweile genug Leute in den Behörden darauf vorbereitet haben; weil es den Regierungsgangstern nicht gelungen ist, unabhängige Journalisten in die Defensive zu treiben; weil Trump und Co. sich mit einer breiten Widerstandsbewegung konfrontiert sehen. Aber eines ist schon jetzt klar: Watergate war ein Kindergarten gegen das, was jetzt in den Vereinigten Staaten von Amerika passiert.

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Hannes Stein, geboren 1965 in München, aufgewachsen in Salzburg, hat lange in Schottland, länger in Israel und am längsten in Hamburg und Berlin gelebt. 2007 in die Vereinigten Staaten ausgewandert, seit 2012 amerikanischer Staatsbürger. Verheiratet, ein Kind. Kulturkorrespondent der "Welt" und WamS" in New York. Zuletzt erschien der Roman "Der Komet", erhältlich als kiwi-Taschenbuch.


Mit freundlicher Unterstützung von johannesdultz.com